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A Letter Without Words

 
 
USA 1997 - 64 Minuten -
Regie: Lisa Lewenz
Kamera:
Drehbuch:
Besetzung:
 
 
 
 

Jede Familie hat ihre Geheimnisse. Ella Arnhold Lewenz (1883-1954) versuchte, ihre zu verbergen und bat deshalb ihren Sohn, ihre persönlichen Briefe und Papiere nach ihrem Tod zu verbrennen. Ihre Enkelin entdeckte viel später Dutzende von Filmrollen, auf denen eine weitverzweigte Familie festgehalten war, die wegen ihrer Verdienste hohes Ansehen in Deutschland genoß. 1981 machte sie sich auf die Suche nach den Motiven ihrer Großmutter, die nach 1933 diese Filme gedreht hatte - zu einer Zeit also, in der unabhängiges Filmemachen in Deutschland verboten war. Ella hatte ihr Leben riskiert, um diese Ära zu dokumentieren. Ihre Filme liefern Antworten auf die Fragen der Enkelin nach der Vergangenheit und beleuchten zugleich wichtige Themen unserer Zeit.
A Letter Without Words ist ein Dokumentarfilm, der den Spuren von Ella, der jüdischen Großmutter der Regisseurin Lisa Lewenz folgt, die den Mut hatte, das Leben im Berlin der beginnenden Nazi-Zeit zu filmen. Auf dem damals sehr seltenen Farbfilmmaterial hielt sie den sorglosen Alltag einer Familie, den Pomp der Nazis und bedeutende Persönlichkeiten fest, die bald darauf vertrieben wurden, unter ihnen Albert Einstein und Rabbi Leo Baeck. Mit der Zeit ist dieses Filmmaterial zu einer Art imaginierter Korrespondenz zwischen den Generationen geworden: es erforscht eine oft mit Schweigen bedeckte Erbschaft und hinterfragt zugleich die Rolle des Zeugen der Geschichte.

BIO-FILMOGRAPHIE
Lisa Lewenz

Geboren 1954. Studium am Art Institute of Chicago und am California Institute of the Arts. Multimedia-Künstlerin und Regisseurin. Arbeitete als Dozentin an mehreren Universitäten, als Projektleiterin für den Verpackungskünstler Christo und als Programmassistentin für die Filmemacherin Kathryn Bigelow.
A Letter Without Words ist ihr erster Film.

Über den Film:
Die Untersuchung von Ellas Filmen und Schriften konfrontiert uns mit einer vorbildlich handelnden Frau, die im Widerstand gearbeitet und sich zugleich mit Problemen der Identifikation und der Selbstachtung auseinandergesetzt hat - und das in einer Zeit, in der andere sich dafür entschieden haben, sich anzupassen. Am Ende mußten eine ganze Kultur und ihre Menschen sterben. Wir sehen eine Frau, die mit ihrem Erbe gehadert hat, weil es mit ihrer nationalen Identität nicht übereinstimmte. Man stelle sich eine Frau vor, die in einer überaus wohlhabenden, privilegierten und kulturvierten Familie aufwuchs, dabei deutscher als die meisten Deutschen war, und die, von den Umständen dazu angeregt, mit einer Filmkamera ihre beginnende Erkenntnis darüber dokumentierte, daß ihre Familie bzw. Gemeinschaft, egal welche Zugeständnisse sie machen würden, als Südenbock für die nach dem Ersten Weltkrieg sich ausbreitende Unsicherheit in den Ländern, in denen sie jeweils lebten, herhalten mußten. Kein vergleichbares anderes Dokument aus erster Hand wurde in den letzten fünfzig Jahren gefunden, und es ist unwahrscheinlich, daß in der Zukunft etwas ähnliches auftaucht.
Die ‘Zusammenarbeit’ von Enkelin und Großmutter bietet die seltene Gelegenheit, ihrer beider Arbeit in einem Film zusammenzubringen, in dem es um den Stolz auf die jüdische Identität geht, der trotz jahrhundertelanger Verfolgung und Unterdrückung nicht wirklich angetastet wurde. Lisa Lewenz kehrte nach Deutschland zurück, zuerst als Touristin, später, um in der ehemaligen Heimatstadt ihrer Familie zu leben. Mit einem tragbaren Monitor ausgestattet und manchmal von Familienmitgliedern oder persönlichen Dokumenten geführt, verfolgt sie Ellas Spuren und versucht so, das böse Erbe des Holocaust zu überwinden ...
Der Film endet nicht mit Ellas Emigration, sondern verfolgt Ellas Flucht und ihre Reise in ein neues Leben in Amerika. In diese Handlung verwoben ist die jüngere Geschichte, die sich nach Ellas Tod entwickelte und von ihrer Familie und ihren Freunden erlebt wurde.

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