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Jetzt reiten sie über deutsche Kino-Leinwänder, Abahachi und
Ranger auf der Suche nach dem SCHUH DES MANITU, der
Abahachi dazu verhelfen soll, seinem Stamm den Traum von einem
Stamm-Lokal zu erfüllen. Artechock-Redakteur Thomas
Willmann hat sich mit Michael "Bully" Herbig (Regie, Buch
& diverse Rollen), Sky du Mont (der böse Santa Maria),
Christian Tramitz (Ranger) und Rick Kavanian (Co-Autor und
"Dimitri", helas!) an's Lagerfeuer gesetzt und ein Pow-Wow
gehalten:
Artechock: Für Sky du Mont und
Christian Tramitz begann das Rollenstudium schon sehr früh - beide
haben bereits als Kinder Cowboy & Indianer gespielt.
Sky du Mont: Sehr gerne sogar. Ich hab' mir ne Feder
ins Haar gesteckt und bin durch die Gegend getanzt. Ich hab immer
die Indianer gespielt, weiß ich, weil die mir immer so leid taten -
dass sie niedergemetzelt wurden. Ich hab so einen kleinen Robin
Hood-Komplex - ich bin immer für den Schwächeren, was glaube ich
die meisten haben. Nur Western selber hab' ich mir nicht angeguckt.
Die haben mich nicht interessiert, komischerweise. Außer SPIEL MIR
DAS LIED VOM TOD und HOMBRE.
Christian Tramitz: Ich war immer Cowboy. Obwohl das
nicht mehr so populär ist im Moment, nach DER MIT DEM WOLF TANZT.
Aber ich war immer Cowboy. Und bin Cowboy geblieben, wie man
sieht.
Wie prägend hingegen dann die Karl May-Filme
wurden, das ist eher eine Generationenfrage - und entsprechend
unterschiedlich tief sitzt das für viele Deutsche um die 30 noch
immer traumatische Erlebnis WINNETOU III.
Sky du Mont: Ich weiß es gab Karl May-Filme. Ich weiß
Pierre Briece spielte mit, Uschi Glas - mit Zöpfen, Ralf Wolter,
aber ich hab' nie welche gesehen.
Rick Kavanian: Als Winnetou damals erschossen wurde,
das ist mir damals gar nicht so bewusst gewesen. Da war ich noch zu
jung. Ich bin ja der Jüngste von uns dreien. Mir wurde es ja dann
historisch überliefert. (Lacht) Ich hab da erst jetzt ein
Post-Trauma entwickelt...
Christian Tramitz: Natürlich, also im Fernsehen war das
schon ein traumatisches Erlebnis. Ich hab's relativ jung im
Fernsehen gesehen und hab mir gedacht, au, des is aber wirklich...
Es war ja auch - mit der ganzen Musik von Martin Böttcher und was
weiß ich; da wurde natürlich schon richtig draufgedrückt... Ich
durfte es eigentlich gar nicht sehen. Das war ja - total Gewalt,
Indianer, tot - um Gotteswillen, schlimm! Da hat's richtig
gehagelt. Auch bei SCHATZ IM SILBERSEE, da geht's ja gut ab.
Santer, der knallt ja da alles ab, was bei drei nicht auf den
Bäumen ist, das haut der ja weg, ohne Schwierigkeiten. Das hat man
als Kind gar nicht so bemerkt. Aber auch, muss ich wirklich sagen,
wie extrem langweilig die Filme auch teilweise sind. Da merkt man
schon, dass der Film sich total geändert hat. Stundenlang reiten
die irgendwo nebeneinander her und schleichen sich irgendwo an - es
passiert NICHTS eigentlich. Oder sie finden irgend so ein Teil, und
dann sagt er, "Ja, das war so ein Teil, von ner Postkutsche"...
Also so kann man die Filme, glaube ich, nicht mehr machen. Für ihre
Zeit aber waren die super, keine Frage!
