Twister

USA 1996 · 113 min. · FSK: ab 12
Regie: Jan De Bont
Drehbuch: ,
Kamera: Jack N. Green
Darsteller: Helen Hunt, Bill Paxton, Jami Gertz u.a.

»Somewhere Over the Rainbow...«

oder: In der Tradition der fliegenden Kühe

Jo Harding (Helen Hunt) ist die Leiterin einer Gruppe Wissen­schaftler, die versucht, die Strö­mungs­ver­hält­nisse in Wirbel­s­türmen zu erfor­schen. Mit diesem Wissen soll dann ein besseres Frühwarn­system für Tornados entwi­ckelt werden. Zur Messung sollen Hunderte von kleinen Sonden Daten aus dem Innern des Tornados über­tragen. Bill Harding (Bill Paxton), der die Sender konzi­piert hat, will sich von seiner Frau Jo scheiden lassen, um sich erneut vermählen zu können. Als ehema­liges, ange­se­henes Mitglied des Forscher-Teams schließt er sich, zusammen mit der neuen Frau seines Herzens (Jami Gertz), dem Team erneut an. Zunächst tut er das nur, um die Schei­dungs­pa­piere von Jo zu bekommen, doch bald entdeckt Bill seine alte Leiden­schaft für die Torna­do­jagd wieder.

Aber wie bekommt man die Sonden in den Wirbel­sturm, ohne dabei selbst in den Himmel getragen zu werden? Das Problem der ausrei­chenden Nähe und notwen­digen Distanz der Wissen­schaftler zum Objekt der Begierde treibt den gesamten Film voran; die Auto­ka­ra­vane der Forscher jagt von einem Tornado zum nächsten, immer darum bemüht, den richtigen Abstand zum Inferno zu finden.

Den richtigen Abstand versucht auch Bill zu seiner (Noch-)Ehefrau zu halten, aber im Lauf der Ereig­nisse kommen sie sich näher als es Bills Neuer recht ist. Sie verläßt ihn, was den Weg für den zweiten Frühling der Hardings frei macht. Und was ja alle schon von Beginn an wußten, sehen wir am Ende ins Bild gesetzt: Bill und Jo finden sich wieder­ver­eint im Zentrum des Tornados, und die Musik macht uns deutlich, daß wir Zeuge einer doppelten Offen­ba­rung werden: des Tornados und der Liebe – aber ist das nicht eh' ein und das selbe?

Die Spezi­al­ef­fekte aus dem Hause Indus­trial Light & Magic machen uns die Faszi­na­tion der Gefahr auf technisch eindrucks­volle Weise deutlich. Wenn wir uns mit den Haupt­fi­guren den Tornados nähern, erleben wir, tief in unsere Kino­sessel gedrückt, 'mal wieder Dinge, die wir selbst nie erfahren werden: zu einem gewal­tigen Getöse aus den Laut­spre­cher­boxen, scheinen sich die physi­ka­li­schen Gesetz­mäßig­keiten zu verab­schieden, Dreiräder und Trucks fliegen auf uns zu, Kühe an uns vorbei. Wobei die absurde Qualität flie­gender Kühe seit den Zeiten Monty Pythons an nichts eingebüßt hat, auch wenn die paar­hu­figen Wieder­käuer hier durch einen ganz anderen Zusam­men­hang fliegen.

Die Faszi­na­tion der Wirbel­s­türme ist vor allem für Bill das Motiv für sein Handeln. Bei Jo kommt noch ein Kind­heits­trauma hinzu, sie führt einen heiligen Krieg gegen die Tornados, die ihren Vater vor ihren Augen geholt haben. Dabei wäre sie selbst doch gerne ins Land hinter dem Regen­bogen geflogen. So sollen nun an ihrer Stelle die Meßsonden in die Lüfte steigen, und sie nennt die Sonden, in der Hoffnung auf ihren guten Flug, »Dorothy«, nach der Haupt­figur des Wizard of Oz – ganz nebenbei bemerkt, ein Film in dem die Kühe schon Ende der '30er Jahre das Fliegen lernten.

The Wizard of Oz, in dem Judy Garland in den Farbfilm geblasen wird, steht für die Magie der Wirbel­s­türme und die Faszi­na­tion, die sie ausüben. Der Regisseur Jan De Bont zieht noch ein weiteres Filmzitat heran, das die Gegen­seite der Tornados, ihre natür­liche Gewalt und ihr Vernich­tungs­po­ten­tial illus­triert: Stanley Kubricks The Shining läuft in einem Autokino, auf das sich ein Tornado nähert, und zusammen mit dem Tornado hackt Jack Nicholson die Leinwand kurz und klein...

...ein großer Spaß!

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