14.09.2000
Der Filmfreund rät:

Lieblingskinos, Lieblingsfilme

Black and White

Der Filmfreund rät: James Toback, Mädchenpensionat, Fussball wie noch nie, Godard, Kurt Hoffmann, PT Anderson, David Lynch, Stanley Kubrick

Von artechock-Redaktion

Wenn Sie – was uns freuen würde – dies Rubrik mit einer gewissen Regel­mäßig­keit verfolgen, werden Sie gewiss schon fest­ge­stellt haben, dass sich unsere Empfeh­lungen gerne auf einige uns besonders am Herzen liegende Kinos konzen­trieren.
Da wäre z.B. das Film­mu­seum – um dessen Erwähnung wir uns auch diesmal außer­stande fühlen, gänzlich herum­zu­kommen. Schon deswegen, weil es als erstes Münchner Kino außerhalb des Filmfests den von uns so hoch geschätzten Black and White von James Toback (Interview finden sie hier) in der unab­ding­baren Origi­nal­fas­sung (mit Unter­ti­teln) spielt.
Und weil es zwei Mädchen­pen­sio­nats-Filme zeigt (Mädchen in Uniform und The Wild Party), die zu übergehen uns den Zorn der Frau Bauer einhan­deln würde, was wir keines­falls wollen können – zumal sie bestimmt Recht hat, wenn sie behauptet, Dorothy Arzner (Regis­seurin der The Wild Party) wäre – Zitat – »wichtig«. Uuuunnnnddd weil es dort – im Film­mu­seum – Fußball wie noch nie zu sehen gibt, den wohl eigen­wil­ligsten Fußball­film der Film­ge­schichte. Uuuuuuuunnnnnnn­dddddd À bout de souffle, zu dem wir Ihnen ja wohl kaum was erzählen müssen.
Und ganz besonders, weil dieser Tage die Kurt Hoffmann-Retro­spek­tive beginnt, die beweisen wird, dass es in Deutsch­land auch in Jahren, wo man das im allge­meinen nicht vermutet (von den frühen 40ern bis in die 60er), höchst­ver­gnüg­li­ches Unter­hal­tungs­kino mit Anspruch, Tiefgang und Inte­grität gab.

Das Lob anderer Kinos hingegen singen wir an dieser Stelle merklich seltener. So wird manchen von Ihnen gewiss nicht entgangen sein, dass die Lupe 2 hier nur höchst spora­disch Beachtung findet. Dass hängt zum einen damit zusammen, dass wir die Lupe von seiner Kino-Atmo­sphäre her (höchst subjektiv, zugegeben) nicht so hoch schätzen, zum anderen aber noch viel mehr damit, dass wir nun einmal Filme ungern bis gar nicht in deutschen Synchron­fas­sungen zu goutieren gewohnt sind. So ergibt es sich aufs Glück­lichste, dass in diesen zwei Wochen letzterer Hinde­rungs­grund kein solcher mehr ist – denn das Lupe-Team (dessen Verdienste um die Münchner Kino- und Film­kultur hier unab­hängig unserer eben genannter Reser­viert­heiten einmal aus- und nach­drück­lich sowie aufs Kräf­tigste akkla­miert und gelobt seien) bietet ein Programm, das ungewohnt viele Origi­nal­fas­sungen und nicht im Eigen­ver­leih der Lupe befind­li­chen Filme beinhaltet: Kenneth Branaghs unlängst so kläglich miss­ver­stan­dener und unter­be­wer­teter Love’s Labour’s Lost z.B., Paul Thomas Andersons groß­ar­tiger Magnolia, David Lynchs genialer Wild at Heart, Stanley Kubricks meis­ter­haftes Vermächtnis Eyes Wide Shut (das im Original gegenüber der Synchron­fas­sung eine ungeheure Aufwer­tung erfährt), oder – für die, die’s mögen – Wim Wenders The Million Dollar Hotel. Da kann man wirklich nicht klagen – gepriesen seist Du, oh Lupe, ob dieses Programms.

Ein anderes Kino aber werden Sie hier noch seltener erwähnt finden als die Lupe 2, und das, obwohl es dereinst zu unseren unbe­strit­tenen Lieblings-Kinos zählte. Aber das war, als das CINEMA seinen Status als Programm-Kino noch zu Recht hatte und ihn sich nicht dadurch verdiente, dass die Anfangs­zeiten der dauer­ab­ge­nu­delten Block­buster von Tag zu Tag ein wenig schwanken. Mögli­cher­weise ist inzwi­schen auch andern­orts (sprich an Stellen, die zuständig sind für die Einstu­fung eines Kinos als Programm­kino – was diverse finan­zi­elle Vorteile mit sich bringt) die Erkenntnis gedämmert, dass das, was das CINEMA in letzter Zeit so treibt, sich vom Multiplex nur noch durch Origi­nal­fas­sungen und die Beschrän­kung auf einen Saal unter­scheidet. Jeden­falls sind urplötz­lich zarte Versuche zu vermelden, das tages­ak­tu­elle Film­ge­schäft nicht mehr mit gar solcher Ausschließ­lich­keit zu verfolgen: Jetzt finden sich plötzlich wieder Filme auf dem Programm, die immerhin schon ein paar Wochen alt sind.
Was uns – und damit zum eigent­li­chen Ziel- und Endpunkt der läng­li­chen Vorrede – das Glück beschert, John Woos Offen­ba­rung Mission: Impos­sible 2 (deren Exegese Sie hier finden) nun doch noch einmal im Original und mit ange­mes­sener Lein­wand­größe und Sound­wucht genießen zu können. Halle­lujah!
(MISSION: IMPOSSIBLE 2 (OF): Cinema, Sa. 23.9., 15:25)

Nachdem wir nun wohl hinrei­chend bewiesen haben dürften, dass unsere Varia­ti­ons­breite doch ein wenig größer ist, als sie hier manchmal scheinen mag... – beweisen wir sofort im Gegenzug, dass sie auch ihre Grenzen kennt. Wenn Sie jetzt gedacht hätten, wir würden zum Abschluss den Herrn Herrmann was sagen lassen, oder Akti­vi­täten für den Montag und Dienstag empfehlen, oder zum Betrachten von Tisch­tennis und »Marienhof« raten – tja, dann haben sie falsch gedacht. Denn manches bleibt in seiner ehernen Größe und tiefen Wahrheit ebenso unüber­treff­lich wie uner­setz­lich. Und gehört gehegt, gepflegt und geehrt. Wie die Worte des Herrn Oehmann:
»Samstags Fußball, Sonntag Linden­straße.«