18.04.2019

Die Jugend von damals und heute

Take Me Somewhere Nice
Take Me Somewhere Nice von Ena Sendijarević

GoEast – 19. Festival des mittel- und osteuropäischen Films – Eine Rundschau über die wichtigsten Filme des Festivals

Von Holger Twele

Ein klarer Trend bei den Wett­be­werbs­bei­trägen im 19. Jahr von goEast: Weniger Altmeister als viele junge Film­schaf­fende waren diesmal mit ihren Werken vertreten, wobei Gene­ra­tio­nen­kon­flikte unter­schied­lichster Art im Fokus standen. Der aktuell zuneh­mende Wider­stand junger Menschen gegen die Politik und die Entschei­dungen der älteren Gene­ra­tion ist aller­dings kein rein osteu­ropäi­sches Phänomen. Doch »im Osten wird der Konflikt noch dadurch verschärft, dass die Gene­ra­tionen in unter­schied­li­chen wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Systemen aufge­wachsen sind«, so Festi­val­lei­terin Heleen Gerritsen. Zusammen mit den sechzehn Wett­be­werbs­bei­trägen waren diesmal 109 Filme aus 39 Ländern zu sehen, wobei auch dem Jubiläum dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer mit einer eigenen Reihe und einer erst­ma­ligen Koope­ra­tion mit dem Film­fes­tival Cottbus Rechnung getragen wurde.

Gene­ra­tio­nen­kon­flikte

Bei einem so eindeu­tigen Trend in diesem Jahr über­raschte es wenig, dass der Film, der geradezu exem­pla­risch für die von tiefer Verzweif­lung geprägte, aber immer noch spora­disch auffla­ckernde Lebens­kraft der Jugend steht, von der Jury auch mit dem Haupt­preis ausge­zeichnet wurde. Der russische Debütfilm Acid von Alexander Gorschilin dreht sich um die Freund­schaft zwischen Petya und Sasha. Nach dem bewusst in Kauf genom­menen Suizid eines Bekannten im Drogen­rausch droht ihre Freund­schaft zu zerbre­chen. Ohne Rückhalt seitens der Eltern, die ausschließ­lich ihre eigenen Inter­essen verfolgen und um ihrer persön­li­chen Karriere willen keinerlei Vers­tändnis für den Nachwuchs aufbringen, treiben die Freunde orien­tie­rungslos vor sich hin, versuchen vergeb­lich, mit Partys, Sex, Drogen und Selbst­ver­s­tüm­me­lung durch Säure ihrer lähmenden Verein­sa­mung zu entkommen. Am Ende schrecken sie auch nicht davor zurück, Unschul­dige für ihr eigenes Dilemma büßen zu lassen. Es ist die filmisch radikal und konse­quent umge­setzte Zustands­be­schrei­bung einer verlo­renen Gene­ra­tion, selbst wenn man sich davor hüten sollte, das zu pauscha­li­sieren.

Strip and War von Andre Kutsila, eine Kopro­duk­tion zwischen Weiß­russ­land und Polen und von der Fipresci mit dem Preis für den besten Doku­men­tar­film ausge­zeichnet, weiß dem Thema beispiels­weise schon eine weitaus posi­ti­vere Variante abzu­ge­winnen. Anatoliy, etwa im gleichen Alter der russi­schen Jugend­li­chen, lebt bei seinem Großvater, einem pensio­nierten Armee-Offizier, der noch ganz von den Idealen der Pflich­ter­fül­lung und des Dienstes für das Vaterland erfüllt ist. Er kann nicht verstehen, warum sein Enkel das Inge­nieur­stu­dium abge­bro­chen hat, um in Stri­plo­kalen aufzu­treten und seine Karriere als Tänzer voran­zu­treiben. In einer einzigen Einstel­lung erfasst die Kamera beide Prot­ago­nisten, die von einer dicken Mauer vonein­ander getrennt sind und sich in ihrem Wohn­be­reich ihre eigene Welt aufgebaut haben. Trotz aller Unver­ein­bar­keiten und gegen­sei­tigen Vorwürfe reden die Gene­ra­tionen jedoch weiterhin mitein­ander, während draußen auf der Straße bereits wieder die Panzer rollen.

