U-Turn – Kein Weg zurück

U Turn

USA 1997 · 125 min. · FSK: ab 18
Regie: Oliver Stone
Drehbuch:
Kamera: Robert Richardson
Darsteller: Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Claire Danes, Powers Boothe u.a.

Beinharter Country-Schwank

Oliver Stone kann auch bei U-Turn seine Mätzchen nicht unterlassen

Du hast es einfach drauf. So sagt er sich es gerne in den Spiegel. Bobby Cooper ist ein lässiger Klein­ga­nove. Zwei Finger wurden ihm zwar schon abge­schnitten von herzlosen Schul­den­ein­trei­bern, doch Bobby ist gut gelaunt, denn diesmal hat er das Geld dabei bei seiner Fahrt nach Kali­for­niem. Its a good day for loosing the blues trällert Peggy Lee im Radio, doch tatsäch­lich beginnt ein schreck­li­cher Tag, denn der Kühler­schlauch seines Wagens platzt, und Bobby muß in einem öden Nest namens Superior verhocken, mitten in der Wüste von Arizona. Sie sollten vorsichtig sein! ermahnt ihn dort jeder, den er trifft. Doch Bobby ist nicht vorsichtig, er hat es auch nicht drauf, sondern macht einen Fehler nach dem anderen. Zunächst beleidigt er den einzigen Auto­me­cha­niker im Ort, der sich daraufhin freilich wenig Mühe gibt, entge­gen­kom­mend zu sein, dann bandelt er mit Grace, der Dorf­schön­heit, an und bekommt eins auf die Nase von ihrem Ehemann. Der erste von vielen harten Schlägen, die Bobby an diesem Tag einste­cken muß. Im Super­markt gerät er in einen Überfall und wird sein gesamtes Geld los; außerdem ist ein ebenso eifer­süch­tiger wie drolliger Provinz-Dandy hinter ihm her. Selbst die Limo, die sich Bobby von seinen letzten Pennys kauft, geht ihm zu Bruch. Sean Penn spielt diesen harten Burschen, der sich mit Klei­nig­keiten abgeben muß und urplötz­lich in obskure Strei­tig­keiten verwi­ckelt ist. Bald will er nichts mehr anderes, als schleu­nigst weg aus dem Kaff.

Mit dem Haupt­dar­steller Sean Penn, der selbst im Ruf steht ein Schläger und Reak­ti­onär zu sein, leidet der Zuschauer unter dem reak­ti­onären Mief der ameri­ka­ni­schen Provinz. Penn und seine Rolle sind das solide Gerüst für den bein­harten Country-Schwank U-Turn – Kein Weg zurück, auch die anderen Darsteller, Nick Nolte, Claire Danes oder Joaquin Phoenix, sind beileibe nicht die Schlech­testen. Allein was hilfts, wenn der Regisseur Oliver Stone heißt und der albernste Angeber Holly­woods ist. Over­di­rec­ting könnte man seinen Stil nennen. Mit seinem Image als Brachial-Filme­ma­cher koket­tie­rend hat Stone seinen neuen Film – der Titel U-Turn sollte besonders treffend sein – als zwischen­zeit­liche Abkehr von den großen poli­ti­schen Skan­dal­stoffen ange­kün­digt. Ein harmloser Genrespaß sollte es werden, ein Low-Budget- und Schau­spie­l­er­film. Der Sound­track, der die ansehn­li­cheren Aspekte der Coun­try­musik wie Patsy Cline oder Johnny Cash zur Geltung bringt, lädt unüber­hörbar zum Zurück­lehnen ein, doch Stone, das Greenhorn, hält seinen lobens­werten Vorsatz, sein Ego diesmal auszu­bremsen, nur zur Hälfte ein. Weil er nach so erfolg­rei­chen wie gschaft­l­hu­be­ri­schen Werken wie Geboren am 4. Juli, The Doors oder JFK einen schlechten Ruf zu verlieren hat, kann er es nicht bei der über­sicht­li­chen Western­kon­struk­tion des Autors John Ridley, die ausrei­chend Komik und Spannung enthält, bewenden lassen, statt­dessen lenkt er partout die Aufmerk­sam­keit auf sich, seine wilden Ideen, seine hippen Kame­ra­ein­stel­lungen und Zwischen­schnitte. Ein unprä­ten­tiöser Western oder Film Noir mit Penn als verschla­genem Lümmel, Nolte als jähzor­nigem Protz und Jennifer Lopez als Biest wäre mehr als genug gewesen. Doch wahr­schein­lich blickt Stone gerade, wie so oft, in den Spiegel und sagt zu sich selbst: Du hast es einfach drauf.

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