artechock: Was reizt Sie an der Filmregie und am
Produzentendasein? Sind sie als Schauspieler nicht glücklich?
Clooney: Ich spiele gern, habe ja auch in CONFESSIONS
OF A DANGEROUS MIND eine Nebenrolle. Tatsächlich fühle ich
mich aber manchmal etwas unausgelastet. Die Angebote sind
manchmal einfach blöd. Und ich habe bestimmte Vorstellungen
von Filmästhetik, Filme wie THREE KINGS, eine Anti-Kriegssatire,
die einfach politische Widerstände hervorrief. Oder SOLARIS.
Der ist stilistisch radikal. Da müssen die Zuschauer eben
etwas nachdenken. Leider ist es in Amerika unüblich geworden,
Filme zu machen, in denen es viele Fragen und wenig Antworten
gibt, und die etwas Politisches oder Philosophisches erzählen
möchten. Aber genau das macht Kino interessant: Keine vorgekauten
Antworten, sondern Bilder, die mehrere Interpretationsmöglichkeiten
erschließen.
In CONFESSIONS OF A DANGEROUS MIND gibt es mindestens
zwei Möglichkeiten die Story zu verstehen: Ist ihre
Hauptfigur Chuck Barris, der ja noch lebt, nun ein Killer
gewesen, oder nicht?
Ich habe ihn nie gefragt. Das hätte den Film beeinflusst,
außerdem hat er so viel Verschiedenes über sein
Leben erzählt, dass ich selbst nicht durchblicke, was
wahr, was erfunden ist. Zweifellos ist er ein Aufschneider
und Täuscher - aber muss man nicht genau das, um ein
Geheimagent zu sein? Am liebsten hätte ich auf's Filmplakat
geschrieben: "CIA - there's one business like showbusiness!"
CONFESSIONS OF A DANGEROUS MIND ist auch ein Film über
Fernseh-Unkultur...
Ja. Mein Vater hatte selber eine Gameshow, und ich bin quasi
auf einem TV-Set aufgewachsen. Man denkt, die Jahre 1950-1970
waren die große Zeit des Fernsehens. Das ist Quatsch.
Wir alle wissen, wie gut Fernsehen sein kann, wir kennen Beispiele
dafür. Aber das Problem ist, wie tief es sinken kann!
Hier liegt die Gefahr. Entertainment ist das Unglück.
Bei uns glaubt man sogar, dass Nachrichten Unterhaltung sind.
Dieses Reality-TV, bei dem man Polizisten bei der Arbeit begleitet
und so ein Mist, haben schlechte Folgen für die ganze
Gesellschaft. Chuck Barris ist ein Vorreiter dieser Entwicklung.
Ich finde Fernsehen heute sehr sehr schlecht - man muss sich
das gar nicht mehr angucken.
Wie ging es Ihnen bei Ihrer ersten Regiearbeit?
Interessant. Ich habe mich nicht darum gerissen, es kam dazu,
weil ich wollte, dass der Stoff verfilmt, und mit meinem Namen
war das möglich. Es war anstrengend mit so vielen Kollegen
zu arbeiten, die ich respektiere. Ich bin da trotzdem schüchtern,
möchte nicht gerade derjenige sein, der "den Ball
fallen" lässt.
Was macht gute Schauspieler aus?
Der Erfolg bei der Schauspielerei liegt daran, dass sich
der Schauspieler nicht ändert. Sehen Sie sich Jack Nicholson
oder Michael Caine an: Sie bleiben sich selbst. Da möchte
ich selber hinkommen.
Sind Sie und Steven Soderbergh die letzten Rebellen Hollywoods?
Es stimmt: Die Branche ist erbarmungslos, sogar die Warner
Brothers wurden in ihrer eigenen Firma gefeuert. Steven und
ich haben einen ähnlichen Geschmack, und können
zu zweit mehr bewirken, als allein. Wenn wir Flops produzieren,
müssen wir eben OCEAN'S TWELVE machen - dann können
wir weiter auch schwierigere Filme drehen.
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