Untraceable

USA 2008 · 101 min. · FSK: ab 16
Regie: Gregory Hoblit
Drehbuch: , ,
Kamera: Anastas Michos
Darsteller: Diane Lane, Colin Hanks, Billy Burke, Joseph Cross, Mary Beth Hurt u.a.
Über alle Zweifel erhaben: Diane Lane

Katz und Graus im Internet

Auch wenn es keinen weiteren Grund gäbe, sich Untra­ce­able, den neuen Film des überaus durch­schnitt­li­chen Regis­seurs Gregory Hoblit (Frequency, Zwielicht) anzusehen, dann wäre dieser eine Grund genug: Diane Lane. Anfang der 80er Jahre wurde sie als strah­lendes junges Mädchen in nach­ein­ander gleich drei Filmen Francis Ford Coppolas (Outsiders, Rumble Fish, Cotton Club) zum Jungstar des US-Films. Dann ging es aber nicht wirklich weiter, sie passte offenbar in ihrem herben, selbst­be­wussten Charme nicht recht zu den Frau­en­typen der 80er Jahre, zwischen die schnu­cke­ligen Meg Ryans und die musku­lösen Jamie Lee Curtis und dann war da ja noch Michelle Pfeiffer. Mitte der 90er waren dann – Juliette Lewis, Cameron Diaz – wieder andere und jüngere Frau­en­typen angesagt, Lane heiratete, bekam ein Kind, ließ sich scheiden – was man so macht, wenn man genug Geld und nicht genug Besseres zu tun hat. Zuletzt war es ziemlich still um sie, und Diane Lane spielte nur gele­gent­lich in Filmen mit – etwa als etwas zu perfekte allame­ri­ka­ni­sche Frau von George Clooney, die in Perfect Storm mit Ansage zur Witwe wird, als ungetreue Ehefrau von Richard Gere in Unfaithful, oder als verwöhnte Gattin eines Film­ty­coons in Holly­wood­land. In Untra­ce­able spielt Lane zur Abwechs­lung keine Ehefrau »an seiner Seite«, sondern endlich einmal eine ihren Fähig­keiten ange­mes­sene Haupt­rolle – und sie meistert den Part bravourös, ist zu allen Zeiten das Herz dieses Films.

Lane spielt Jennifer Marsh, eine FBI-Agentin aus Portland/Oregon, die der Abteilung vorsteht, die auf cyber crimes, auf Inter­net­kri­mi­na­lität spezia­li­siert ist. Auf einen anonymen Hinweis hin entdeckt Marsh eine Website, auf der live zu sehen ist, wie eine Katze grausam zu Tode gequält wird. Bald werden auch Menschen zu Opfern, und Marsh steht im Zentrum eines üblen Katz-und-Maus-Spiels, das ein psycho­pa­thi­scher Killer mit der Polizei und irgend­wann ihr persön­lich treibt.

Untra­ce­able ist im Prinzip ein recht typischer jener Seri­en­mörder-Filme, wie sie spätes­tens seit Fritz Langs M ein eigenes Kinogenre bilden, regel­mäßig Konjunktur und in ihren Details überaus viel über die jeweilige Gegenwart verraten. Nicht weniger als der Täter steht auch diesmal der Ermittler im Zentrum, und wie in Silence Of The Lambs ist es eine Frau, die als Verkör­pe­rung des – brüchigen, ambi­va­lenten – Guten dem – männ­li­chen – Bösen konfron­tiert wird. Tatsäch­lich muss man Jennifer Marsh als eine 15 Jahre älter gewordene Clarice Starling: Sie hat ihre eigenen Abgründe, die durch diesen Fall auch frei­ge­legt werden. Das ist das eine, was diesen Film sehens­wert macht und über den Durch­schnitt hinaus­hebt.
Inter­es­sant ist auch, wie Untra­ce­able in die klas­si­sche Story die neuen tech­ni­schen Möglich­keiten des Cyber­space hinein­webt: Denn zumindest vom Ansatz her will Untra­ce­able mehr sein, als ein bloßer Thriller: Der Film versteht sich auch als Anklage des Voyeu­rismus der breiten Massen und der neuen, mit dem Internet verbun­denen tech­ni­schen Möglich­keiten. Man muss zugeben, dass der Film einseitig pessi­mis­tisch ist in seinem Menschen­bild, das dem Menschen nichts und wenn, dann nur das Schlech­teste zutraut. Man könnte aller­dings Untra­ce­able als erzre­ak­ti­onäre Propa­ganda mit den Mitteln des Unter­hal­tungs­kinos ansehen. Denn der Film enthält haufen­weise Argumente gegen die Frei­zügig­keit unserer Kommu­ni­ka­tion, für Über­wa­chungs­staat und Kontroll­ge­sell­schaft, dafür, die Freiheit des Einzelnen einzu­schränken. Denn zumindest in ameri­ka­ni­schen Kino­filmen nutzen allzu viele diese Freiheit für verbre­che­ri­sche Zwecke. Über­durch­schnitt­lich schließ­lich muss man auch die Grau­sam­keit und die Rohheit der Gewalt­dar­stel­lung dieses Films nennen.

So bleibt ein zwie­späl­tiges Gefühl. Vieles an Untra­ce­able gefällt, er ist gut gemachte, spannende Unter­hal­tung. Doch ein wenig wird man den Verdacht nicht los, der Film bediene jene niederen Instinkte, die er vorgibt, anzu­klagen. Nur Diane Lane ist über alle Zweifel erhaben.

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