Michael "Bully" Herbig: Ich saß bei Winnetous Tod
zuhause vor dem Fernseher und war zutiefst schockiert. Das war
letztendlich Auslöser meines Traumas. Ich war damals acht Jahre alt
und habe dieses Erlebnis nie wirklich verarbeiten können. Ich wurde
mit dem Problem alleingelassen. Jedesmal, wenn ich dann einen
Winnetou-Film gesehen habe, war ich zutiefst erschüttert, weil mir
war klar: Der macht's nicht mehr lang! Ich habe dann 20 Jahre
recherchiert, bis ich festgestellt habe, dass Winnetou und Old
Shatterhand erfundene Figuren waren. Und das war dann der zweite
Schock. Dann bin ich also richtig in die Recherche eingestiegen und
bin auf Abahachi und Ranger gestoßen, und dann war uns wichtig, da
eine authentische Geschichte zu erzählen, eben nichts
dazuzuerfinden, sondern den Wilden Westen so zu zeigen wie er
wirklich war.Und insofern war mir das schon wichtig, dass das
Format stimmt - sprich: Cinemascope - , dass eine richtige Musik
drin stattfindet, Orchestermusik, echte Pferde, echte Indianer,
echte Sonne, echte Prärie und echte Griechen.
Nicht leicht, diese Ringen um absolute
Authentizität
Christian Tramitz: Man muss da ja eine Adaption finden.
Und zwar für diesen Südstaaten-Slang. In einem normalen Western
gibt es diese sogenannte Synchronsprache. Da fallen dann so Sätze
wie (vorgetragen in perfektem Synchron-Sprech): "Der Mann hat
ziemlich viel Blut verloren. Aber in Madison Bow ist ein Arzt, der
flickt ihn wieder zusammen." So haben die garantiert nicht geredet!
Deswegen sind wir da ein bisschen authentischer, denn man muss ja
was finden, um diesen Südstaaten-Slang zu übertragen. Und da bietet
sich dieses Breite, Bayerische, Langsame eigentlich an.
Michael Herbig: Wir hätten auch Schwäbisch oder
Hessisch nehmen können...
Rick Kavanian: Ne, das wäre nicht südlich genug
gewesen...
Michael Herbig: Italienisch war dann zu südlich, hätte
keiner mehr verstanden. Also sind wir bei Bayerisch gelandet,
leicht Bayerisch angehaucht. Und insofern können wir so glaubhaft
den Südstaatenslang wiedergeben. Mir war auch sehr wichtig, mit
Vorurteilen aufzuräumen. Wir haben das beim Drehbuchschreiben sehr
oft diskutiert: Wie weit dürfen wir gehen? Ist das Publikum schon
reif für die Tatsache, dass es Homosexualität im Wilden Westen gab?
Aber wir haben gesagt: Okay, die Leute haben ein Recht darauf, das
zu erfahren, und aus aktuellem Anlass muss ich sagen: Wir haben
richtig gehandelt. Wenn sich Politiker heute hinstellen und sagen,
ja ich bin schwul, und das ist gut so, sind die Menschen auch
bereit zu erfahren: Ja, es gab im Wilden Westen Homosexualität.
Die aber wohlgemerkt nicht zwischen Abahachi
und Ranger zu finden ist!
Christian Tramitz: Ne, also des überhaupt nicht. Ich
finde das überhaupt keine Frage. Selbst in der größten Not, Ranger
da eine homoerotische Ader anzudichten, ist glaube ich...
unmöglich.Was ich ganz gelungen finde ist wirklich dieses
Ehe-ähnliche Verhältnis. Man merkt, sie können nicht ohneeinander,
sie können auch nicht miteinander so richtig. Aber trotzdem sind
sie natürlich Blutsbrüder und superdick befreundet. Also, wenn's
ernst wird, da ist er schon traurig, der Ranger. Wenn's dem
Abahachi schlecht geht. Und umgekehrt auch.
Bei Karl May freilich geht's anders zur
Sache.
Christian Tramitz: Absolut. Hunderprozentig. Also da
sagt man, "Wenn die zwei net schwul san, dann woaß I a nimmer."