Moments (CR, Slowakei) von Beata Parkanová hat zwar keinen Preis gewonnen, wurde aber immerhin vom 3sat-Medi­en­partner des Festivals angekauft und soll ein Jahr später ausge­strahlt werden. Die junge Prot­ago­nistin des Films ist außer­or­dent­lich hilfs­be­reit und pflicht­be­wusst, verkör­pert in gewisser Hinsicht die Ideale der kommu­nis­ti­schen Gesell­schaft, selbst wenn eine ähnliche Geschichte auch anderswo in Europa denkbar ist. Gedankt wird Anežka diese Hilfs­be­reit­schaft aber nicht, ganz im Gegenteil. Da sie offenbar nicht in der Lage ist, ihre Grenzen deutlich zu ziehen, wird sie von ihrer Familie und von ihren Lieb­ha­bern gnadenlos ausge­nutzt. Den Rede­schwall der Groß­mutter, der den dementen Großvater selbst noch im Pfle­ge­heim zu einer heftigen körper­li­chen Reaktion veran­lasst, lässt sie wider­standslos über sich ergehen, der getrennt lebende Vater denkt nur ans Mate­ri­elle und die von allen allein gelassene Mutter versinkt in tiefer Depres­sion und bemuttert ihre Tochter wie ein Baby. Was sie selbst will, weiß die junge Frau leider nicht. In einer Kranfahrt am Ende eröffnet der Film als Zeichen der Hoffnung immerhin eine neue Perspek­tive, eine andere Sicht auf die Realität.

Familien-Geschichten

Obwohl die Gene­ra­tio­nen­kon­flikte natürlich alle im Rahmen der Familie spielen, setzen sich einige Wett­be­werbs­bei­träge noch konkreter mit zerstörten oder geret­teten Fami­li­en­mo­dellen ausein­ander. Home Games (Ukraine, Frank­reich, Polen) von Alisa Povalenko, die dafür den Preis des Auswär­tigen Amts für kultu­relle Vielfalt erhielt, handelt von der 20-jährigen Ukrai­nerin Alina, die konse­quent ihren Traum von einer profes­sio­nellen Fußball­kar­riere verfolgt. Und das, obwohl sie als Straßen­kind ums reine Überleben kämpfen muss, nachdem die Mutter ins Gefängnis wandert. Kaum entlassen, bringt die Mutter zwei weitere Kinder zur Welt, kann aber ebenfalls nicht für sie sorgen. So übernimmt Alina auch diese Rolle, versucht mit unwahr­schein­li­cher Energie, die ange­nom­mene Mutter­rolle mit einer Fußball­kar­riere zu verbinden.

Weniger über­zeu­gend dagegen End of Season (Deutsch­land, Aser­bai­dschan, Georgien) von Elmar Imanov, ein vergleichs­weise eher kleines Fami­li­en­drama über eine Kern­fa­milie, wobei die Mutter und die Freundin des Sohnes stets den Kürzeren ziehen. Die Konflikte brechen offen aus, als die Mutter nach einem Ausflug ans Meer plötzlich spurlos verschwindet und das Fami­li­en­gefüge neu aufge­stellt werden muss. Ein Film, der sich in seiner Intention nur schwer einordnen lässt, zumal er den Zerfall einer Familie genau aufzeigt, während die beiden anwe­senden Haupt­dar­steller in Wiesbaden ausdrück­lich betonten, dass er mit dem Bild der Familie in Aser­bai­dschan rein gar nichts zu tun habe.

