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07.11.2001
 
 
   

Eine Film-Geschichte wie ein Krimi
Am Donnerstagabend, 8.November, hat die derzeit beste Rekonstruktion von Langs METROPOLIS Premiere.

 
 
 
 

Ein visionärer Science-Fiction-Film, ein Dokument der Vermischung von Expressionismus, Futurismus und Neuer Sachlichkeit, ein politischer Entwurf - eine der wichtigsten Filme der Geschichte. Fritz Langs METROPOLIS ist in jeder Hinsicht ein Klassiker, so eklektizistisch wie genial, in seinen Einflüssen gar nicht abzuschätzen.

Das Schicksal des 1925/26 in Berlin gedrehten Films (Hauptrollen: Gustav Fröhlich und Brigitte Helm) ist für sich schon ein Abenteuer. Von den immens schwierigen, überteuerten und in vieler Hinsicht chaotisch verlaufenen Dreharbeiten ganz abgesehen - man kann darüber etwa im Katalog zur diesjährigen Fritz-Lang-Retrospektive auf der Berlinale ausführlich lesen -, verlief auch die weitere Werkgeschichte wie ein Krimi.
Kurz nach der Premiere 1927 wurde der Film gegen den Willen Langs aus Marketinggründen verstümmelt und eine ummontierte, um 45 Minuten kürzere, den Inhalt verfälschende Fassung ins Kino gebracht. Das Original ging verloren, der Film, den wir heute als METROPOLIS kennen, ist also ein im strengen Sinne unautorisierter, nach Kommerzinteressen zurechtgestutzter Torso.

Am 8.November, ist in der Reithalle die neueste Version von METROPOLIS erstmals in München zu sehen. Bei dieser von Martin Koerber über zwei Jahre restaurierten Fassung, die im Rahmen der Berlinale-Retrospektive Weltpremiere hatte, handelt es sich um eine Ergänzung und qualitative Verbesserung der von Enno Patalas am Münchner Filmmuseum rekonstruierten Fassung. Sie ist immer noch ein knappes Viertel kürzer, als der Film der Premiere, also keinesfalls das Original von 1927. Aber sie ist die authentischste METROPOLIS-Version, die man kennt - und nur wenige Filmhistoriker wagen noch darauf zu hoffen, dass das Original eines Tages auftauchen könnte.

Heute ist der Film Teil der Sammlung der Wiesbadener Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die das Erbes der deutschen Filmgeschichte archivarisch und rechtlich pflegt. Sie finanzierte auch die Rekonstruktion. Am Abend erhält der Film die Urkunde des UNESCO-Registers "Memory of the World", ein Programm, mit dem man auf die Bedeutung und Sicherung des dokumentarischen Erbes der Menschheit aufmerksam machen will. Die live gespielte Musik stammt vom Münchner Musikprofessor Aljoscha Zimmermann, einem der führenden Interpreten von Stummfilmmusiken.

Gründe genug also, sich noch einmal neu auf Langs METROPOLIS einzulassen: Eine zeitlose monumentale Fantasie über einen Sklavenaufstand und Maschinenmenschen, voll futuristischer Visionen und archaischer Angstszenarien - ein Meisterwerk!

Am 8.November 2001 um 20 Uhr in der Reithalle (Heßstraße 132), Einlaß ab 19.00 Uhr. Karten im Vorverkauf und an der Abendkasse.
In Folge wird METROPOLIS in mehreren deutschen Städten aufgeführt werden, darunter in Potsdam-Babelsberg und Wiesbaden.

Rüdiger Suchsland

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