Diese Karl May-Filme aber, die sind ja eigentlich relativ
geschlechtslos. Da gibt es zwar mal Ntscho-Tschi oder so ähnlich,
aber so richtig SEX glaub' ich hatten die nicht. Die haben
wahrscheinlich einmal im Zelt Händchen gehalten, so ganz kurz. Aber
dann GLEICH wieder losgelassen. (Lacht)
Die authentische Darstellung des Wilden
Westens brachte für jeden seine eigenen Herausforderungen.
Michael Herbig: Es war für mich auch eine sehr
schmerzhafte Erfahrung, Reiten zu lernen. Kann aber auch sehr
reizvoll sein, vom Pferd zu fallen. Also ich musste ohne Sattel
reiten lernen. Wir hatten einen sehr, sehr guten amerikanischen
Reitlehrer, es ging ja schließlich um Western-Reiten. Ich hatte
immer den nötigen Respekt. Irgendwann hatten wir dann aber so viel
Spaß dran, dass wir von Motiv zu Motiv nicht mehr gefahren, sondern
geritten sind. Christian und ich haben uns irgendwann gedacht, als
wir da mit unseren Klamotten auf unseren Pferden saßen, mitten in
der Prärie: Lass uns einfach der Sonne entgegenreiten und sehen was
passiert. Aber dann ist mir wieder eingefallen, dass wir ja einen
Film machen müssen.
Rick Kavanian: Ich hab's probiert auf dem Pferd, da bin
ich runtergefallen. Auf dem Esel bin ich auch runtergefallen,
allerdings nicht so tief, da haben sie gesagt: Du bleibst jetzt auf
dem Esel.
Michael Herbig: Wir haben ihn festegbunden. Das Problem
mit Rick ist: Du kannst auf einer riesen Wiese stehen, mit einem
einzigen Baum, und Rick läuf dagegen. Rick kriegt auch immer alles
auf den Kopf, und Rick fällt überall rein. (Zu Rick:) Du ziehst das
halt an.
Rick Kavanian: Das macht mich so komisch.
Michael Herbig: Aber deshalb passen wir auf Rick enorm
viel auf. Und deswegen haben wir gesagt: Rick, pass auf, lieber
kein Pferd. Und zu Fuß wäre auch blöd gewesen...
Rick Kavanian: Die Reitszene, wo ich Abahachi
hinterherreite, da ist um uns kilometerweit Nichts. Das war sehr
gefährlich.
Michael Herbig: Es hätte jederzeit sein können, dass
der Blitz einschlägt. (Lachen)
Christian Tramitz hatte zunächst mehr Respekt
vor seiner ersten tragenden Kinorolle als vor den Pferden.
Christian Tramitz: Also es war ein Riesenbammel am
Anfang. Wenn man allein diese riesen Kamera sieht, Cinemascope, da
rutscht einem dann schon ein bisserl das Herz in die Hose. Das
vergeht dann aber. Also so nach zwei Tagen ist es eigentlich weg,
da hat man sich da irgendwie eingegrooved, und dann fängt es auch
an, Spaß zu machen. Aber am Anfang, uuuah! Man denkt, Oh Gott,
Mensch, jetzt bist Du so und so groß auf so und so einer Leinwand,
mach' nicht zuviel, was machst Du, wie bewegst Du Dich, stimmt des
alles?
Alles aber Kinderspiel im Vergleich zur
Musicalnummer - der allerersten für Christian Tramitz!
Christian Tramitz: Ja! Ich hoffe auch die letzte! Also
dieser Paul Hayes, muss ich sagen, ist ein ganz toller Choreograph,
der hat da Wunderdinge bewirkt. Vor allem bei mir. Ich bin eher
nicht so das große Bewegungstalent, zumal was das Tanzen anbelangt.
Aber der hat das mit einer Engelsgeduld... Wir haben wirklich eine
Woche hart daran gearbeitet, und irgendwie... es geht, sagen wir
mal.
Es geht immerhin gut genug, dass man das
Vorbild "Fit as a Fiddle" aus SINGIN' IN THE RAIN noch
wiedererkennen kann.
Christian Tramitz: Genau, genau. Super erkannt. Diese
Nummer, ich glaube, ich habe sie mir tausendmal angeschaut... Das
ist von einer solchen Klasse, da kommen wir natürlich nicht hin.
