18.09.2001

APOCALYPSE, NOW

Fiktion: A.I. ARTIFICIAL INTELLIGENCE

APOCALYPSE, NOW

Unsere Bilder von der Apokalypse werden wohl nie wieder einfach die selben sein können.

Von Thomas Willmann

New York nach der Kata­strophe. Die Ruinen des World Trade Center. Sie ragen aus dem Wasser. Etliche Stock­werke hoch.
Die Zukunft in Spiel­bergs A.I. – ARTIFICIAL INTELLIGENCE ist Schnee von gestern. Unsere Bilder von der Apoka­lypse werden wohl nie wieder einfach die selben sein können.

Als am letzten Dienstag, an jenem 11. September 2001, a day that will live in infamy forever, die ersten Bilder aus New York auf alle Fern­seh­schirme fluteten, saß eine Bekannte von mir minu­ten­lang davor, nichts­ah­nend, und dachte wirklich, allen Ernstes, nicht nur in diesem »Ich kann nicht glauben, dass das wahr sein soll«-Gefühl, sie sähe gerade einen Ausschnitt aus einem neuen Action­film. Am Telefon mit einer Freundin war sie fröhlich und freute sich schon drauf, das ganze Spektakel demnächst im Kino anschauen zu können. Bis ihr die Freundin klar machte, was sie da wirklich erblickte.
Es ist jetzt schon abge­dro­schen, jetzt schon banal fest­zu­stellen, dass viele von uns sich als erstes enorm stark an Action­filme erinnert fühlten, als sie am Dienstag den Fernseher anschal­teten. Dass viele, in den ersten Sekunden nach Anblick der Explo­sionen, in den Momenten, bevor das Nach­denken einsetzen konnte, nach den Hinter­män­nern gefragt, womöglich Jerry Bruck­heimer genannt hätten. Aber es ist deswegen nicht weniger wahr, und es trifft deswegen nicht nur Banales.
Die Vergleiche waren unaus­weich­lich. Wir hatten für solche Bilder keinen anderen Bezugs­rahmen, nicht einmal aus Kriegen. Ein Phänomen, das verblüf­fen­der­weise nicht einmal nur uns alle betraf, die wir durch die Linsen der Fern­seh­ka­meras auf New York geblickt haben. Selbst etliche unmit­tel­bare Augen­zeugen haben in Inter­views davon gespro­chen, dass einer ihrer ersten Gedanken gewesen sei: »Das ist wie im Kata­stro­phen­film!«