Sehens­wert dagegen Take Me Somewhere Nice (Nieder­lande, Bosnien und Herze­go­wina) von Ena Sendi­ja­rević, ein Roadmovie über die Suche nach der eigenen kultu­rellen Identität und nach Heimat. Alma ist mit ihrer Mutter nach dem Bosni­en­krieg nach Holland emigriert, fühlt sich dort aber bis heute nicht heimisch. Als der nicht emigrierte Vater schwer erkrankt, entschließt sich die junge Frau, ihn in Bosnien-Herze­go­wina zu besuchen. Was als Kultur­schock beginnt, mündet in eine hinder­nis­reiche Reise quer durch das immer noch von den Nach­wir­kungen des Krieges gekenn­zeich­nete Land, wobei der Cousin und dessen Freund zu eigen­nüt­zigen Mitrei­senden werden und Alma unterwegs ihre gesamten Habse­lig­keiten verliert. Etwas über­frachtet mit einem Drogen­deal und allzu klischee­haft wirkenden Männ­er­fi­guren, lebt der Film vor allem durch seine Prot­ago­nistin, die unter großen Opfern ein Stück erwach­sener wird.

White Mama (Russland) von Zosya Rodkevich und Evgeniya Ostanina weist gewisse Ähnlich­keiten mit dem Wett­be­werbs­bei­trag System­sprenger der Berlinale 2019 auf. Warum die mit einem Äthiopier verhei­ra­tete Russin trotz ihrer leib­li­chen vier Kinder, die gut versorgt und beachtet werden wollen, auch noch einen schwer verhal­tens­ge­störten Jungen adoptiert, bleibt zwar im Unklaren. Aber die Geduld und die Ausdauer aller Fami­li­en­mit­glieder, die mit dem wider­spens­tigen nervigen Jungen an den Rand ihrer Leistungs- und Tole­ranz­fähig­keit geraten, ist bewun­derns­wert. Ein Fami­li­en­mo­dell, das dem preis­ge­krönten Film Acid diametral entge­gen­steht, selbst wenn man ahnt, dass dieser Junge als Jugend­li­cher vermut­lich bald in einer ähnlichen Lage wäre, wenn ihm nicht jetzt schon geholfen wird.

Rück­blicke und Erin­ne­rungen

Heutigen Filmen aus dem Osten mangelt es nicht an Stoffen und Ideen, auch nicht an fähigen Film­schaf­fenden, sondern vor allem an genügend Geld. An zwei Filmen war das besonders deutlich zu erkennen. Am 16. Januar 1969 verbrannte sich der Philo­so­phie­stu­dent Jan Pallach auf dem Prager Wenzels­platz aus Protest gegen die Nieder­schla­gung des Prager Frühlings. Robert Sedláček hat diese in der CR bis heute umstrit­tene Figur mit seinem titel­ge­benden Film in Erin­ne­rung gerufen und sich auf die lange Vorge­schichte konzen­triert. Der Traum eines Lebens in einer freien Gesell­schaft wird durch den Einmarsch der russi­schen Truppen jäh zerstört, wobei der Film über ein Kammer­spiel mit hier­zu­lande teils unbe­kannten öffent­li­chen Personen kaum hinaus­weist. Pallachs Moti­va­tion und seine Entwick­lung bis zur Selbst­ver­bren­nung bleiben daher mehr im Rahmen von Behaup­tungen als in Form einer kino­t­aug­li­chen visuellen Beweis­füh­rung, wobei das tragische Ende ohnehin bereits bekannt ist.

Die kammer­spiel­ar­tige Insze­nie­rung hat in Cold November (Kosovo, Albanien, Nord­ma­ze­do­nien) von Ismet Sijarina immerhin ihre Berech­ti­gung. Denn im Mittel­punkt des mit einer Lobenden Erwähnung bedachten Films steht ein koso­va­ri­scher Fami­li­en­vater, der vor der schier unlös­baren Entschei­dung steht, ob er sich im Jahr 1992 den serbi­schen Macht­ha­bern will­fährig zeigt, um seine Familie zu schützen, und dadurch in den Augen seiner Lands­leute zum Verräter wird, oder ob er den Dienst quittiert und Wider­stand leistet wie sein Arbeits­kol­lege. Die Ironie des Schick­sals ist, dass unter solchen poli­ti­schen Restrik­tionen das Überleben in keinem Fall gewähr­leistet war. Etwas mehr Zeit­ko­lorit und der (kosten­trei­bende) Blick auch auf die äußere Realität hätten diesem Film gut getan.

