Unknown Identity

Unknown

USA/GB/F/D/CDN 2011 · 113 min. · FSK: ab 12
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: ,
Kamera: Flavio Labiano
Darsteller: Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz u.a.
Quatsch, der großen Spaß macht

Spiel aus Hieben und Zufall

Der Biotech­no­loge Dr. Martin Harris, ein exzel­lenter Wissen­schaftler, reist gemeinsam mit seiner Frau Gina nach Berlin, um dort an einem wissen­schaft­li­chen Kongress teil­zu­nehmen. Das Paar steigt im Hotel Adlon ab, da bemerkt Harris, dass am Flughafen ein Gepäcks­tück zurück­ge­blieben ist. Er kehrt um. Auf dem Weg zurück wird Harris' Taxi in einen schweren Unfall verwi­ckelt – nur mit Glück kommt der Mann mit dem Leben davon. Erst nach vier Tagen im künst­li­chen Koma wacht er im Kran­ken­haus wieder auf – doch als er seine Identität beweisen will, scheint ihn niemand mehr zu kennen, inklusive seiner Frau, und im Hotel wohnt an ihrer Seite ein anderer Mann, ebenfalls Biotech­no­loge. Sein Name: Dr. Martin Harris!
Hat dieser Mann, der zuwenig wusste, nun sein Gedächtnis verloren, und hält sich für jemand anderen? Oder ist das alles etwa nur ein böser Traum? Oder war statt­dessen die Ankunft in Berlin geträumt? Oder ist er das Opfer einer Verschwö­rung geworden? Oder täuscht er alle, und weiß es selbst viel besser? Die Wahrheit schillert in vielen Farben und jeden­falls ist uns Zuschauern schnell klar: Nichts ist hier, wie es scheint.
Man kennt das bereits aus den klas­si­schen Psycho­thril­lern eines Alfred Hitchcock, wie deren moder­neren Geschwis­tern aus den Händen von Roman Polanski und Brian De Palma. Jetzt schickt sich der Spanier Jaume Collet-Serra an, in die Fußstapfen solcher Meister zu treten: Sein neuer Thriller Unknown Identity verbindet Spannung mit char­manter Leich­tig­keit, und hat vor allem den Vorzug, sich nicht übermäßig ernst zu nehmen – darum akzep­tiert man die hane­büchene Handlung aus Zufällen, Verschwö­rungen, Schieße­reien und Iden­ti­täts­wech­seln, bei der unter anderem auch größere Teile der deutschen Haupt­stadt Berlin in Schutt und Asche gelegt werden, sehr gern, und vergnügt sich mit den vielen Vorzügen dieses Films, der das Zeug zum modernen Klassiker hat: das angenehme Flair eines altmo­di­schen Thrillers. Damit wird Unknown Identity genau das, was Donners­marcks The Tourist gern gewesen wäre. Durch den Schau­platz Berlin wird der Film überdies zu einem wunder­baren Berlin­film, übrigens auch zu einem Anti-Sarrazin-Berlin­film, denn er zeigt sympa­thi­scher­weise einmal gute Immi­granten, vor denen keiner Angst haben muss. Die Beset­zungs­liste bringt mit den Weltstars Liam Neeson, Bruno Ganz, Diane Kruger und Sebastian Koch mit subtiler Ironie und in einer kuriosen Rollen­kon­stel­la­tion Schindler, Hitler, und die Hitler-Atten­täter Stauf­fen­berg und Bridget von Hammers­marck zusammen auf die Leinwand. Und Ganz, der hier mit Schmun­zeln und unglaub­lich viel ersicht­li­chem Vergnügen einen recht sympa­thi­schen alten Stasi-Hauptmann namens Ernst Jürgen spielt, sagt einige Sätze, die aus seinem Mund immer noch ein bisschen anders klingen: »Ich will Details«, »Ich erinnere mich an die guten alten Zeiten.«

Ansonsten ist Unknown Identity irgendwie natürlich auch ein Riesen­quatsch, aber vor allem ein klas­si­sches »Guilty Pleasure«, ein schuld­haftes Vergnügen, also ein Film, der großen Spaß macht, aber nur deshalb, weil jeder weiß, nicht zuletzt der Film und seine Macher selbst: dass man dies niemals mit großer Kunst verwech­seln kann und sollte.

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