Es ist vers­tänd­lich, wenn man das Attentat belegt mit Attri­buten wie »unvor­stellbar«, »undenkbar«. Aber ein bißchen belügen wir uns damit. Unvor­stellbar, undenkbar war uns wohl immer nur, dass jemand sich so weit außerhalb jeder Mensch­lich­keit begeben könnte, absicht­lich in Realität umzu­setzen, womit wir in unserer kollek­tiven Fantasie schon lange spielen. Das 70'er Jahre Remake von KING KONG, der Kata­stro­phen­schinken THE TOWERING INFERNO, Emmerichs GODZILLA und INDEPENDENCE DAY, Bruck­heimer/Bays ARMAGEDDON, das Finale von FIGHT CLUB und, was die Trüm­mer­land­schaft danach betrifft, VOLCANO – eine bei weitem nicht volls­tän­dige Liste, die aber schon hinrei­chend beweist: Wir haben uns Ähnliches vorge­stellt, haben Vergleich­bares gedacht, oft und gerne.
Mit einer Lust, die inzwi­schen so tief in uns sitzt, dass wir sie auch dann nicht ganz ausschalten können, wenn sie ganz und gar fehl am Platz ist: Es gab irgend­wann in der Nacht nach dem Anschlag, so gegen zwei oder drei Uhr, auf (ich denke) Pro7 einen Zusam­men­schnitt allen Film­ma­te­rials, das sich vom Einschlag des zweiten Flugzeugs in das World Trade Center bis dahin ange­sam­melt hatte. Fast porno­gra­phisch, wie da die Explosion aus allen Perspek­tiven wieder und wieder auf dem Bild­schirm aufblühte – aber spätes­tens da konnte man nur schwer die eigene Perver­sität weiterhin vor sich selbst kaschieren: Weil unsere Wahr­neh­mung in ihrer gesamten bishe­rigen Erfahrung so darauf trainiert war, derartige Explo­sionen auf einem Bild­schirm nur in einen lust­vollen Kontext einzu­ordnen, waren die Bilder nun auch unmit­telbar, im aller­ersten Moment der Beur­tei­lung, nicht mit dem realen Leid der betrof­fenen Menschen zusam­men­zu­bringen. Man reagierte fast sauer, wenn ein Sender am Nach­mittag die Explosion, die Einstürze nicht aus der »optimalen« Perspek­tive zeigte, zappte sich durch die Programme, auf der Suche nach Bildern die, sind wir ehrlich, nicht nur Infor­ma­ti­ons­durst stillen sollten, sondern ästhe­ti­sche Ansprüche befrie­digen.
Der erste Moment, in dem für mich persön­lich das Geschehen auf den Fern­seh­schirmen wirklich (und nicht nur auf verstan­des­mäßiger Ebene) ausbra­chen aus dem Gefühl, einen Film zu sehen, war, als man die Aufnahmen sah von den Menschen, die sich aus den bren­nenden Türmen zu Tode stürzten. Und zwar, das ist das Perfide, nicht einmal deswegen, weil diese Bilder endlich so etwas wie Indi­vi­duen in den Blick­punkt rückten, weil da Menschen zu sehen waren und somit das bis dahin von der Vorstel­lungs­kraft allein gelassene Mitgefühl einen Anknüp­fungs­punkt finden konnte. Sondern mehr eigent­lich, weil diese armen, bis zum Selbst­mord verzwei­felten Menschen auf ihrem Sturz in den Tod so ganz anders aussahen, als ich es aus Filmen gewohnt war. Glich der Feuerball zuvor noch sehr weit­ge­hend einem, wie ihn Modelle und Compu­ter­gra­phik aus Hollywood darge­stellt hätten, gab es nun da überhaupt keinen Vergleich zu den kontrol­lierten Pirou­etten von Stunt­leuten. Plötzlich war der Bezugs­rahmen weg, bekamen die Bilder eine Realität. Und der Schmerz, das Entsetzen, die Trauer ihr Recht.

Wir werden sicher noch einmal neu darüber nach­denken müssen, woher unsere Lust kam am fiktio­nalen Untergang. Gewiss, fast ausnahmslos alle Kata­stro­phen­filme erzählen von der Über­win­dung der Krise, vom letzend­li­chen Sieg des »Guten«, sind Märchen von der Reinigung einer Gemein­schaft von allem Korrupten, allem Unwe­sent­li­chen. Katharsis also, heilender Schrecken, Flirt mit dem Grauen in der Gewiss­heit des Happy Ends (oder zumindest der eindeu­tigen Trenn­bar­keit von Fiktion und Leben).
Aber die Freude an der Zers­törung dessen, was uns heilig sein sollte, setzt tiefer an als auf der Ebene kompletter Geschichten. Als damals in Amerika die Trailer zu INDEPENDENCE DAY anliefen – Trailer, die in sich ja keine abge­schlos­sene Story haben, die mehr zeigten von der Kata­strophe als von ihrer Übewin­dung – da gab es stets begeis­terten Applaus für das Bild vom explo­die­renden Weißen Haus.
Nicht auszu­denken, was es für die ameri­ka­ni­sche Psyche bedeutet hätte, hätten die Atten­täter nun tatsäch­lich eine der entführten Maschinen aufs Weiße Haus gelenkt. Aber als Fiktion war Ähnliches will­kommen. Betrachtet man Filme, Romane der letzten Jahre, dann scheinen sie ja jetzt fast prophe­tisch auf genau so ein Ereignis gerichtet gewesen zu sein. Dann haben wir mit dem Gedanken an die Apoka­lypse gelie­bäu­gelt, gespielt, gescherzt, haben sie uns ein Stück weit herbei­ge­sehnt. Nur eben so, dass sie dabei keinem hätte wirklich weh tun sollen.
Und wohl, so ist zu vermuten, weil in unserer Kultur das Gefühl der eigenen Korrupt­heit, des Schei­terns am eigenen Anspruch, inzwi­schen sehr tief sitzt. Weil dieser Traum einer unserer grund­le­gendsten geworden ist, davon, dass das Korrupte nicht untrenn­barer Teil des Ganzen sei, sondern sich in konkreten Main­festa­tion erschöp­fend greifen, somit also auch vernichten läßt, und dass daraus ein reiner, ein gerei­nigter Neubeginn möglich wäre.
Käme er wirklich, dieser in den letzten Tagen wieder und wieder beschwo­rene »Krieg der Kulturen«, dann wären all diese Fantasien sicher kein Vorteil in der Ausein­an­der­set­zung mit fana­tis­ti­schen Denk­ge­bäuden, die in sich keine Wider­sprüche, keine heimliche Sehnsucht nach dem eigenen Untergang kennen.

