Independence Day: Wiederkehr

Independence Day: Resurgence

USA 2016 · 121 min. · FSK: ab 12
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: , , , ,
Kamera: Markus Förderer
Darsteller: Liam Hemsworth, Jeff Goldblum, Bill Pullman, Maika Monroe, Travis Tope u.a.
Mit viel Liebe zum Detail – und zur Wiederholung

Das Grauen der ewigen Wiederkehr

„Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen; und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Grosse deines Lebens muss dir wieder­kommen, und Alles in der selben Reihe und Folge – und ebenso diese Spinne und dieses Mondlicht zwischen den Bäumen, und ebenso dieser Augen­blick und ich selber. Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht – und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!“
Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissen­schaft, Viertes Buch, Apho­rismus 341 (KSA 3, S. 571)

Es muss schon Nietz­sches Gedanke der ewigen Wieder­kehr gewesen sein, der Roland Emmerich geritten haben muss, nun doch, nach 20 langen Jahren der Verwei­ge­rung, eine Fort­set­zung seines großen Block­buster-Erfolges Inde­pen­dence Day aus dem Jahre 1996 auf den mit Sequels über­füllten Block­buster-Markt zu werfen. Und so etwas wie Verach­tung und Zynismus gegenüber dem Publikum und unserer neoli­be­ralen Realität: Wie weit kann man gehen, wie wenig sich neu erfinden, wie dreist darf man wieder­holen, ohne das es irgendwen kümmert?

Anschei­nend kann man sehr weit gehen und immerhin lässt sich der Sache auch etwas Positives abge­winnen: denn es ist wie eine Zeit­ma­schine, die ins Jahr 1996 reist, sieht man sich Emmerichs Inde­pen­dence Day: Wieder­kehr an. Nichts hat sich geändert. Bis auf Will Smith, der abgesagt hat, ist die alte Garde mit dabei, natürlich zur Rentner-Combo mutiert oder durch ein paar Dreh­buch­fli­cken wieder­be­lebt, aber nichts­des­to­trotz bereit, die Erde ein weiteres Mal vor den gleichen Außer­ir­di­schen zu retten, die schon damals die Erde als Tank­stelle miss­ver­standen haben.

Natürlich altern nicht nur die Menschen, auch die Raum­schiffe werden größer und der Trick ist besser. Wem es also reicht, sich über die Gnaden­lo­sig­keit der mensch­li­chen Alte­rungs­pro­zesse zu amüsieren, die nicht einmal vor Jeff Goldblum halt gemacht haben; wer einem klein­kind­haften Staunen über die Wieder­kehr des ewig Gleichen frönen möchte und wer es liebt, auch im entfern­testen Winkel unseres Univer­sums eine McDonalds-Filiale zu finden, der ist bei Emmerich richtig.

Wer aller­dings in den letzten 20 Jahren durchaus Spaß daran hatte, dass auch das Block­buster-Kino sich entwi­ckelt hat; der Ridley Scotts Marsianer zu schätzen wusste; der des selbst­ver­liebten, ewigen Orchideen-Zitats in Emmerichs Filmen müde ist; der es satt hat, jahr­zehn­te­lang gewach­senen Buddy- und Kompli­zen­schaften müde zuzu­lächeln; der sich aber auch nicht auf das neue Personal wie das chine­si­sche Super­model Ange­la­baby – der Film soll schließ­lich auch in China Umsatz machen – einlassen möchte und der trotz Lärm und konti­nen­talen Zers­tö­rungen nicht immer wieder in grum­melnde Schlum­mer­phasen absacken möchte, dem sei dringend davon abgeraten, sich auf Emmerichs Kommentar zu Nietz­sches ewiger Wieder­kehr einzu­lassen. Dem sei statt­dessen empfohlen auf eine Hütte in den Bergen zu fahren und sich vor einem knis­ternden Feuer ein wenig auf Nietz­sches »Fröhliche Wissen­schaft« einzu­lassen. Und dann vor die Hütte zu treten, um die kris­tal­line Schönheit des Weltraums völlig unbe­fangen zu genießen. 

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Die Mutter aller Mütter

Als 1996 Roland Emmerichs Sci-Fi-Action-Knaller Inde­pen­dence Day in die Kinos kam, markierte dies den inter­na­tio­nalen Durch­bruch für den bis dahin als Spiel­ber­gele belächelten deutschen Filme­ma­cher aus dem Schwa­ben­land. Zugegeben: Bis heute ist „unser Mann in Hollywood“ eher so etwas, wie der kleine dreckige deutsche Stief­bruder des mit Oscars über­häuften Block­bus­ter­pro­du­zenten Steven Spielberg.

