12.03.2026

Die Isar entlang, gegen den Mainstream

Landshuter Kurzfilmfestival
Über 200 Filme aus 36 Ländern bilden das diesjährige Programm...
(Foto: LAKFF)

Das 26. Landshuter Kurzfilmfestival

Von Anna Edelmann

In München lebt man im Überfluss, was die Auswahl an Film­fes­ti­vals angeht. Fast jede Woche widmet sich in dieser schönen Stadt ein kleines oder größeres Fest den kleinen und größeren Fokusen der großen weiten cine­as­ti­schen Welt. Aber München ist ja auch berühmt für seine ausge­zeich­nete Lage, was Tages­aus­flüge angeht: Viel zu entdecken gibt es in der Umgebung. Ob die Berge rauf, in die Seen hinein – oder eben die Isar entlang.

So führt uns diese Woche der Stadt­strom hinaus bis nach Landshut. Aber nicht aus reiner Freude an der Stadt­flucht und am baye­ri­schen Land im aufkei­menden, zart-kalten Frühling: Vom 11. bis 16. März findet hier das 26. Lands­huter Kurz­film­fes­tival statt.

Gerne wird über Festivals geschrieben, wie viel­fältig oder bunt­ge­fächert ihre Programme sind. Oder man traut es sich nicht mehr zu schreiben, weil es schon so oft geschrieben wurde oder man Sorge trägt, sich wie eine bloße Pres­se­spre­cherin zu lesen. Aber selten treffen diese vermeint­lich ausge­lutschten Adjektive es so sehr zu wie bei einem großen Kurz­film­fes­tival wie dem in Landshut. Speziell der Kurzfilm wird auf Lang­film­fes­ti­vals gerne in die Ecke gedrängt oder in Sonder­pro­grammen für die Nach­wuchs­för­de­rung unter­ge­bracht, während er im regulären Kino­pro­gramm so gut wie gar nicht statt­findet – jenseits eines Vorfilms, wobei diese so selten geworden sind, dass sie einen fast nost­al­gisch stimmen.

In Landshut hingegen ist es eine bewusste Entschei­dung für diese spezielle Form des filmi­schen Erzählens. Und so sieht die Programm­ge­stal­tung mit ihren verschie­denen Sektionen nur auf den ersten Blick aus wie auf anderen Film­fes­ti­vals. Denn bedingt durch die kurze Spiel­dauer und die Selten­heit, dieses Format überhaupt im Kino zu sehen, landet man fast auto­ma­tisch in den quirligen Gewässern jenseits des Haupt­stroms – Verzei­hung, des Main­streams.

Über 200 Filme aus 36 Ländern bilden das dies­jäh­rige Programm, wobei das Herzstück des Festivals die D-A-CH-Sektion bleibt, in der Filme aus Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz um den mit 5.000 € höchst­do­tierten Preis des Festivals wett­ei­fern. Auf einen Schlag findet man hier in acht Programmen mehr Band­breite als beim abend­fül­lenden deutsch­spra­chigen Film. Dead Air beschäf­tigt sich mit der versuchten Einmi­schung der Politik in die Presse; zwischen einer Maklerin und einer unver­schämt-über­grif­figen Inter­es­sentin für das Wohnjuwel entbrennt ein inten­sives Kammer­spiel; und schließ­lich erfahren wir mit albern-heiterer, gluck­sender Begeis­te­rung bei der Rotna­schiernte In Kuppeby Neues über tradi­tio­nelle, regionale Süßwa­ren­spe­zia­li­täten.

Themen und Genres wechseln rasant – ja, viel­leicht ist das überhaupt die größte Qualität des Kurzfilms: Er verzeiht keine Unauf­merk­sam­keit. Weder hinter der Kamera noch im Kino­sessel. Mit ebenfalls acht Programmen bietet die inter­na­tio­nale Sektion viel Raum für die verschie­densten Geschichten und Genres. Hier findet sowohl eine tief melan­cho­li­sche, belgische Parabel über Einsam­keit ihren Platz, in der ein Catcher – ein vom Staat beauf­tragter Fänger – Jagd auf unsicht­bare Singvögel macht, als auch eine quietsch­bunte, gewagt-poli­ti­sche, chine­si­sche Gesell­schafts­sa­tire wie Boiling Point, in der ein älterer Herr wort­wört­lich beweist, wie viel er für sein Land zu schlucken bereit ist.

Letztlich liegt die größte Stärke des Festivals in der Balance von Regio­na­lität und tatsäch­li­cher Inter­na­tio­na­lität. Einer­seits fördert das Festival in Zusam­men­ar­beit mit der Lands­huter Zeitung mit seinem „Lokal­runde“-Preis gezielt Filme­ma­chende aus Bayern. Ande­rer­seits bietet dieses Jahr auch die Doku­men­tar­film­reihe Einblicke in ausge­spro­chen nationale Themen. Beob­ach­tend, nicht (vor-)urteilend erzählt Am Becken­rand vom Umgang der Bewohner*innen eines kleinen Dorfes im Nord­schwarz­wald mit der Ankunft einer Geflüch­te­ten­fa­milie. In Let The Kids Know wird die Akti­vistin Judith mit den recht­li­chen Konse­quenzen konfron­tiert – und somit auch mit dem Vergessen ihres Protestes sowie den trau­ma­ti­schen Erfah­rungen poli­zei­li­cher Repres­sion. Es laufen Filme über sozi­al­pä­d­ago­gi­sche Kunst­pro­jekte an Schulen, den Alltag in einer Bundes­wehr­ka­serne, in Heil- und Pfle­ge­an­stalten oder auch in typischen, lebendig-grauen Wohn­sied­lungen.

Weitere Perspek­tiven eröffnen die Sektionen Shock Blocks für das Genre-Kino sowie die Anima­ti­ons­filme, während Sonder­pro­gramme wie DaHome, Queer, Ü60 und ein eigenes Kinder­pro­gramm das Festi­val­an­gebot abrunden.

Ande­rer­seits ist die familiäre Stimmung vor Ort – fast para­do­xer­weise – inter­na­tional geprägt. Es ist erstaun­lich zu beob­achten, wenn Filme­ma­chende aus der ganzen Welt in das sonst so über­schau­bare Landshut einbre­chen und die Stadt für sich einnehmen. Die Kneipen und Restau­rants entlang der Festi­val­meile – oder wie die Lands­huter sie liebevoll nennen: die Altstadt – füllen sich mit Menschen, die zwischen Skepsis und Genuss ihre erste Weißwurst probieren und dabei hitzig über die obskursten Kurzfilme disku­tieren, seien es ihre eigenen oder neu entdeckte Werke.

Wie es sich für einen anstän­digen Tages­aus­flug gehört, lädt das Festival mit seinen Kurz­film­pro­grammen das Publikum ein, sich einfach treiben zu lassen.

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26. Lands­huter Kurz­film­fes­tival
11. – 16. März 2026

Eintritt: 10€ – 12€ pro Programm­block, Dauer­karte 60€
Alle Infor­ma­tionen zu Programm und Tickets auf der Website des Festivals.

Disclaimer: Die Autorin Mitglied des Festi­val­teams in Landshut.