Unglaublich. Wir wollten's ja dann auch noch mit zwei Bögen machen,
und dass der eine... - aber da hatten wir mit den Schritten schon
so viel Schwierigkeiten, da haben wir gesagt "Das lassen wir jetzt
mal weg..."
Diese Erfahrung verdankt Tramitz Bully, der
sich dazu bekennt, ein "Riesen Muscial-Fan" zu sein, mit all den
Klassikern daheim auf DVD. Und der sich auch sonst sehr um die
Musik gekümmert hat.
Michael Herbig: Also ich habe wirklich Stunden, Tage
damit verbracht mit dem Komponisten, der übrigens auch die Musik
bei ERick Kavanian AN & STEFAN gemacht hat, mit ihm die Musik
zu besprechen. Ich bin kein Musiker. Ich kann, wenn, dann nur
Vortanzen oder Vorsummen oder ihm Beispiele nennen. Ich habe Musik
von anderen Soundtracks angelegt an die Szenen, damit er eine
Orientierung hat, wie ich's mir da vorstelle, und dann war das
natürlich ein wahnsinniges Erlebnis, im Studio zu stehen, die
Bilder zu sehen, die du gedreht hast, und ein Orchester zu haben,
das dazu diese Musik spielt. Es gab eigentlich keinen im Studio,
der keine Gänsehaut bekommen hat, und das ist für mich nicht nur
ein Jugendtraum, sondern das ist echt... So stell ich mir halt Kino
vor, dass es mich irgendwie berührt, auch durch die Musik. Auch
wenn's Komödie ist.
Bully freilich musste nicht nur spielen,
singen, tanzen, musizieren, reiten und Regie führen, er war
zugleich auch noch Produzent des Films.
Christian Tramitz: Der saß manchmal abends an der Bar
mit völlig ausdruckslosem Gesicht. Das war für ihn ein absoluter
Mörder-Stress, und es ist wirklich bewundernswert, wie er das
geschafft hat, also - unglaublich. Ich glaub, er hat irgendwann
vergessen, dass er ja auch Produzent ist. War halt dann einfach
Regisseur in erster Linie und hat auch die Rolle noch super
gespielt, also: Hut ab, kann ich nur sagen.
Komödie ist eben doch erstmal harte
Arbeit...
Sky du Mont: Man muss vor allem Komik sehr ernst
nehmen, so blöd das jetzt klingt. Beim Arbeiten zumindest sehr,
sehr ernst nehmen, nur dann wird's gut. Ich habe sehr viel Komödie
gemacht, die wurde nur nie so beachtet, weil man mich ja immer
sehen wollte im Blazer mit Goldknöpfen und Seidenschal und
Champagnerglas. Ich habe sogar sehr viel Komödie gemacht, und
insofern lag mir das ganz nah. Ich habe ja sehr viel Theater
gespielt, und daher habe ich Komödienerfahrung, aber das ist ja
nicht so beachtet. Im Fernsehen habe ich drei, vier Komödien
gemacht, mehr nicht. Für mich ist ein großes Vorbild, was Komik
betrifft - was ich nie erreichen werde - aber für mich einer der
größten Komiker meines Fachs war Cary Grant. Der ganz toternst sich
nie ernst genommen hat und keine großen Verrenkungen gemacht hat,
schon damals nicht, in den 30er Jahren - ja, das war große Komik.
