13.04.2000

Ja und dann...?

Une liaison pornographique

Der Filmfreund rät: Hitchcock-Retro, französische Filme, Magnolia

Von Redaktion

Kaum macht einer ein bisschen Kultur­spon­so­ring (besonders musi­ka­li­sches), baut sich das ein oder andere etwas extra­va­gan­tere Eigenheim und scheidet bei einem Bade­un­fall unglück­lich dahin, ist er schon berühmt. Nur weil er so ein wengerl Monarch war, nebenbei. Und jetzt pilgern sie Busse-weise in die für teures Geld errich­tete Einzweck­halle, die Menschen, Leute und Personen, um sich dort das alles als Operette mit Schlag­zeug nochmal anzu­gu­cken. Für noch teureres Geld. Da sind wir Cineasten doch viel schlauer, gell? Wir erstehen eine ungleich wohl­fei­lere Eintritts­karte für die Lupe 2, und schauen uns die Geschichte auf Film an. Wo sie der Herr Visconti hin drauf­ge­bannt hat. Der Schlingel. Da ist sie noch viel aufwen­diger und ausla­dender, und selbst­ver­s­tänd­lich auch mit einer gehörigen Portion mehr Grips und Tiefgang. Ja, der Visconti war scho a Hund. Und fast vier Stunden bekommen wir da für unser (in beschei­dener Menge veraus­gabtes) Geld. Weil’s die unge­schnit­tene Fassung ist. Im Original. (Aber mit Unter­ti­teln.) Wie sich’s halt so gehört. Kinder, was für ein Leben!
(Ludwig II. (OmU): Lupe 2, Mo./Di. 17:45)

»Ja und dann.....? Ja und dann....?« (Spider Murphy Gang) Dann stehen wir da und Sie auch, und lassen Sie selbiges weiter alleine tun. Weil wir auf die Hitchcock-Retro im Film­mu­seum nun wirklich oft genug hinge­wiesen haben. (Ach was, finden Sie nicht? Nun gut: »Im Film­mu­seum ist Hitchcock-Retro.« »Im Film­mu­seum ist Hitchcock-Retro.« »Im Film­mu­seum ist Hitchcock-Retro.« »Im Film­mu­seum ist Hitchcock-Retro.« »Im Film­mu­seum ist Hitchcock...« Reicht’s jetzt? Na also!) Und Sie sonst diese Woche wirklich nur einen Blick werfen müssten auf die schöne lange Liste mit Neustarts, die jetzt hier unten irgendwo gleich anfängt. Um was Sehens­wertes zu finden. Magnolia ist eh klar (zum Lesen gibt’s auch ein Interview mit dem Regisseur Paul Thomas Anderson von der dies­jäh­rigen Berlinale). Kann man aber sicher auch in den nächsten Wochen noch gut erwischen. Und die größeren Kinos, wo der läuft, sind bestimmt von Horden, Herden, Häufen wuselnder, quen­gelnder, quäkender, nervender Kinder belagert, die Pokémons fangen wollen.

Und Horden, Herden, Häufen von Rob Schneider-Fans, die alle unbedingt Deuce Bigalow: Male Gigolo (zu Deutsch auch nicht besser: Rent-a-Man) sehen wollen. Deswegen raten wir zu kleinen, schnuck­ligen Kunst-Kinos (siehe hierzu auch unsere Umfrage, bitte­schön!) und einer fran­zö­si­schen Woche mit Vénus beauté (institut) und Une liaison porno­gra­phique und vor allem freilich dem Hammer L’Humanité.

Englische Woche gab’s in der Bundes­liga. Wer glaubt, dass das unseren Herrn Oehmann aus dem Konzept bringt, kennt den Herrn Oehmann nicht. Wir kennen ihn. (Oder glauben zumindest, ihn zu kennen... Dass er in letzter Zeit immer was von ganz raren Pokémon-Sammel­karten erzählt, verun­si­chert uns ein wenig...) Und wissen: Auf ihn ist Verlass. Und verlassen Sie deshalb mit seinem wissenden Rat:
»Samstags Fußball, Sonntag Linden­straße.«