Das Schicksal ist ein mieser Verräter

The Fault in Our Stars

USA 2014 · 126 min. · FSK: ab 6
Regie: Josh Boone
Drehbuch: ,
Kamera: Ben Richardson
Darsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Laura Dern, Sam Trammell, Nat Wolff u.a.
Romantisch und doch ehrlich

»Ich bin jetzt eine Art von Cyborg«

Kann man eine Romanze mit zwei krebs­kranken Teenagern drehen ohne dabei in unsäg­liche Untiefen des Kitsches zu versinken und ohne das Publikum mit penetrant tief­sin­nigen Botschaften zu malträ­tieren? Sehr schwierig. Kann Hollywood solch einen Film mit zwei ausge­rechnet aus dem flachen Sci-Fi-Block­buster Die Bestim­mung – Divergent bekannten hübschen Jungstars produ­zieren, ohne dass das Ergebnis zumindest das europäi­sche Kino­pu­blikum in Scharen aus dem Kinosaal flüchten lässt? Schier unmöglich. Doch der ameri­ka­ni­sche Regisseur Josh Boone (Love Stories – Erste Lieben, Zweite Chancen) zeigt mit seinem zweiten Spielfilm Das Schicksal ist ein mieser Verräter – der Verfil­mung des gleich­na­migen Erfolgs­ro­mans von John Green – dass manchmal die Gesetze der Wahr­schein­lich­keit tatsäch­lich ausge­he­belt werden können. Das so etwas möglich ist, ist auch die stille Hoffnung der beiden krebs­kranken Prot­ago­nisten...

Die sechz­ehn­jäh­rige Hazel Grace Lancaster (Shailene Woodley) leidet an Schild­drü­sen­krebs und hat in Folge eine ange­grif­fene Lunge, weshalb sie immer einen Schlauch in der Nase stecken hat und ein Atmungs­gerät mit sich herum­trägt. Nur wider­willig lässt Hazel sich von ihrer Mutter (Laura Dern) zu einer Krebs­selbst­hil­fe­gruppe bringen. Unter den dort anwe­senden Teenagern befindet sich der an Knochen­krebs erkrankte Augustus 'Gus' Waters (Ansel Elgort). Dem char­manten Schönling sieht man sein Leiden nicht direkt an. Doch als Gus mit einem Lächeln sein Hosenbein hochzieht, wird eine Bein­pro­these sichtbar. Gus bemerkt nur lakonisch, dass er jetzt eine Art von Cyborg sei. Hazel und Gus fühlen sich schnell zuein­ander hinge­zogen. Doch im Gegensatz zu dem sehr offenen und sehr direkten Gus ist Hazel wesent­lich zurück­hal­tender. Sie betrachtet sich als eine Todge­weihte und sieht, wie sehr bereits ihre Eltern wegen ihr mitleiden. Da fällt es Hazel schwer eine weitere Person in ihr Leben hinein­zu­lassen. Aber der stets mit einer unan­ge­zün­deten Zigarette im Mund­winkel herum­lau­fende Gus gibt so schnell nicht auf...

Josh Boones Das Schicksal ist ein mieser Verräter gelingt das Kunst­stück, die so unge­wöhn­liche, wie tragische Liebes­ge­schichte von Hazel und Gus auf derart ehrliche und zugleich roman­ti­sche Art zu erzählen, dass man nicht anders kann, als diese Prot­ago­nisten gleich in sein Herz zu schließen und mit ihnen bis zum Schluss mitzufühlen und mitzu­fie­bern. In diesem Film darf über Dinge gelacht und geweint werden, die norma­ler­weise tief in unserer gesell­schaft­li­chen Tabuzone vergraben sind. So hat Gus einen Freund mit Namen Isaac (Nat Wolff), den er ebenfalls in der Selbst­hil­fe­gruppe kennen­ge­lernt hat. Als Isaac nach einer Operation erblindet, macht seine Freundin per SMS mit ihm Schluss. Um sich zu rächen fährt Isaak gemeinsam mit Gus und Hazel zum Haus dieses Mädchens und bewirft ihr schickes Auto mit Eiern. Dabei müssen Gus und Hazel Anwei­sungen geben, da Isaak zunächst vorbei wirft. – Schließ­lich ist er ja blind! Das ist schreiend komisch und zugleich derart bitter, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Die Szene ist sympto­ma­tisch dafür, wie diese Geschichte erzählt ist. Hier gibt es keine falsche Betrof­fen­heit und keine mani­pu­la­tiven Tränen­drü­sen­drü­cker. Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist wunderbar bittersüß.

Die beiden jungen Schau­spieler Ansel Elgort und Shailene Woodley vermögen als Gus und Hazel den Film durch alle Höhen und Tiefen hinweg zu tragen. Was für ein Unter­schied zu ihren Rollen in Die Bestim­mung – Divergent, in dem sie Bruder und Schwester spielten! In jenem in der Retorte entstan­denen Film – übrigens ebenfalls eine 'Literatur'-Verfil­mung – ist Shailene Woodley in der Haupt­rolle zwar sexy, aber auch nicht mehr. Und Ansel Elgort ist in Divergent schlicht gutmütig und naiv. Dies beweist, dass große Schau­spiel­ta­lente auch einen entspre­chenden Stoff benötigen, um zu zeigen, was in ihnen steckt.

Die in Das Schicksal ist ein mieser Verräter Hazels Mutter spielende Laura Dern musste auch erst auf David Lynch stoßen, um zu zeigen, dass sie eine wirklich gute Schau­spie­lerin ist. In Lynchs Psycho-Noir Blue Velvet (1986) spielte Laura Dern selbst noch den aben­teu­er­lus­tigen Teenager in der ameri­ka­ni­schen Provinz, der sich von seinen klein­bür­ger­li­chen Eltern frei­ma­chen muss. Auch sie wurde dabei von einem wage­mu­tigen Freund zum großen Schritt in das Unbe­kannte animiert. In Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist nun Laura Dern die über­für­sorg­liche Mutter, gegen die sich die Tochter durch­setzen muss, wenn jene noch etwas in ihrem Leben erleben will. So zeigt sich, wie schnell die Zeit vergeht. – Eine Empfin­dung, die aufgrund ihrer Krankheit auch Hazel und Gus für ihr Alter bereits viel zu sehr vertraut ist.

Zugleich offenbart sich an dieser Stelle eine der positiven Botschaften des Films: Angesicht der Endlich­keit ihres Lebens versuchen Gus und Hazel jeden Moment bewusst zu erleben und zu genießen, solange sie dies noch können. So zeigt sich, dass das Bewusst­sein der eigenen Sterb­lich­keit dem eigenen Leben erst Sinn und Tiefe gibt.

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