Es ist auch, und nicht zum geringsten Maße, ein Krieg der Bilder, den die Terro­risten letzte Woche ange­zet­telt haben. Ihre Taten waren auf maximalen symbo­li­schen Wert hin ausge­richtet – und (man muss leider gestehen: erfolg­reich) darauf, zumindest für geraume Zeit eine Art Ober­ho­heit über die Medien weltweit zu bekommen. Die ermor­deten Menschen waren ihnen wohl eher Mittel denn Zweck. Es ging ihnen offenbar eher darum, das zu tun (und in seiner Konse­quenz noch zu über­treffen), was sonst nur Hollywood gelingt: Bilder zu schaffen, die rund um die Welt von allen gesehen werden.
Was die Terro­risten zerstört haben, das waren nicht nur Menschen­leben, das waren nicht nur Gebäude. Das war auch eine Perspek­tive. Es gibt ihn nicht mehr, den ruhigen, gott­glei­chen Blick auf New York aus 400 Metern Höhe. Ein Blick, den ähnlich Orson Welles als Harry Lime in THE THIRD MAN schon beschrieben hat, damals, im Wiener Prater, vom Riesenrad aus. Ein Blick, dem die ganze Stadt, die ganze Welt zu gehören scheint, der Menschen als Punkte sieht, die sich weit unten wuselnd bewegen.
Das World Trade Center war ein symbol­träch­tiger Bau, der den einzelnen Menschen vergessen ließ. Von dem aus man einen Blick hatte, der ein Blick der Macht, des Beherr­schens des Terrains war, in dem die Menschen draußen zu Ameisen wurden. Ein Bau, der von draußen bewusst leicht vergessen ließ, dass er 50.000 Indi­vi­duen, einzelne Persön­lich­keiten, Menschen beher­bergen konnte.
Die Türme waren der Bau gewordene Ausdruck von (Super-)Macht. Sie reprä­sen­tierten etwas Über­mensch­li­ches, zeigten durch ihre Archi­tektur, durch die Perspek­tiven, die sie im Wortsinn eröff­neten, dass sie einer Sache dienten, die größer war als der einzelne Mensch, die den Blick nicht auf das Indi­vi­duum hatte. Die Terro­risten hingegen bedienten sich keiner Metaphern, um das vermeint­lich Über­mensch­liche, an das sie wohl geglaubt haben müssen, zum Ausdruck zu bringen. Sie zeigten es als gnadenlos Unmensch­li­ches, indem sie es ganz konkret über jegliche Achtung vor mensch­li­chem Leben stellten. Das World Trade Center bot ihnen, in der gewissen, unab­sicht­li­chen Paral­le­lität der Gedanken, die es ausdrückte, das perfid perfekte Ziel dafür.