Am Beispiel von vier Orten in Bosnien-Herze­go­wina, die inzwi­schen vom Tourismus beherrscht werden, geht Igor Drljača in seinem Doku­men­tar­film The Stone Speakers (Kanada, Bosnien und Herze­go­wina) der Frage nach, was aus den Idealen von damals nach dem Zerfall des jugo­sla­wi­schen Staates übrig geblieben ist. Durch die vielen Totalen und eine wenig inspi­rierte Kamera hinweg über religiös und esote­risch ausge­rich­teten Massen­ver­an­stal­tungen gelingt es dem Film jedoch nicht, anhal­tendes Interesse zu wecken. Weitaus span­nender ist die Doku­men­ta­tion Hungary 2018 (Ungarn, Portugal) von Eszter Hajdú über den Rechts­ruck in Ungarn bei den Wahlen 2018. Obwohl beide Seiten, die von Viktor Orbán und insbe­son­dere die des Gegen­kan­di­daten Ferenc Gyursány ausführ­lich zu Wort kommen, bleibt am Ende nur eine große Ratlo­sig­keit, warum 80 Prozent der Bevöl­ke­rung sich der medialen Kontrolle Orbáns beugten und Immi­granten für eine so große Gefahr halten, obwohl sie in Ungarn kaum einer wirklich zu Gesicht bekommen hat.

Genre-Anleihen

Poli­ti­sche Filme und Sozi­al­dramen haben es heute in Mittel- und Osteuropa schwer, ihr Publikum zu finden. Mögli­cher­weise liegt darin auch ein Grund, dass mindes­tens jeder vierte Wett­be­werbs­film Anleihen bei einem Genre nahm, Road­mo­vies und Coming-of-Age-Filme noch nicht einmal mitge­zählt. Zumindest bei The Gentle Indif­fe­rence of the World (Kasachstan, Frank­reich) von Adilkhan Yerzhanov ging die Rechnung voll auf, denn er war der große Gewinner des Festivals. Völlig zu Recht erhielt er den Preis der Landes­haupt­stadt Wiesbaden für die Beste Regie und den Preis der Fipresci in der Kategorie Spielfilm. Die Mafia-Tragi­komödie über die Kraft der Liebe als eines der letzten noch verblie­benen Werte, die zugleich auf alten Sagen und Erzähl­tra­di­tionen von Kasachstan fußt, beein­druckte durch ihre sehr persön­liche Hand­schrift mit langen mini­ma­lis­ti­schen Einstel­lungen voller Poesie, Inten­sität und geradezu anar­chi­scher Situa­ti­ons­komik. Das mag heutigen Sehge­wohn­heiten zuwi­der­laufen, ist aber äußerst reizvoll. Eine über­schul­dete Erbin vom Land wird nach dem Selbst­mord ihres Vaters zum Onkel in die Stadt geschickt, der sie des Geldes wegen an einen reichen Geschäfts­mann verhei­raten möchte. Ein lang­jäh­riger Freund, der seit vielen Jahren in sie verliebt ist, versucht das zu verhin­dern und gerät dadurch selbst in mafiöse Machen­schaften, wobei die beiden Liebenden am Ende zwar zuein­ander finden, aber nicht überleben werden.

Weniger über­zeu­gend war Moon Hotel Kabul (Rumänien, Frank­reich) von Anca Damian, der als Paranoia-Thriller im Noir-Stil ange­kün­digt war, sich mit der gleichen Berech­ti­gung aber als ethno­gra­fi­scher Film bezeichnen ließe. Vor der Folie des Mordes an einer Dolmet­scherin in Kabul, die einer Verschwö­rung auf der Spur war, konzen­triert sich der Film weit­ge­hend auf einen mit allen Wassern gewa­schenen Kriegs­re­porter, der ein heim­li­ches Verhältnis mit ihr hatte und nun ihren Leichnam in ein abge­le­genes Dorf in ihre rumä­ni­sche Heimat überführt. So wie in der filmi­schen Realität Lüge und Wahrheit oft nicht klar vonein­ander zu unter­scheiden sind, macht es der Film dem Zuschauer schwer, der Handlung zu folgen, die ohnehin mehr einer Zustands­be­schrei­bung gleicht als einem klar umris­senen Plot.

