artechock: Sie haben mit gerade einmal 34 Jahren
bereits eine Unmenge von Drehbüchern geschrieben:
35 - so viel schaffen andere ihr ganzes Leben nicht. Schaut
man genau hin, ist ihr Name mit sehr vielen Erfolgen verbunden,
die das dänische Kino im vergangenen Jahrzehnt feiern
konnte, unter anderem auch zwei der vier ersten Filme
der "Dogma"-Bewegung. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Jensen: Das wüsste ich auch gern. Es freut
mich, dass ich offenbar einen Nerv treffe. Dass ich soviel
schreibe, finde ich gar nicht. Wenn man sich jeden Tag an
den Tisch setzt und ein paar Ideen aufschreibt, kann man
schon drei, vier Drehbücher pro Jahr fertig stellen.
Ich habe nur das Glück, dass viele meiner Drehbücher
auch verfilmt werden, und mir bisher die Ideen nicht ausgehen.
Pro Jahr gibt es zur Zeit im Schnitt drei Filme, die
von Ihnen geschrieben werden. Wird es Ihnen nicht selbst
manchmal etwas zu viel?
Jensen: Noch nicht, zumal ich für Abwechslung
sorge. Darum habe ich auch in diesem Fall einmal wieder
selbst Regie geführt.
ADAMS ÄPFEL handelt von einem Pfarrer, der nur
das Gute will, und einem Neonazi, auch von Fundamentalismus.
Ist das ein politischer Kommentar auf Ihre Heimat?
Jensen: Eigentlich gar nicht. Ich wollte einfach
gutes Entertainment.
In letzter Zeit hörte man aus Dänemark aber
auch von Neonazis und Rechtspopulisten. Außerdem
gab es den "Karikaturenstreit". Und in Ihrem
Film geht es um Toleranz und deren Grenzen - da kann es
Sie doch nicht überraschen, dass die Leute Parallelen
ziehen
Jensen: Nein, das wundert mich gar nicht. Man muss
wirklich an den Karikaturenstreit denken. Und die Rechten
in meiner Heimat sind ein schlimmes Phänomen. Ich verabscheue
sie. Aber ich wollte mit meinem Film nichts direkt Politisches
bewirken. Mir geht es auch nicht etwa darum, mich über
"Gutmenschen" und 68er lustig zu machen. "Adams
Äpfel" hat aus meiner Sicht eine ganz humanistische
Botschaft.
Wo möchten Sie hin als Autor und Filmemacher?
Jensen: Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.
Machen Sie etwa nur Filme, um damit Geld zu verdienen?
Jensen: Geld ist eine schöne Sache. Aber ich
will schon auch etwas bewirken. Aber ich denke darüber
beim Schreiben nicht nach.
Sie haben insgesamt drei Dogma-Filme geschrieben, gleichzeitig
aber auch mehrere Komödien, zum Teil - ohne Ihnen
zu nahe zu treten - nicht gerade Tiefsinniges, eher ziemlich
alberne Geschichten wie DÄNISCHE DELICATESSEN. Wo
sehen Sie Ihre Position im dänischen Kino, etwa im
Verhältnis zu Lars von Trier, dem berühmtesten
Vertreter des dänischen Kinos?
Jensen: Mich interessieren ernste Stoffe und Humoristisches.
Ich will mich nicht festlegen, sondern beides machen. Wir
alle in Dänemark haben Lars von Trier viel zu verdanken.
Ohne ihn gäbe es die Aufmerksamkeit für unser
Kino nicht. Aber ich sehe mich nicht als Angehörigen
oder gar Anhänger der Dogma-Bewegung. Ich habe Drehbücher
geschrieben - für den Stil sind die Regisseure verantwortlich.
Ich denke, was unseren persönlichen Geschmack und die
Art der Arbeit als Regisseure, die Inszenierung angeht,
sind Lars und ich Antipoden.
Läge es da nicht nahe für Sie, eine Satire
über "Dogma" zu drehen? Man würde
das jedenfalls als Liebhaber des dänischen Kinos
gerne sehen. Oder hackt eine Krähe der anderen dann
doch kein Auge aus?
Jensen: Doch doch, durchaus. Sie werden es nicht
glauben, aber genau das, wovon Sie sprechen, haben wir gerade
gedreht. Es ist eine Geschichte über einen Mann, der
im Kino mit seiner Tochter einen Kunst-Film anguckt und
dadurch so aggressiv wird, dass er ein Tier tötet.
Und dann kommt er ins Gefängnis. Als er wieder draußen
ist, will er sich am Regisseur rächen, und verfolgt
ihn. Natürlich heißt dieser Regisseur nicht Lars
von Trier, aber die Parallelen sind offenkundig. Jeder,
der sich nur ein bisschen auskennt, weiß, worauf wir
anspielen.