Transformers 3

Transformers: Dark of the Moon

USA 2011 · 155 min. · FSK: ab 12
Regie: Michael Bay
Drehbuch:
Kamera: Amir M. Mokri
Darsteller: Rosie Huntington-Whiteley, Shia LaBeouf, Hugo Weaving, Ken Jeong, Josh Duhamel u.a.
Idioten-Blockbuster-Formel als nervtötender Exzess

Warum Maschinen bluten

Michael Bay inszeniert mit Hilfe leistungsstarker Computer TRANSFORMERS 3

Die Roboter haben das Kino unter­worfen. Als teil eines bösen Plans um alle Zuschauer der Welt zu unter­werfen, haben sie alle exis­tie­renden Science-Fiction-Universen der Pop-Kultur zusam­men­ge­baut und trans­for­miert, haben George Lucas mit Steven Spielberg mit dem Herr der Ringe, mit Matrix, mit 2001 mit Star Trek, mit Babylon 5 und vielen mehr zu einer immer stärkeren Einheit verschmolzen – davon erzählen die Trans­for­mers 3.

Man muss nicht mehr darüber disku­tieren, ob die wahren Sympa­thien des Film­re­gis­seurs Michael Bay eher bei den Maschinen liegen, oder eher bei den Menschen. Es ist offen­sicht­lich, dass sich Bay, seit er Filme macht, mit der Technik und der eska­lie­renden Abschaf­fung des Mensch­li­chen iden­ti­fi­ziert, mit Bomben und Robotern, mit Kameras und Computern, dass er insofern ein genuin post­mo­derner Regisseur ist, als dass sich für ihn die Frage nach dem Tod des Subjekt gar nicht mehr stellt, weil es in seinen Filmen nie gelebt hat. Konse­quen­ter­weise erzählt der dritte Teil der TRANSFORMERS nun vor allem von Menschen, die immer maschi­nenähn­li­cher werden. Etwas über­ra­schender ist, dass es hier auch um Maschinen geht, die sich den Menschen annähern. Man kann anders gesagt, Michael Bay manchmal auch mit einer Fest­platte verwech­seln. So oder so aber ist Trans­for­mers 3 einer seiner besten Filme.

Körper umbauen, Iden­ti­täten wechseln und aufgeben, größer werden und zu immer stärkeren Einheiten verschmelzen – das sind, wenn man Paten­kin­dern Glauben schenken darf, die wesent­li­chen Essenzen der »Trans­for­mers«, jener Spiel­zeug­fran­chise, die einen, der dafür zu alt ist, am Fort­be­stand der mensch­li­chen Zivi­li­sa­tion zweifeln lässt, aber am Ende wahr­schein­lich auch nur ein neuer weh ist, mit dem sich Kinder der Welt der Erwach­senen entziehen. Die blöd­sin­nige Geschichte handelt von zwei außer­ir­di­schen Robo­ter­völ­kern, die auf der Erde getarnt leben – die Guten sind die Autobots, sie mögen Freiheit, wie die Ameri­kaner und tarnen sich als Autos – wie Ameri­kaner eben. Die Bösen sind die Decep­ti­cons. Die können fiese Toaster sein, schur­ki­sche Computer, die nicht tun, was sie sollen, oder einfach die deutsche Bahn, die mal wieder eine »Störung im Betriebs­ab­lauf« hat.

Roboter haben hier im Gegensatz zu Menschen Gesichts­aus­drücke und bluten dunkel­rotes Öl. Einer der neuen Roboter heißt Rosie Huntington-Whiteley. Er ist ziemlich schlecht getarnzt als briti­sches Unter­wä­sche­model und gut erkennbar an seinem sterilen Gehabe. Weil das digital ist, kann es uns nicht weiter beun­ru­higen, aber eben auch nicht faszi­nieren.

Die eigent­lich inter­es­sante Frage ist hier also nicht, ob Bays Sympa­thien eher bei den Maschinen liegen, sondern bei welchen Maschinen? Sie stellt sich gerade in Trans­for­mers, handelt das Ganze doch gar nicht so sehr vom Kampf der Maschinen gegen die Menschen, sondern vom Kampf der Maschinen gegen­ein­ander. Die Antwort auf diese Frage ist wahr­schein­lich, dass Bay selbst nicht so genau weiß, ob er sich mit einem Deception iden­ti­fi­ziert, der die Zivi­li­sa­tion mithilfe der Technik unter­werfen will, oder doch eher ein Autobot, der sie verbes­sert, und sich letzt­end­lich als Diener des Mensch­li­chen sieht.

Man muss Michael Bay nicht mögen (wer mag schon Michael Bay?), aber man muss ihn wohl doch akzep­tieren. Michael Bay ist wie seine Fans: Grob, vulgär, dumm, reak­ti­onär; Bay liebt das Militär, und er liebt Amerika in seiner dümmsten, geschmack­lo­sesten, reak­ti­onärsten Variante, er liebt George W. Bush, und er scheut sich nicht davor, schlechte Witze über 9/11 zu machen.

Aber manchmal ist er eben auch einfach ein Begeis­terter, der uns etwas zeigen möchte, ein Bild­wis­sen­schaftler des Kinos, ein Filme­ma­cher, der die Idioten-Block­buster-Formel aus reiner Lust derart über­treibt, dass plötzlich Auto­ren­kino draus wird. Ein inko­he­renter, nerv­tö­tender Exzess, der aber eine ganz eigen­sin­nige Film­sprache hat: Ein Bay-Film erkennt man immerhin auch auf große Entfer­nung.

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