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Großbritannien 1998, 124 Minuten · FSK: ab 12 |
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Ihre Wende leitet sie bei der herzerweichenden Trennung ihrer Liebe Robert (der etwas farblose Joseph Fiennes) ein. Von vielen Beratern umgeben, und doch allein, immer auf der Hut vor Fallen und Listen, harrt sie nur lange genug aus, bis sich durch gegenseitiges, herzhaftes Morden der Konkurrenten eine günstige Konstellation ergibt. Ihre wahre innerliche Stärke offenbart sich dennoch erst gegen Ende, wenn sie der Kamera entkommt, die wie ein lauernder Raubvogel in den düsteren Gemäuern über den Köpfen der Hofmitglieder kreist, und sowohl der Kamera, wie allen unzähligen falschen Freunden zur eiskalten Herrin wird.
Die optische Raffinesse eines Ang Lee erreicht der indische Regisseur Shekhar Kapur (Bandit Queen) zwar nicht, aber seine gediegenen Bilder der historischen Originalschauplätze vermitteln genug Düsterkeit, die zwar nicht unbedingt den wahren Begebenheiten entsprechen muß, aber ein recht einprägsames Bild von Kapurs Englandvorstellung liefert. Den chronologischen Daten entsprechend hält sich seine Neuauflage der »Virgin Queen« an die historischen Überlieferungen, doch die Inszenierung nimmt sich die Freiheit, ihre Ruhe auch von komplexem Zeitgeschehen nicht stören zu lassen und der Film bewahrt vornehme Behäbigkeit trotz umfassender Veränderungen während Elizabeths Herrschaft. Mitunter schwellen die christlichen Choräle zu theatralischer Lautstärke auf, und lassen die Geschichtsstunde zu einem rauschartigen Bilderbogen avancieren, indem der hypnotisierende Christopher Eccleston als Duke of Norfolk durch seine teuflische Präsenz wie ein Dämon seine dunklen Krallen an Elizabeth festhält. An seinen intensivsten Momenten transzendiert das Historiendrama in eine irreale (Alp-)Traumwelt von bedrückender Schönheit, die ganz in der Tradition eines Intrigenthrillers wie Chereaus La Reine Margot steht.