16.05.1996

Multiplex in der Stadt

Mathäser
(Foto: Mathäser)

Neuigkeiten über den Bau des Multiplex-Kinocenters im Mathäser-Block

Von Balthasar von Weymarn

In der letzten Ausgabe des »Film-News-Telegramm« liest man Neuig­keiten über den Bau des Multiplex-Kino­cen­ters im Mathäser-Block (hier will die Constantin-Film 4500 neue Kino­sessel aufstellen und möglichst oft füllen). Das ist nicht das Problem, da wirt­schaft­lich vers­tänd­lich. Inter­es­sant ist aller­dings die Meinung des Wirt­schafts­re­fe­rats der Stadt München zu diesem Thema, die dies als »Aufwer­tung des Medi­en­stand­ortes« begrüßen würde.
Man kann davon ausgehen, daß nach 50 Jahren unge­störter Entwick­lung der Kinomarkt in München in etwa ausba­lan­ciert ist. Große Zuwachs­raten sind nicht zu erwarten. Wie also schon beim Bau des Maxx am Isartor handelt es sich um eine Umver­tei­lung auf dem soge­nannten Major-Sektor, d.h. bei den Kinos, die die »großen« Filme im Programm haben.
Man braucht keine prophe­ti­schen Gaben, um den Effekt vorher­zu­sagen: Mehrere Kinos, luxuriös ausge­stattet, viel Fußraum, die Reihen im Hörsaal-Stil abgestuft, wirkt bestimmt anziehend – und besonders gefähr­dend für den Umkreis im Stadt­zen­trum: die Karlstor-Kinos, den Stachus-Center, ggf. auch das City.
Daß 4500 Plätze im Major-Bereich zusätz­lich gefüllt werden können, kann ich mir nicht vorstellen. Gibt der Inde­pen­dent-Markt mit »kleinen« Filmen mehr her? Viel­leicht, wenn dort ordent­lich geworben wird... aber ihr wißt selbst, wie wahr­schein­lich das ist.
Es werden also Kinos sterben. Wahr­schein­lich die, die sich nicht auf eine Kette stützen können.
Der Filmmarkt lebt vom unter­neh­me­ri­schen Risiko mehrerer Anbieter – ich komme aus einer Stadt, in der ALLE Kinos (34 Säle) einem Unter­nehmen gehören. Drei Farben – Blau lief eine Woche, die zwei anderen Filme der Trilogie überhaupt nicht; Die üblichen Verdäch­tigen, Der Postmann und Before Sunrise kamen dort eben­so­wenig zur Auffüh­rung wie Nelly & Monsieur Arnaud oder Chungking Express. Verdammt schade, nicht wahr?
Kann man wirklich von der »Aufwer­tung eines Medi­en­stand­ortes« sprechen, wenn das Film­an­gebot derart zu schrumpfen droht?