Als ich das Angebot bekommen habe, hatte ich das große Glück dass
ich die "bullyparade" anschauen konnte, und ich stand schon immer
auf diese "Raumschiff Enterprise"-Geschichte ("Unser Raumschiff" -
die Red.), die fand ich ziemlich gut, sehr gut sogar. Und dann hab
ich mir das angeschaut und mir gedacht, dass ist ein Konzept, das
gut funktioniert. Weil es nichts Böses hat. Auch wenn es das
Homosexuelle eigentlich als Transporteur für Komik benützt, so hat
es nie etwas Böses. Das ist, glaub'ich, auch der Erfolg. Bösen
Humor mag ich nicht. Also, wenn man sich über irgendjemanden lustig
macht, weil er stottert oder so... Aber wenn man etwas benutzt als
Transporteur, ohne jetzt böse zu sein, dann find ich das okay. Und
das hat mir gut gefallen, und da habe ich mir gedacht "Hey, das
könnte gut funktionieren". Schwierig wird's nur sein - die sind so
gut aufeinander eingespielt, diese Leute, wie passt Du da rein? Und
da habe ich mir gedacht, da musst Du mal schauen, wie ich das
schaffe. Aber wir haben uns sehr gut verstanden, weil wir ja am
A... der Welt waren, nämlich in einem Hotel, wo man eigentlich gar
nichts unternehmen konnte und nur Sandwiche essen konnte. Und
insofern verbrachten wir unsere Abende in der Hotelhalle und haben
uns sehr, sehr schnell sehr, sehr gut verstanden. Was wichtig ist
für so einen Film, glaub' ich.
Die Arbeit am richtigen komödiantischen Timing
geht nicht Hals über Kopf.
Christian Tramitz: Das kann sich auch ziehen. Wir haben
sehr viel geprobt vorher, und wir hatten den Vorteil, das wir
natürlich aufeinander eingespielt sind durch die "bullyparade". Es
gibt so ein bestimmtes Timing, das kann man eigentlich nicht
lernen, das funktioniert zwischen Bully und mir oder zwischen Bully
und Rick; das ist schon da, und diese Hürde kann man einfach mal
überspringen, und das find ich gut, weil man am Drehort dann dieses
Problem einfach nicht auch noch hat. Die Texte sitzen, das Timing
sitzt... ich weiß, was er spielt; er weiß, was ich spiel, und das
ist natürlich ein Riesenvorteil, das hat man nicht oft. Diesen
klassischen Satz, den man jetzt immer öfter hört, "das machen wir
dann in der Postproduction", den gab's bei uns nicht. Wir mussten
nur, was ein bisschen schade ist, synchronisieren, wegen sehr viel
Wind. Aber da haben wir uns auch viel Zeit genommen und haben
versucht so ganz nah wie möglich am Original zu bleiben. Und
einiges konnte man retten.
Aber schon bevor's überhaupt ans Drehen geht,
kann viel Wasser die Isar... sorry, den Rio Grande,
herunterfließen.
Rick Kavanian: Es gab eine Idee, also die Storyline,
wie man so schön sagt. Und so peu à peu haben wir das Buch
entwickelt und geschrieben, und ich glaube letztendlich so die
sechste oder siebte oder achte Fassung nach Überarbeiten und
Überarbeiten haben wir dann gedreht. Und der Film sieht jetzt
komplett anders aus als die erste Fassung! (Lacht)In dem
Augenblick, als wir dann die erste Schnittfassung gesehen haben,
hat sie uns zwar gefallen, aber wir haben uns gedacht, da steckt
noch mehr drin, das ist noch nicht alles. Wir haben dann auch
Anfang diesen Jahres nochmal nachgedreht. Und jetzt (mit der Stimme
von "Unser Raumschiff"-Schrotti) "ist des richtig gut!" Jetzt,
denke ich, sind wir eigentlich alle sehr glücklich über das, was
dabei rausgekommen ist. Aber es hat, wie gesagt, lange gedauert;
das Drehbuch und, alles in allem, ich weiß gar nicht, wieviel Jahre
vergangen sind, ich glaub zweieinhalb Jahre oder drei bis jetzt
wirklich von der ersten Zeile, von der Idee, bis jetzt zum
Kinostart.
Michael Herbig: Das Schöne dabei ist - du arbeitest
eineinhalb Jahre an so einem Buch, zwar nicht am Stück, holst es
mal wieder aus der Schublade, änderst wieder was, schmeisst was
raus, packst was rein, und du hast ein Buch in der neunten
Drehbuchfassung. Du gehst an's Set, alles ist vorbereitet, alles
ist so, wie du's besprochen hattest, und dann kommt dir eine Idee,
und du schmeisst alles über den Haufen. Und dann aber Leute zu
haben die sagen: Hey, Okay, lassen wir zu, finden wir geil, machen
wir mit - das ist glaub ich ein ganz zentraler Punkt, warum der
Film so ist, wie er aussieht, weil das eben zugelassen wird, dass
Dinge, die einem spontan kommen auch stattfinden. Und da darf man
einfach nicht drüber nachdenken, wer das noch lustig finden könnte,
sondern musst in dem Moment, was du selber lustig findest,
machen.
