Downsizing

USA 2017 · 136 min. · FSK: ab 0
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: ,
Kamera: Phedon Papamichael
Darsteller: Matt Damon, Christoph Waltz, Hong Chau, Kristen Wiig, Rolf Lassgård u.a.
Hilfe, ich habe meinen Kollegen geschrumpft!

Wenn Komödien predigen...

Labor­ratten zu Barock­musik – ein abgrün­diges Eingangs­bild, das gleich klarmacht: Man hat es hier mit einer Komödie zu tun, bei der die Wissen­schaft und ihre Versuche, Ordnung ins Chaos des mensch­li­chen Lebens zu bringen, nicht allzu gut wegkommen.
In Down­si­zing des Ameri­ka­ners Alexander Payne (Sideways) sind es norwe­gi­sche Wissen­schaftler, die an irgend­etwas von sich hinfor­schen – doch auf einmal ertönt der Ruf »Heureka! Es hat geklappt!!« Im Zeit­raffer wird dann klar, um was es sich handelt: Um eine Technik zur Verklei­ne­rung von Lebewesen, also auch von Menschen. Das wäre umwelt­freund­lich, argu­men­tieren die Forscher. Der Titel ist ein Wortspiel: »Down­si­zing« ist neben »Verklei­ne­rung« und »Gesund­schrump­fung« auch der Name für die neoli­be­rale Manage­ment­technik der Kosten­er­sparnis durch Perso­nal­abbau und Arbeits­ver­dich­tung.
Bald wird die Technik des »Down­si­zing« massen­taug­lich und unter den Menschen beworben, um die Ressourcen der Erde zu schonen. Mit unschätz­baren Vorteilen: Denn verklei­nert wird alles, neben dem Verbrauch auch die Kosten – und wenn die Menschen auf Däum­lings­größe geschrumpft sind, brauchen sie nur noch 80 Dollar, um sich zwei Monate lang zu ernähren –, das einzige, was sich nicht verklei­nert, ist ihr Bankkonto. Und weil das unter kleinen Verhält­nissen viel mehr wert ist, sind die »down­ge­si­zeten« Menschen plötzlich in ihrer Welt alle reich.

Diese Zusam­men­hänge sind die Prämisse für einen Film, in dessen Zentrum die von Matt Damon gespielte Haupt­figur steht: Paul Safranek ist der Klein­ge­blie­bene unter den Karrie­risten, der Loser seiner Schul­klasse. Darum ist das »Down­si­zing« seine Chance. Nach einer unan­ge­nehmen Prozedur, die mit der Angst vorm Ausge­setzt-sein ebenso spielt, wie mit Gaskammer-Metaphern, landet er in der Siedlung Leisu­re­land. Dort leben die Geschrumpften in einem ideal­ty­pi­schen ameri­ka­ni­schen Suburbia-Vorstadt­sied­lung, in der es scheinbar weder Krimi­na­lität noch Not gibt. Dummer­weise ist Pauls Frau in letzter Sekunde noch abge­sprungen. Darum ist er jetzt auch ein depri­mierter Single. Auf andere Gedanken bringt ihn sein von Christoph Waltz gespielter serbi­scher Nachbar und dessen von Udo Kier gespielter Freund. Bei ihnen erlebt Paul seine erste Drogen­party, und versteht am nächsten Morgen auch, dass Leisu­re­land nicht weniger eine Klas­sen­ge­sell­schaft mit Schat­tenö­ko­nomie, Slums und Armen ist, als die Welt der »big people«. Bald hat er mit der viena­me­si­schen Putzfrau und Ex-Dissi­dentin Ngoc eine neue Liebe gefunden, da droht ihm auch schon neues Ungemach: Methan tritt in der Antarktis aus, beschleu­nigt den Klima­wandel und die norwe­gi­sche Däumlings-Gemein­schaft will sich in eine Art Arche Noah unter der Erde flüchten.

So kommt vieles zusammen, und »Down­si­zing« wird im letzten Drittel fast zum ernsten Umwelt-Ideen­drama: Tatsäch­lich redet der Film nicht darum herum, dass es den Figuren beim Verklei­nern nie darum geht, etwas für die Erde zu tun, sondern allein darum, mehr konsu­mieren zu können. Um Gier, die in der realen Größe nicht mehr zu befrie­digen ist. Es geht um Kapi­ta­lismus, auch der Firma, die die Schrumpf-Technik herstellt, weil sie Geld verdienen will.

Zugleich ist dies ein Ideen­drama, das für die Mensch­lich­keit der Armen und die Mensch­lich­keit im Kleinen plädiert, und im Kern, so könnte man sagen, eine zutiefst biedere, anti-utopische Botschaft predigt, die Drogen, Partys und Lust­be­frie­di­gung aller Art verdammt: Kapi­ta­lismus ist böse, Hedo­nismus ist sehr böse, und Klima­wandel sowieso. Das »Prinzip Hoffnung« wird abgelöst durch das kleine Glück´und Bieder­keits­moral. »Schuster bleib bei deinen Leisten.«

Die Arroganz und der Narzißmus, all jener, die fort­wäh­rend die Welt retten wollen, wird zwar ironisch gebrochen, aber vom Regisseur auch wieder halb ernst genommen. Einer­seits lästert der sympa­thi­sche Zyniker des Christoph Waltz: »Die Welt­retter sind wie eine Sekte. Sie werden sich gegen­seitig lange vor dem Welt­un­ter­gang erschlagen.« Ande­rer­seits sympa­thi­siert Haupt­figur Paul stark mit dem Idea­lismus der Gruppe.

Alexander Payne ist also auch diesmal ein lang­wei­liger Filme­ma­cher. Bis zum Schluss kann er sich nicht entscheiden, ob er einfach eine weitere, für ihn typische-Loser­komödie erzählen will, oder doch einen ernsten Beitrag zur Weltlage bieten, vor dem Klima­wandel warnen und uns einmal mehr die Übel des Kapi­ta­lismus vor Augen führen.

Down­si­zing ist zum Teil ganz lustig, aber ohne Über­ra­schungen und im Stil träge und behäbig. Es über­wiegen Senti­men­ta­lität, Kitsch und jener Huma­ni­ta­rismus, gegen den sich nicht das Geringste sagen lässt, außer dass er komplett vorher­sehbar und eben ziemlich lang­weilig ist.

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