Das Verlangen

Deutschland 2002 · 94 min.
Regie: Iain Dilthey
Drehbuch: ,
Kamera: Justus Pankau
Darsteller: Susanne-Marie Wrage, Klaus Grünberg, Robert Lohr, Heidemarie Rohwedder, Manfred Kranich u.a.
Zurückgezogen

Ländliche Hölle

Die Hölle hat Tapeten mit Priel­blu­men­muster. Die Hölle, das sind die hasser­füllte, bett­lä­ge­rige Schwä­gerin und die selbst­ge­rechte Dorf­krä­merin. Das ist vor allem der eigene Mann, ein wort­karger Pastor, herzlos, kalt und uner­bitt­lich.

Lena ist noch nicht alt, doch ihr scheint das Leben bereits abhanden gekommen zu sein, irgendwo in der Ödnis von Tisch­ge­beten, Orgel­spiel und freud­losem Beischlaf. Wer genau hinschaut sieht, dass sie jenseits der altba­ckenen Aufma­chung ein wenig aussieht wie Romi Schneider. Ein Umstand, den jedoch keiner bemerkt. Außer viel­leicht Paul, der Dorf­me­cha­niker, der schnell zum Angel­punkt für Lenas Sehnsucht wird.

Es wird nicht besonders viel gespro­chen in diesem Film. In die tödliche Stille zwischen den Eheleuten tickt uner­bitt­lich die Standuhr. Lena leidet stumm und als sie endlich ein wenig rebel­liert, passiert auch das ohne viele Worte. Wichtig ist das, was nicht gesagt wird. Lenas Schweigen ist ihr einziges Schutz­schild gegen die boshaften Angriffe der Schwä­gerin und den Despo­tismus ihres Ehemannes. Und so schweigt sie auch dann, als ihn ihr der Verdacht aufkeimt, dass der Geliebte der Mädchen­mörder ist, der in dem Dorf umgeht. In stummer Verzweif­lung versucht sie, das bisschen Hoffnung zu schützen, dass sie sich gerade erst erobert hat. Auch als der hart­nä­ckige Poli­zei­be­amte mit seinen Fragen die Schlinge immer weiter zuzieht, verbar­ri­ka­diert sich Lena hinter unge­sagten Worten. Doch schließ­lich bietet auch das Schweigen keine Zuflucht mehr.

Teil 3 von Ivan Diltheys Sehn­suchts­tri­logie ist ein harter Brocken. Mit seinem Abschluss­film entzieht sich der Regisseur dem gegen­wär­tigen Trend des deutschen Kinos, ums junge Publikum zu buhlen. Hier wird eine mensch­liche Tragödie entfaltet, der jeglicher Glamour­faktor fehlt. Der Film hat die Chuzpe, sperrig und depri­mie­rend zu sein. Und gerade das macht ihn sehens­wert.

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