Die Kontrolle, wer das noch lustig findet,
findet dann nachher bei Testvorführungen statt.
Rick Kavanian: Wir hatten eine oder zwei - die
Gottseidank sehr gut angekommen sind. Und das ist dann natürlich
auf jeden Fall eine Hilfe, eine Orientierung, so nach der ersten
Schnittversion zu sagen: Guck mal, der Gag funktioniert, oder da
waren wir zu Bilder-verliebt oder zu Gag-verliebt, das ist
irgendwie einer für uns, der interessiert das Publikum weniger. Und
das ist eine sehr sehr wichtige Orientierungshilfe. Deswegen wehr
ich mich, und wehren wir uns alle auch, gegen dieses vorwurfsvolle
"Ach, die mussten Nachdrehen". Das klingt immer so wie
"Nachsitzen". Das war's aber nicht. Wir haben das Ding gesehen und
haben gesagt hey, komm, wir können noch mehr. Und das hat sich
einfach gelohnt! Wir haben dann noch mal fünf, sechs Tage nachge...
- jetzt hätt ich's beinahe selber gesagt - weitergedreht, sag' ich
mal, und jetzt ist es einfach so, dass wir alle das Ding sehen und
sagen "Ja!, das wollen wir allen zeigen." Das hoffen wir, dass das
funktioniert und dass die Leute ihren Spaß haben, und wir stehen da
einfach volle Kanne dahinter. Vor allem für den Bully ist es
halt... Der ist ja wirklich, durch die ganzen Funktionen, die er da
übernommen hat, wirklich von der ersten Sekunde bis zur letzten
dran. Und da die nötige Distanz noch zu bewahren, das ist, glaub'
ich, für ihn auch sehr schwer gewesen. Aber darum gibt's eben diese
Möglichkeiten von Test-Screenings und das anderen Leuten zu zeigen,
die davon eine Ahnung haben, und dann einfach nochmal kurz zu
sagen, hey komm, jetzt lassen wir noch mal eine Woche stehen, zwei
Wochen stehen, machen was anderes, und dann schaust du's nochmal
an, und dann zeigst du's nochmal einem Publikum - das ist schon ein
sehr langwieriger Prozess.Auch wenn der Vergleich jetzt ein
bisschen hinkt, aber auch bei der "bullyparade" ist man manchmal zu
sehr in den Gag verliebt, oder man verliert einfach dadurch, dass
man SO nah an der Sache ist, sehr leicht die Distanz und auch
letztendlich den breiten Lacher, weil man zu speziell wird, und
manchmal findet man eine Sache urkomisch, und die Leute sitzen
davor und sagen "Wo hätt ma'n jezd lacha müass'n?"
Die Darsteller können bestätigen, dass der
Eindruck nicht täuscht, den man beim Sehen des Films bekommt: Dass
alle mit Begeisterung, Liebe und Verstand für die Sache bei
selbiger waren und dabei einigen Spaß hatten.
Sky du Mont: Das hat es auch. Schön wenn der Eindruck
entsteht. Es hat RIESEN-Spaß gemacht.Sehen Sie so: Der Michael
Herbig hat einfach alles, alles reingesteckt. Und er hat mit einer
Präzision und einer Genauigkeit gearbeitet, die mich anfangs fast
überrascht hat. Er wollte es so haben, wie er es sich vorstellte.
Und er hat nicht lockergelassen - ohne jemals autoritär zu werden;
es gab nie einen schlechten Ton in diesem Film, es gab nie ein
lautes Wort - aber man wusste: Er lässt nicht locker, bis er den
Ton bekommt, den er haben will. Und das halte ich für sein großes
Verdienst. Weil: Komödie ist eine Sache des Dosierens, ganz feine
Abstimmungen. Und die hat er so lange gemacht bis er gedacht hat:
Das isses.
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