02.11.2000
Der Filmfreund rät:

Gemetzel im Film

120 Tage von Sodom

Der Filmfreund rät: Pier Paolo Passolini, John Ford

Von artechock-Redaktion

Heute mal was anderes: Keine Em- sondern eine Ent-pfehlung. Letzte Woche nämlich wollten wir Sie noch voller Enthu­si­asmus in Brain Dead schicken. Diese Woche sind wir schlauer: Im Werk­statt­kino läuft leider doch die deutsche (obgleich englisch­spra­chige) Schnitt­fas­sung. Da fehlen so um die 10 Minuten (was verdammt viel ist), und natürlich genau die High­lights. Gegen solch barba­ri­sche Zers­tü­cke­lungen ist das Gemetzel im Film ja fast noch harmlos. Und weil wir davon ausgehen, dass Sie sich keine Komödie anschauen würden, aus der man alle Pointen getilgt hat, raten wir jetzt schweren Herzens wieder ab.

Sich Passo­linis Die 120 Tage von Sodom anzu­gu­cken, das können wir Ihnen auch nicht so ohne weiteres empfehlen. Gesehen haben sollte man den Film (zumindest einmal) trotzdem. Das ist gewiss alles andere als eine angenehme Erfahrung, hat mit schönem Kinoabend wenig zu tun. Trotzdem lohnt sich’s letzlich – und ein Film über solch unap­pe­tit­li­chen Themen wie Faschismus muss ja nicht unbedingt genüss­lich zu goutieren sein. Warnung aber an alle, die de Sade nur über den Umweg von RTL II (Motto: »Ich glaub' ich bin im Bahn­hofs­kino!«) – Lack & Leder-Softcore kennen. Zum Aufgeilen gibt’s hier weit und breit nichts, mit Erotik hat das nix zu tun. Es geht um Gewalt­struk­turen hinter den Fassaden bürger­li­cher Gesell­schaft, und das radikal scho­nungslos. Gewiss etwas gebro­chener und intel­lek­tuell verbrämter als das (ebenso schwer erträg­liche) lite­ra­ri­sche Vorbild, aber mit der selben eiskalten, mathe­ma­ti­schen, kata­log­haften Auslotung des Menschen­mög­li­chen an Grau­sam­keit. (Und ein Tip: Planen Sie danach bloss nicht, Cevapcici zu essen!) (DIE 120 TAGE VON SODOM (SALÒ O LE 120 GIORNATE DI SODOMA (OmU): Film­mu­seum, Fr./Sa. 23:00))

Ganz ohne was Schönes für den Herren, für die Dame, für das Kind (na ja, viel­leicht nicht unbedingt das Kind...) wollen wir Sie aber dann doch nicht in die Kinowoche entlassen. Straight Shooting – klingt das nicht schon vom Titel her Spitze? Und auch wenn wir’s selber noch nicht kennen: Wir möchten fast wetten, dass es das auch ist. Ist nämlich ein ganz früher Western von Groß­meister John Ford, so richtig aus der Zeit, als das mit »Weiße Hüte – Gute Cowboys, Schwarze Hüte – Böse Cowboys« noch unge­bro­chen geklappt hat. Und wird im Werk­statt­kino am Freitag, 20:30 Uhr, von Ford-Autorität Tag Gallagher persön­lich am Klavier begleitet. Na da bleibt uns doch eigent­lich nur ein fröh­li­ches »Yippie-kaaaa-YEAH!«.
Und Ihnen hoffent­lich viel Spaß im Kino.