Kult­re­gis­seur György Pálfi verfilmte mit His Master’s Voice (Ungarn, Kanada) einen SF-Roman von Stanislaw Lem und übertrug die Handlung über die Suche eines Spät­dreißi­gers nach seinem vor vielen Jahren verschwun­denen Vaters in die Gegenwart. Dieser glaubt, den Vater in dem Video eines ameri­ka­ni­schen Verschwö­rungs­theo­re­ti­kers zu erkennen, begibt sich auf Spuren­suche vor Ort und stößt mitten in ein geheimes Forschungs­pro­jekt, an dem sein Vater beteiligt war. Medial aufge­motzt im Stil privater Nach­rich­ten­sen­dungen bleibt von der Geschichte aber nicht viel mehr als ein optisch beein­dru­ckender Augen­kitzel in Erin­ne­rung.

The Riddle of Jaan Niemand (Estland) von Kaur Kokk geht genau den umge­kehrten Weg und setzt mit einer History-Mystery ganz auf alte kine­ma­to­gra­fi­sche Tradi­tionen des Ostens. Estland liegt nach zehn Jahren Nordi­schem Krieg am Boden, die bäuer­liche Bevöl­ke­rung leidet unter Hunger und Pest. In dieser fragilen Situation wird ein Fremder am Strand ange­schwemmt, der sein Gedächtnis verloren hat und aufgrund eines ebenfalls ange­schwemmten Arzt­kof­fers als Jaan Niemand bezeichnet wird. Unter­dessen spitzen sich die Konflikte zwischen dem Land­grafen und den Bauern weiter zu und eine bereits für tot erklärte Frau kehrt aus der Hölle zurück und prophe­zeit das nahe Ende der Welt. Man muss die reichlich abstruse Geschichte nicht unbedingt mögen, aber das Setting, die Kamera und die Licht­füh­rung machen aus dieser atmo­s­phä­risch ungemein dichten Mystery ein kleines Kunstwerk.

Der besondere Tierfilm

Allen gängigen Kate­go­rien entzieht sich Acid Forest (Litauen) von Rugilė Barz­dži­ukaitė, ein Doku­men­tar­film über ein Vogel­re­servat auf der kurischen Nehrung. Dort haben Tausende von Kormo­ranen einen Nistplatz gefunden. Da sie unter Natur­schutz stehen, dürfen sie nicht gejagt werden und vermehren sich rasant. Die Tragik dabei ist, dass sie mit ihrem sauren Kot die gesamte Vege­ta­tion und damit ihre eigene Lebens­grund­lage zerstören, viele abge­stor­bene Bäume ragen nur noch als Gerippe mahnend in den Himmel. Aus der Totale und mit einigen Droh­nen­flügen über die Baum­wipfel hinweg nimmt die weit­ge­hend starre Kamera kommen­tarlos eine hölzerne Beob­ach­tungs­platt­form ins Visier, die von Touristen aus der ganzen Welt besucht wird. Ein an dieser Stelle ange­brachtes Mikrofon nimmt auf, was die Menschen dort reden. Und das setzt dem traurigen Natur­schau­spiel noch die Krone auf. Da kommen alle denkbaren Vorur­teile über den Osten und die Politik der Europäi­schen Union zur Sprache, auch Radi­kal­lö­sungen mit dem Abknallen der Vögel werden ins Spiel gebracht. So wird dieser seltsame Tierfilm zum Zerr­spiegel einer Gesell­schaft, die sich und andere beden­kenlos zerstört und das auch noch als »brillant« und »unglaub­lich« bezeichnet.

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