30.03.2016

Kein One-Night Stand

Ik ben Alice
Mein Kater und ich: Kater (Tomcat) des Österreichers Klaus Händl gewann dieses Jahr den Teddy Award – Queer High Light

Das Queer­film­fes­tival München is coming out und zeigt sein Früh­jahrs­pro­gramm QUEER NIGHT STAND

Von Felicitas Hübner

Das noch ganze junge Queer­film­fes­tival München will noch vor seiner ersten Ausgabe im Herbst gleich ganz groß hinaus und lässt sich in dem Nach­bar­haus der bewährten Mongay-Spiel­stätte und zentralen Kino-Anlauf­stelle für alles Queere in der Stadt, dem City-Kino in der Sonnen­straße, nieder. Und zwar bereits zum zweiten Vorspiel, dem QUEER NIGHT STAND.

Ludwig Sporrer, der als »Verant­wort­li­cher im Sinne des Pres­se­rechts« zeichnet, sich aber die Leitungs­funk­tion (noch) nicht auf die Fahnen geschrieben hat, stellte am 24. März in einer Kennen­lern- und Vernet­zungs­runde queer­fe­mi­nis­tisch aktiver Gruppen, dem »meet & greet« des Queer­kafes im Kafe Marat (ehemals Tröp­ferlbad) das neue Münchner Festival vor. Er saß dabei auf dem Podium neben der queeren Jungmeute, bestehend aus Vertreter/innen/x der queeren Hoch­schul­po­litik, der hetero-homo-bi-sexuellen Commu­nities, der poly­amorösen und BDSM-Gefilden und der tran­si­denten Gemeinde. Der Abend drehte sich um die Selbst­be­stim­mung bezüglich Sexua­lität, Geschlecht und Bezie­hungs­formen. Dabei ging es um das Analy­sieren von »Norma­litäten«, um Dekon­struk­tion von Vertrautem, um gegen­sei­tigen Respekt und Achtung.

Und genau darum geht es natürlich auch in den queeren Festi­val­filmen. »50 Shades of Regen­bogen-Bunt« könnte das Motto lauten. Mindes­tens!
Nach dem großen Erfolg des ersten Vorspiels zum Festival, den QUEER SHOTS im Dezember 2015, werden am zweiten April-Woche­n­ende die City-Kinos beim QUEER NIGHT STAND wieder in allen erdenk­li­chen Farben erstrahlen. Bereits am kommenden Mittwoch wird es im Harry Klein im Rahmen der Party­reihe »Garry Klein« einen szenigen Auftakt zum Kinoevent geben. Gezeigt wird um 22:30 Uhr der Doku­men­tar­film-Klassiker Paris Is Burning über die New Yorker Ballroom-Szene in den 1980er-Jahren. Danach wird gefeiert. Der Eintritt ist bis Mitter­nacht frei.

Am Freitag, 8.3., geht es um 22:30 Uhr im City 1 erst mal mit der Party-Stimmung weiter, wenn sich die Queer-Community mit einer Auswahl preis­ge­krönter Kurzfilme ins Film­ver­gnügen stürzt. Das Festi­val­team hat für die Queer Shots zwölf deutsche und inter­na­tio­nale Kurzfilm-High­lights ausge­wählt. Der Schweizer Regisseur und HFF-Student Simon Pfister wird seinen in München gedrehten Film Sunset zum Thema Homo­phobie vorstellen. Die Filme werden von den Zuschauer/innen bewertet. Darunter ist der gerade auf der Berlinale mit dem Kurzfilm-Teddy prämierte schwe­di­sche Clay­mation-Film Moms on Fire.

Viel Preis­ge­kröntes bekommen die Besucher/innen von QUEER NIGHT STAND ab Sams­tag­nach­mittag zu sehen: Bei den Teddy Awards 2015 und auf den Lesbisch-Schwulen Filmtagen Hamburg jeweils mit dem Preis der Jury ausge­zeichnet wurde Stories of our Lives (Atelier 1, 14:30 Uhr). Die Kurzfilm-Antho­logie des kenia­ni­schen Künst­ler­kol­lek­tivs »The Nest« thema­ti­siert den Alltag von jungen LGBTs (Lesbi­anGayBise­xu­elTrans­gender) in dem von massiver Repres­sion gezeich­neten afri­ka­ni­schen Land.

Ebenfalls am Nach­mittag läuft die nieder­län­di­sche Komödie Chez Nous – Queen of Amsterdam von Tim Oliehoek, die mittels einer char­manten Gauner­ge­schichte mitreißende Travestie-Musik­num­mern mit einer augen­zwin­kernden Hommage ans Heist­movie- und Action­genre kombi­niert (Atelier 1, 16:00 Uhr).
Als Preview vor dem Kinostart am 5. Mai präsen­tiert QUEER NIGHT STAND La belle saison – Eine Sommer­liebe mit Cécile de France. Das im Frank­reich der 1970er Jahre ange­sie­delte Drama erzählt von der stür­mi­schen Affaire zweier unter­schied­lich sozia­li­sierter Frauen (Atelier 1, 18:00 Uhr).

Das Highlight des QUEER NIGHT STAND, der dies­jäh­rige Gewinner des Teddy Award, Kater (Tomcat), läuft am Samstag zur Primetime um 20 Uhr im City 1. Der öster­rei­chi­sche Regisseur Klaus Händl und Haupt­dar­steller Lukas Turtur werden das Bezie­hungs­drama vorstellen und dem Publikum Rede und Antwort stehen.

Den Abschluss des QUEER NIGHT STAND in der Spät­vor­stel­lung am selben Abend markiert schließ­lich Desire Will Set You Free von und mit Yony Leyser. Der Film folgt einem jungen Ameri­kaner paläs­ti­nen­sisch-israe­li­scher Herkunft auf seinem Streifzug durch die berüch­tigte Berliner Clubszene. Vor dem Hinter­grund der Origi­nal­schau­plätze wartet Desire Will Set You Free mit Gast­auf­tritten zahl­rei­cher Berliner Szene-Größen auf, darunter Peaches, Nina Hagen, Blixa Bargeld und Rosa von Praunheim.
Nach dem QUEER NIGHT STAND im April wird es im Herbst mit der eigent­li­chen Ausgabe des Queer­film­fes­tival München queer und bunt weiter­gehen. Festival is coming out.

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QUEER NIGHT STAND – Queer Film Festival München, 6. bis 10. April 2016 – City-Kinos, Sonnen­straße 2. Eintritt: 9,50 Euro.
Weitere Infos und ausführ­liche Film­be­schrei­bungen gibt es hier.

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