Es ist damit zu rechnen, dass die Atten­täter damit unsere Wahr­neh­mung, unsere künftigen Fantasien auf Jahre, wohl sogar Jahr­zehnte hinweg verändert haben. Es hat ja bei weitem nicht nur mit Pietät zu tun, mit Respekt und Mitgefühl, dass man derzeit überall vorsichtig ist damit, welche Bilder man zeigt: Das Aeroport in München setzte sehr schnell PEARL HARBOR ab (wirklich makaber die Vorstel­lung, den jetzt auch noch im Passa­gier­flug­zeug-Interieur dieses Kinos zu sehen), der John Travolta-Action­film SWORDFISH, der diese Woche hätte starten sollen, ist hier­zu­lande vorerst ins Verlei­her­regal zurück­ge­wan­dert. In Amerika wie bei uns ist der Start des neuen Schwar­zen­egger-Films COLLATERAL DAMAGE auf unbe­stimmte Zeit verschoben.
THE PEACEMAKER wurde aus dem ameri­ka­ni­schen Fern­seh­pro­gramm genommen, Jackie Chans neues Projekt wird mit Sicher­heit nie wie geplant reali­siert werden – er hätte darin einen Fens­ter­putzer am World Trade Center gespielt, der in einen Terror­an­schlag auf die Frei­heits­statue verwi­ckelt wird. Special Effect-Experte für Explo­sionen dürfte in Hollywood kein krisen­si­cherer Job mehr sein. Und auch im Bereich der Video­spiele darf die Fiktion nicht mehr ungehemmt sich austoben: Sega zieht das Luftkampf-Duell­spiel »Propeller Arena« kurz vor der Veröf­fent­li­chung zurück, Microsoft hat Ände­rungen an seinem Flug­si­mu­lator angekün­digt, das Schicksal des heißer­war­teten »Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty« ist momentan ungewiss, die virtuelle Terro­ris­ten­hatz in New York scheint in der momen­tanen Situation zu geschmacklos.
Kaum einen der bisher gedrehten New York-Filme, erst recht keinen der letzten knapp 30 Jahre, wird man je wieder sehen können, ohne durch ihn an diese schreck­liche Absenz in der realen Stadt erinnert zu werden. (Wer dieser Tage beim Zappen beispiels­weise wie auch ich zufällig auf CROCODILE DUNDEE geriet, in dem Moment, wo Paul Hogan erstmals New York besucht, wird aus unmit­tel­barer Erfahrung wissen, wie heftig diese Reaktion (noch?) ist.) Unsere Kata­stro­phen-, Action-, Kriegs­filme werden wir nicht mehr mit den selben Augen sehen. Und wenn man bedenkt, wie intensiv und beharr­lich der Viet­nam­krieg durch das ameri­ka­ni­sche Kino gespukt ist (und noch spukt), kann man vage erahnen, welch Spuren dieses Trauma erst in den Film-Fiktionen der Zukunft hinter­lassen wird – nur, dass diese Auswir­kungen wohl weltweit sich zeigen dürften.
Schon am Dienstag abend gab es einen Punkt, da war das Potential an wirk­li­cher neuer Infor­ma­tion erschöpft. Da gab es kaum noch etwas zu berichten. Aber man konnte nicht aufhören, die Bilder zu zeigen. Es war ein Moment, wo diese keine anderen Bilder neben sich haben konnten. Wo nichts anderes mehr einfach nur es selbst war, sondern immer eine Fußnote zu den Gescheh­nissen in Amerika – und sei es durch deren Verschweigen, Verdrängen. Beim Zappen durch die Kanäle konnte man nach­mit­tags nicht auf das britische »Spiel ohne Grenzen« auf DSF stoßen, nachts nicht auf Home-Shopping für Erotik-Artikel (»Das ›Lusty Bed‹-Set für DM 129,95, rufen sie jetzt an...«) bei RTL 2, ohne dabei das ungute Gefühl zu bekommen, der Vorwurf der Dekadenz träfe unsere westliche Welt nicht gänzlich unschuldig.
Dieses bestim­mende Gefühl der letzten Tage – das es fast unmöglich machte, irgend­etwas das man sah, tat, dachte nicht in Verbin­dung zu bringen zu dem Attentat; das sich über alles legte wie Asche­staub – wird gewiss mit der Zeit schwinden. Aber es würde mich wundern, wenn es uns so schnell ganz verließe. Wenn es nicht eine Norma­lität vor und eine andere nach dem 11.9.2001 geben wird.

