Ein Zwilling kommt selten allein

The Parent Trap

USA 1998 · 127 Minuten · FSK: ab 0
Regie: Nancy Meyers
Drehbuch: , ,
Kamera: Dean Cundey
Darsteller: Lindsay Lohan, Dennis Quaid, Natasha Richardson, Elaine Hendrix u.a.

Typisch Hollywood

Zu loben ist manches an diesem Film, dem Remake einer klas­si­schen Hollywood-Komödie, das dem Vorbild von 1961 insgesamt nur wenig nachsteht. Am meisten gelobt werden muß dabei die großar­tige Leistung von Lindsay Lohan, die die schwie­rige Doppel­haupt­rolle der beiden Zwil­lings­schwes­tern Hallie und Annie so ausge­zeichnet und charmant bewältigt, als hätte sie nie etwas anderes getan, als vor der Kamera zu stehen.

Der Plot stammt von Erich Kästner. Dessen »Doppeltes Lottchen« gibt das Vorbild ab für diese Geschichte zweier unglei­cher Zwil­lings­schwes­tern, die sich -seit ihrer Geburt getrennt bei den verschie­denen Eltern­teilen lebend- durch Zufall in einem Feri­en­lager kennen­lernen (Kurz­zeitig raunt das roman­ti­sche Doppel­gän­ger­motiv). Weil beide darunter leiden, nicht in einer kompletten Familie zu leben, beschließen sie, ihre Rollen zu tauschen, und die Eltern (Natasha Richardson, Dennis Quaid) wieder zusam­men­zu­führen.

Die Idee des Rollen­tauschs ist dabei am span­nendsten: Wie ist es, unerkannt in der Identität eines anderen Menschen zu leben, sich in den Fremden einzu­fühlen, der einem nur äußerlich aufs Haar gleicht? Dieses Thema wird trotz Komö­di­en­zwängen immerhin so weit ange­deutet, daß man seine Dimension zu ahnen beginnt. Ande­rer­seits könnte man ein wenig schimpfen über die wohl­ge­ord­neten, allzu­per­fekten, allzu reichen Milieus, in denen das alles statt­findet. So zuckrig ist die rosarote Komö­dien­sauce, daß die Realitäten des Lebens noch nicht einmal zum Witze­ma­chen mißbraucht werden, und es einem mitunter arg klebrig im Kino­sessel zumute wird.

Aber so ist eben Hollywood; und Ein Zwilling kommt selten allein ist das Muster­bei­spiel des »Films für die ganze Familie«, der pures Enter­tain­ment auf höherem Niveau bieten will. Er ist stuben­rein und jugend­frei, unterhält knapp zwei Stunden aufs Ange­nehmste, und das Happy End ist von Anfang an garan­tiert.

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