13.10.2005

Wunderbare Wirklichkeit

O Pagardor de Promessas
Goldene Palme für O Pagador De Promessas (Fünfzig Stufen zur Gerechtigkeit)
(Foto: Brasilien-Filmtage)

Zum 8. Mal Brasil Plural in München

Von Dunja Bialas

Brasilien, das ist das Land der Fußball­zau­berer und Samba­tän­ze­rinnen, ist Land des Zucker­huts und der am Reißbrett entwor­fenen Haupt­stadt Brasilia. Brasilien aber ist auch ganz anders und noch viel mehr. Ist ein Land, das tief in Afrika wurzelt, heute sich gemeinsam mit anderen süda­me­ri­ka­ni­schen Staaten gegen die Übermacht des nörd­li­chen Hemi­sphäre aufstemmt. Einblicke in das Land der vielen Wirk­lich­keiten können jetzt an drei Tagen in München gewonnen werden, bei den Filmtagen BRASIL PLURAL. Zum achten Mal finden sie bereits statt und haben nun, nach den Anfängen in der Münchner Film­hoch­schule und der lang­jäh­rigen Gasteig-Gastie­rung endlich den Weg in die würde­vollen Kinosäle von Film­mu­seum und Werk­statt­kino gefunden.

Gezeigt werden zwei Kurz­film­pro­gramme der jungen Filmszene, die kraft­volle Filme verspre­chen (in OmU im FILMMUSEUM, Do. 19:00 mit anschließendem Eröff­nungs­fest, zweites Programm am Fr. 18:30). Das Ausbil­dungs­pro­jekt Revelando Brasis (Es gibt viele Brasi­liens) zeigt in Art der spani­schen Aufklärungs­filme der 20er Jahre der Bevöl­ke­rung das eigene Land durch die Vielfalt seiner Bilder (OmeU, WERKSTATTKINO, Sa. 16:00). Im Special Mercosur reflek­tiert die junge Filmszene aus der argen­ti­ni­schen Stadt Córdoba über den Zusam­men­schluss der süda­me­ri­ka­ni­schen Staaten zur Wirt­schafts­ge­mein­schaft (OmeU, WERKSTATTKINO, So. 16:00). Keines­falls verpassen sollte man auch O pagador de promessas (Fünfzig Stufen zur Gerech­tig­keit) von 1962, der einst die Goldene Palme in Cannes gewonnen hat und ein echter Klassiker des »Cinema Novo« ist (OmeU, FILMMUSEUM, So. 21:00). Afri­ka­ni­scher Kult und katho­li­sche Kirchen­ho­heit prallen im Cultural Clash aufein­ander in diesem Land, in dem so vieles neben­ein­ander existiert und alles mitein­ander verschmilzt.

Weitere Filme des Programms, das dieses Jahr unter dem Motto »Kultu­relle Vielfalt, viele Reli­gionen, ein Glaube« steht: der Doku­men­tar­film Hoch lebe Sao Joao über das jährlich statt­fin­dende Johan­nis­fest (OmeU, FILMMUSEUM, Sa. 21:00), Starker Heiliger, eine Doku über Papst­messe, afri­ka­ni­sche Kulte und evan­ge­li­sche Sekten (OmeU, FILMMUSEUM, Sa. 15:30), Schwarzer Atlantik (Na Rota Dos Orixas), der sich auf die Suche nach den Ursprüngen der afro­ame­ri­ka­ni­schen Kulte macht (OmeU, FILMMUSEUM, Fr. 21:00) und schließ­lich Glaube (Fe) über die Macht des Glaubens im heutigen Brasilien (OmeU, FILMMUSEUM, So. 21:00).
- Viel­leicht ist ja dort, wo die Wirk­lich­keit am meisten zählt, der Glaube und mit ihm das Unwirk­liche am stärksten.