Eines unter­schied das Inferno, das am Dienstag auf den Bild­schirmen loderte, von der ersten Sekunde an ganz entschei­dend von den cine­as­ti­schen Vergleichs­werten, die in unseren Köpfen abspulten – über die offen­sicht­li­chen Unter­schiede von Realität und Fiktionen hinaus: Was ihm zunächst fehlte, war die Einbet­tung in irgend­einen narra­tiven Zusam­men­hang. Bereits wenige Minuten nach dem Attentat begannen die Versuche, um die Bilder der Zers­törung herum eine Geschichte zu konstru­ieren, den, zynisch formu­liert, Plot zur Action­se­quenz zu finden. Zunächst, nahe­lie­gend, nur im unmit­tel­baren Rahmen: Was genau war passiert, wie, weshalb?
Seither weitet sich das immer mehr aus. Und unsere größte Besorgnis muss sein, dass derzeit die Gefahr besteht, dieje­nigen, die jetzt die Weichen zu stellen haben dafür, wie unsere Welt in Zukunft aussehen wird, könnten mal wieder zum einfachsten aller Plots greifen. Vom »monu­men­talen Kampf des Guten gegen das Böse« hat George W. Bush bereits gespro­chen. Und er hat vom Wilden Westen schwa­dro­niert und den Plakaten mit »Wanted Dead or Alive«. Wenn das mehr waren denn Phrasen als Linderung für die seeli­schen Wunden der Ameri­kaner, dann können wir derzeit gar nicht genug Angst und Sorge haben.
So ein Denken käme aus dem Kino: Es gibt zwei eindeutig unter­scheid­bare Seiten, alles was die eine macht ist schlecht, alles was die andere macht per se gut. Und das Böse wird reprä­sen­tiert durch greifbare Böse­wichte – sobald die Guten die alle umge­bracht haben, ist die Sache erledigt, der Kampf gewonnen, alles in Ordnung.
Es kann in der wirk­li­chen Welt nie so funk­tio­nieren. In der wirk­li­chen Welt gilt das bekannte Erich Kästner-Motto: »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.« Niemand ist »gut« abstra­hiert von seinen Taten, niemand kann beliebig Unrecht verüben und dabei auf der Seite des Rechts bleiben.»Das Böse« ist nicht einfach nur durch eine Anzahl Personen reprä­sen­tiert, ohne deren Existenz es mit von der Bild­fläche verschwinden würde. Und es wird keinen Zeitpunkt geben, zu dem der Abspann rollt und es danach keine Konse­quenzen des Voran­ge­gan­genen mehr geben kann. Jede Gewalt, die die USA gegen nicht direkt mit dem Attentat in Verbin­dung stehende Menschen, Nationen gar, ausüben wird, wird erst recht zum Nährboden für den Terror werden. Der Terror, das sind nicht, wie im Film, eine gewisse Anzahl von Terro­risten und ihre Unter­s­tützer. Der Terror ist eine Idee, ist etwas in den Köpfen der Leute, ist eine Struktur. Die vom Hass lebt, und die ange­sichts des Ausmaßes, den der Hass in einem so großen Teil der Welt schon ange­nommen hat, mili­tärisch nicht mehr zu bekämpfen sein wird.

Es gibt in unserer Kultur wohl keine vorge­fer­tigten Bilder, keine vorge­fer­tigten Stories für das, was jetzt auf der Welt passieren müsste, um für uns und künftige Gene­ra­tionen ein menschen­wür­diges Leben zu sichern. Zu komplex, zu unüber­sicht­lich, zu schwierig ist das alles für populäre Fiktionen.
Aber der Ausbruch aus den bekannten Fiktionen, aus den Geschichten von Gut und Böse und dem gewalt­tä­tigen Kampf zwischen ihnen, könnte jetzt die einzige Chance sein, die wir auf eine, viel­leicht nicht einmal fried­liche, aber zumindest lebbare Welt haben. Lesen die Verant­wort­li­chen das schreck­liche Attentat tatsäch­lich als Prolog eines Action-, eines Kriegs­films (und noch gibt es Hoffnung, dass sie es nicht tun), dann werden wir alle mögli­cher­weise sehr bald fest­stellen müssen, dass es für diese Art von Filmen im wirk­li­chen Leben kein Happy End geben kann.