U-571

USA 2000 · 115 min. · FSK: ab 16
Regie: Jonathan Mostow
Drehbuch: , ,
Kamera: Oliver Wood
Darsteller: Matthew McConaughey, Bill Paxton, Harvey Keitel, Jon Bon Jovi u.a.

Knarzendes Metall

Warum spricht man eigent­lich von Popcorn-Movies? Viel­leicht, weil es sich um Filme handelt, die statis­tisch gesehen, von besonders vielen Popcorn-Essern besucht werden? Weil hier – aus Lange­weile, aus Nervo­sität? – der Popcorn­ver­zehr rapide ansteigt? Oder liegt der Grund doch eher darin, dass diese Filme so hübsch poppen und ploppen, wie Popcorn, und zugleich genauso wenig Substanz haben: Ein bisschen salzig, ein bisschen süßlich – schnell vergessen sind sie allemal.

Jeder, der vor 20 Jahren Wolfgang Petersens Das Boot gesehen hat, behielt zumindest eines ins Gedächtnis: Die Atmo­s­phäre aus Enge und Stille, das laute Atmen der Mann­schaft, der regel­mäßige Ton des Echolots, die Spannung, die sich aus einer Situation ergab, und die einen plötzlich die im Prinzip nicht sonder­lich sympa­thi­sche Besatzung als Menschen erkennen ließ.

Ähnliche Effekte wollte wahr­schein­lich auch Jonathan Mostrow erzielen. Für U-571 wählt er einen intel­li­genten Einstieg: Zu Beginn verfolgt man ein deutsches U-Boot in höchster Gefahr, und auch im ameri­ka­ni­schen Original hört man hier nur deutsche Worte. Man erlebt alle bekannten Topoi des U-Boot-Films: das Wegtau­chen vor feind­li­chen Zers­tö­rern, die Angst der Besatzung, die Kommandos der Offiziere: »Fluten!«, »volle Kraft zurück!« und »auf 100 Meter Tiefe gehen«, das Knarzen der Metall­haut, die über ihre Belas­tungs­grenze bean­sprucht wird, plötzlich sprit­zendes Wasser aus einem Leck. Man kennt das alles. Aber hier immerhin erinnert man sich ein wenig an Petersens über­zeu­gende Umsetzung des Genres und erst nach über zehn Minuten wird klar, das man hier »den Bösen« bei der Arbeit zuge­schaut hat. Für einen Moment gelang Mostrow, seine Zuschauer zu einem Posi­ti­ons­wechsel zu bringen, zu zeigen, dass im Krieg die klare Täter-Opfer-Auftei­lung des Unter­hal­tungs­films nur in den seltensten Fällen etwas mit der Wirk­lich­keit zu tun hat.

Doch schnell entpuppt sich solche Perspek­ti­ven­ver­dre­hung als trüge­risch, und man erkennt, dass Mostrow (dessen respek­ta­bles Debüt mit Breakdown vor ein paar Jahren ihm nun die finan­zi­ellen Möglich­keiten gab, einen »Block­buster« zu fabri­zieren) ganz andere Absichten hegt. Martia­li­sche Musik und schicke Uniformen bringen einen auf platteste Eindi­men­sio­na­lität zurück. Mit irgend­einer Absicht zur Ausein­an­der­set­zung mit Front­wahr­neh­mungen – das immerhin hatten die sonst so verschie­denen The Thin Red Line und Saving Private Ryan gemeinsam – hat das nichts zu tun, und deswegen tut man U-571 zuviel der Ehre an, wenn man anhand dieses Einfalts-Plots über die Renais­sance des Kriegs­films in Hollywood debat­tiert. Fix schnurrt nur die bekannte Durch­schnitts-Action-Maschine: Mit einem Spezi­al­auf­trag wird ein ameri­ka­ni­sches U-Boot auf See geschickt, es gilt ein manövrier­un­fähiges deutsches U-Boot zu erobern, insbe­son­dere ist man am deutschen Geheim­code inter­es­siert. Mit an Bord sind Stars wie Harvey Keitel und Bill Paxton, als Haupt- und Iden­ti­fi­ka­ti­ons­figur soll der von Matthew McCo­n­aughey gespielte Leutnant Andrew Tyler herhalten.

Ehrgeizig und patrio­tisch wie es 08/15-Helden so an sich haben, kann er es kaum erwarten, selbst ein Kommando zu erhalten, und man darf gewiß sein, dass sich die Gele­gen­heit bald bieten wird. Alles weitere ist an den Haaren herbei­ge­zogen: Beim Kapern des deutschen U-Boots wird das US-Schiff versenkt, der über­le­bende Teil der Besatzung muss sich nun aufs feind­liche Schiff retten, und unter allerlei Gefahren und Tylers Kommando den Heimweg antreten. Mit an Bord ist auch der deutsche Kapitän­leut­nant Wassner (Thomas Kret­sch­mann), der als Hollywood-Nazi alten Schlages natürlich bis zum letzten Bluts­tropfen für den Endsieg kämpft.

Was Mostrow hier erzählt, und wie er es tut, ist ein einziges Ärgernis: Der junge Held entpuppt sich als geborener Führer, der gege­be­nen­falls das Leben der eigenen Leute opfert, um die Nation zu retten. Seine Männer müssen Gefolg­schaft und Opfer­be­reit­schaft lernen, es wird gehandelt und nicht nach­ge­fragt. Die Guten sind es durch und durch, die Schurken sind nichts außer schur­kisch; und nebenbei klaut Mostrow auch noch den briti­schen Kriegs­al­li­ierten den Ruhm, die berühmte deutsche »Enigma«-Kodier­ma­schine erobert zu haben – eine platte Geschichts­fäl­schung, die auch durch zwei rich­tig­stel­lende Sätze im Abspann nicht besser wird. Auf der Insel sorgte sie mit Recht für Zorn.

Aber wer hier überhaupt etwas glaubt, ist selber schuld. Um histo­ri­sche Wahr­heiten geht es in U-571 nämlich so wenig wie um irgend­etwas anderes – ein schlam­piger, an nichts außer schnellem Geld inter­es­sierter (die hohe Zahl an Start­kinos hat ihren Grund nur im erhofften Über­rum­pe­lungs­ef­fekt) Popcorn­film eben, der poppt und ploppt, und hoffent­lich schnell vergessen wird.

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