Trainspotting

Großbritannien 1995 · 93 min. · FSK: ab 16
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: John Hodge, Irvine Welsh
Kamera: Brian Tufano
Darsteller: Ewan McGregor, Ewen Bremmer, Jonny Lee Miller, Kevin McKidd

Renton und seine Kumpels, eine Gruppe junger Schotten, haben keine sonder­lich rosigen Zukunfts­aus­sichten. Ihr Alltag besteht aus exzes­siven Drogen­partys, Schnorren, Suff und kleinen Gaune­reien. Um ihn aus diesem Sumpf zu retten, wird Renton von seinen Eltern zur Entzie­hungskur gezwungen, wonach er sich noch ein letztes Mal auf ein krummes Ding mit seinen Freunden einläßt.

Im Pres­se­heft steht »Britpop als Film« und allerhand ähnlicher Unfug, man sollte sich davon nicht abschre­cken lassen, denn der Film kann ja nix dafür, auch wenn er sich redlich Mühe gibt, von seinem Publikum gehaßt zu werden. Die Prot­ago­nisten sind über­wie­gend mit Ekel zu betrachten; der eine ist ein komplett hirnloser Junkie, der andere ein jähzor­niger Prolo; einer macht sich bei seiner Familie lieb Kind, um sie dann anschließend wieder zu bescheißen; der nächste wiederum, ein Natur­bur­sche, der Drogen ablehnt, endet später schließ­lich doch an der Sucht. Bei derar­tigen trost­losen Unter­schichts­dramen kommt ja norma­lerweie Hoffnung auf, wenn das nette, junge Mädchen aufftaucht, doch selb st dieses erweist sich bald als erpres­se­ri­sches, kleines Aas.

So könnte der Film melan­cho­lisch sein wie Tee im Harem des Archi­medes oder penetrant aufklä­re­risch wie Kids, Filme aus den Glas­scher­ben­vier­teln von Paris und New York. Doch Train­spot­ting zeigt dem Zuschauer wesent­lich härtere Bilder und macht sich gleich­zeitig einen Spaß draus, indem er es wagt, von der detail­lierten, realis­ti­schen Darstel­lung sozialen und gesund­heit­li­chen Nieder­gangs hinüber­zu­wech­seln in absurde oder gar klau­mau­kige Szenen.

Wenn zum Beispiel Rentons Opium­zäpf­chen verse­hent­lich in die Kloschüssel geraten sind, dann wird nicht nur gezeigt, wie er im Dreck herum­kramt, damit wir alle recht betroffen sind, sondern wir sehen, wie er tatäch­lich hinein­steigt und unter­taucht, Unter­was­ser­auf­nahme inklusive. An anderer Stelle landet Spud, der Junkie, mit einem Mädchen im Bett, ist aber für die Liebe viel zu bedröhnt und scheißt im Laufe der Nacht noch ins Laken.

Da ist natürlich viel Freude am Klein­bür­ge­rer­schre­cken dabei, doch wenn es dem Zuschauer nicht zwischen­durch schlecht wird, kann er das schon lustig finden. Danny Boyle über­rascht sein Publikum, stößt es ab, versöhnt es wieder, mora­li­siert nie und schafft es doch im Verband der Versager freund­schaft­liche Wärme ausfindig zu machen.

Keine Ahnung, ob das irgendwas mit Britpop zu tun hat, man kann viel­leicht auch Punk sagen, muß man aber nicht.

Richard Oehmann

top