That Thing You Do!

USA 1996 · 107 min. · FSK: ab 6
Regie: Tom Hanks
Drehbuch: Tom Hanks
Kamera: Tak Fujimoto
Darsteller: Tom Everett Scott, Liv Tyler, Tom Hanks, Johnathon Schaech, Steve Zahn, Ethan Embry u.a.

1964

Eine Schall­platte der Firma Capitol dreht sich auf dem Plat­ten­teller, einer Firma die in den Fünziger und frühen Sechziger jahren führend war in der Verbrei­tung biederer Schla­ger­musik. Zu diesem Sound­track sieht man Guy Patterson (Tom Everett Scott) im Laden seiner Eltern werkeln, nach Feier­abend jedoch darf Guy den Wilden spielen und im Keller zu Jazzmusik Schlag­zeug üben.

Doch aus einer ganz anderen Musik­rich­tung winkt ihm recht bald die Rettung aus dem klein­s­täd­ti­schen Muff. Aushilfs­weise wird er ange­heuert, bei einem Talent­wett­be­werb mit einer Beat-Band zu trommeln. Das ursprüng­lich eher lahme Stück »That thing you do«, kompo­niert vom Grup­pen­mie­se­peter Jimmy, wird von Guy beim Auftritt viel zu schnell einge­zählt, sodaß eine ansehn­liche Tanz­nummer draus wird. Urplötz­lich wird er nun zum coolen Drummer einer Hitband, die zusam­men­ge­setzt ist aus dem zickigen Jimmy, einem labernden Blödmann an der Gitarre und einem naiven Bassisten, der lieber zum Bund gehen möchte. Die Big-time-Operators der lokalen und natio­nalen Branche ziehen die »Wonders« beiseite, um ihnen den Weg zum großen Durch­bruch zu leuchten, schon sieht man sie als Amerikas Antwort auf die Beat­le­mania am Musik­himmel aufsteigen, doch das Scheitern des Wunders ist vorpro­gram­miert. Kurz vor ihrer ersten Plat­ten­auf­nahme verkracht sich der mißtraui­sche Jimmy sowohl mit seiner Freundin Faye (Liv Tyler) als auch mit dem Manager White (Tom Hanks), und die Karriere ist gach gestoppt.

Mitten in Kali­for­nien gerät Guy also nun mit seinem Lebens­lauf ins Stolpern, doch er fällt recht sanft, denn es bleibt ihm ja noch Faye und eine zweite, beschei­de­nere Chance als Jazzer. Und Jazzen wollte er ja eigent­lich von Anfang an.

Die Erst­lings­werke von lang­jäh­rigen Star­schau­spieler als Regisseur geraten für gewöhn­lich etwas persön­li­cher, so auch bei Tom Hanks. Wenn man liest, daß Hanks einen Großteil sowohl der Beat- als auch der Jazz­num­mern des Sound­tracks mitkom­po­niert hat und wenn man Tom Everett Scott sieht in seiner sehr tom-hank­si­schen Rolle des Jungen, der nicht recht weiß, wie ihm geschieht, dann kann man sich leicht die einstigen Träume des zwei­fa­chen Oskar­p­reis­trä­gers ausmalen, zumal er ja auch das Buch geschrieben hat. Er selbst bescheidet sich damit, in der Neben­rolle des super­prag­ma­ti­schen Managers zu glänzen, und auch die anderen Figuren hat er präzise besetzt. Liv Tyler beweist sich hier erneut als Pin-Up-Girl der Feuille­tons; Hans Schif­ferle von der SZ ist bestimmt schon sauber verknallt.

Auf charmante Weise zeigt der Film das aufge­kratzte Amerika der Beatles-Ära mit seinen vergrinsten Fenseh-Shows und seinen arbeits­auf­wen­digen Frisuren; die herkömm­liche Musik­ka­pel­len­story bringt keine allzu neuen Aspekte, muß sie ja auch nicht, denn sie ist zwar vorher­sehbar aber nett. Dem Genre entspre­chend wendet sich das vermeint­liche Scheitern im Big Business zum eigent­li­chen Gewinn für die Prot­ago­nisten. Guy Patterson strebt sogleich unverzagt zu neuen Ufern, Forrest hätte sich auch nicht lang verdrießen lassen. Und so wie sich Guy zufrieden gibt mit der unspek­ta­ku­lä­reren Lösung, so nimmt auch Hanks den Mund nicht zu voll mit That Thing You Do!

»This way it's poetry« hieß es gegen Ende bei den Commit­ments.

Genau.

Und wenn nicht, macht's auch nichts.

Richard Oehmann

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