Doch während Letzterem in Filmen wie Der Soldat James Ryan (1998) das Pathos schon einmal böse außer Kontrolle geraten kann, ist selbst eine globale Alien­in­va­si­ons­ab­wehr unter ameri­ka­ni­scher Führung bei Emmerich trotz penetrant wehender US-Flagge, eine hoch vergnüg­liche Ange­le­gen­heit. – Und dies liegt nicht nur daran, dass der ein Jahr später ebenfalls in David Lynchs Psycho-Noir Lost Highway bril­lie­rende – Bill Pullman als ameri­ka­ni­scher Präsident eine verdammt coole Socke ist ...

Trotzdem tut es dem Sequel Inde­pen­dence Day: Wieder­kehr sehr gut, dass es Emmerich gelungen ist, für dieses Pullman und einen Teil der alten Alien-Fighter-Crew zu reak­ti­vieren. Zwar hat ausge­rechnet Will Smith nach anfäng­li­cher Zusage dann doch gekniffen. Aber so war unser Spiel­ber­gele wenigs­tens gezwungen, sein anfäng­li­ches Drehbuch dahin­ge­hend umschreiben zu lassen, dass die Fort­set­zung jetzt kein reiner Neuauf­guss des Klas­si­kers von 1996 geworden ist.

Zugleich hat sich Emmerich an die wich­tigste Regel für jede Block­buster-Fort­set­zung gehalten: „Wenn du es nicht wirklich neu machen kannst, dann mach es wenigs­tens größer!“ Und größer macht es der Lausbub Emmerich hier so richtig: Zwar verzichten die Aliens für ihre Wieder­kehr auf das Anrücken mit einer ganzen Alien-Spaceship-Flotte. Aber dafür kommen sie jetzt mit einem Mothership, welches locker das größte Raum­schiff der gesamten Film­ge­schichte darstellen dürfte. – Das ist so gnadenlos über­trieben, dass es schon wieder eine Heiden­freude macht.

Diese Mutter aller Motherships passt ausge­zeichnet zum augen­zwin­kernden Tonfall des gesamten Films. In diesem lässt es der Master of Desaster natürlich erneut nach allen Regeln der Kunst kräftig krachen, wobei ebenso natürlich der eine oder andere Kontinent großflächig – und mit viel Panache – pulve­ri­siert wird. Während Emmerich vor 20 Jahren noch damit punkten konnte, dass solch einen Gigan­tismus bis daher im Kino so ziemlich ungesehen war, fährt er im Jahre 2016 schwerste CGI-Geschütze auf, um dem Zuschauer sein wüstes Alien­in­va­si­ons­spek­takel nun in 3D um die Augen und die Ohren zu knallen.

Zwar hat man in der Zwischen­zeit schon so Einiges gesehen, weshalb Inde­pen­dence Day: Wieder­kehr in dieser Hinsicht kein Allein­stel­lungs­merkmal verzeichnen kann. Aber sagen wir es einmal so: Im direkten Vergleich zum wahn­wit­zigen Alien­ge­metzel in Wieder­kehr wirkt Ridley Scotts gleich­falls von Gigan­to­manie getrie­benes Alien-Prequel Prome­theus (2012) nicht nur deutlich unspek­ta­ku­lärer, sondern fast schon ein wenig bieder. Es muss auch positiv angemerkt werden, dass Emmerich diesmal nicht einfach nur mächtig auf möglichst Vieles draufhaut, sondern sich sein neuer Film sowohl in Hinsicht auf das Design als auch die Insze­nie­rung durch eine große Liebe zum Detail auszeichnet.

So sind die Aliens – inklusive furcht­erre­gender Ganz­körper-Alien­an­züge nicht nur sehr böse, sondern zudem sehr schön durch­ge­staltet. Und wenn im Bild ein Koloss zusam­men­bricht, dann kracht dies nicht nur ange­messen über­trieben, sondern dann geht die gesamte Körper­be­we­gung hinein in eine letzte verzwei­felte Geste, bei welcher aus einer ausge­streckten Hand etwas kleines Rundes heraus­kul­lert.

Der Unter­schied zwischen Prome­theus und Wieder­kehr lässt sich folgen­der­maßen fest­ma­chen: Während die Ankün­di­gung, dass auf das Alien-Prequel auch noch ein Sequel folgen soll, fast schon, wie eine von sadis­ti­schen Aliens mental indu­zierte Androhung erscheint, so ist die Aussicht darauf, dass sich Inde­pen­dence Day bei Erfolg von Wieder­kehr zu einer Trilogie auswachsen wird, ein Grund zu großer Vorfreude!

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