Tage und Wolken

Giorni e nuvole

Italien/CH 2007 · 119 min. · FSK: ab 12
Regie: Silvio Soldini
Drehbuch: , , ,
Kamera: Ramiro Civita
Darsteller: Margherita Buy, Antonio Albanese, Giuseppe Battiston, Alba Rohrwacher u.a.
Kein Urlaub: Michele und Alba finden sich auf der Straße wieder

Was bleibt, wenn man alles verliert

Waren Brot und Tulpen noch fassbare Dinge, die Regisseur Silvio Soldini in Pane e tulipani aus dem Jahr 2000 zum Titel erhob, ist das Begriffs­paar im Titel seines neuen Films nun um vieles schwerer greifbar, fast ein bisschen uner­reichbar, wie es scheint: Tage und Wolken (Giorni e nuvole) handelt nicht mehr von der roman­ti­schen ersten Begegnung, von dem zarten Beginn einer Liebes­ge­schichte. Vielmehr beschreibt der Regisseur hier die Probleme einer Beziehung in einer ihrer schwersten Zeiten.

Es ist die Geschichte von Elsa (Marg­he­rita Buy) und Michele (Antonio Albanese), einem von Erfolg geseg­neten Paar: Er arbeitet als Geschäfts­führer einer Spedition, sie hat gerade erfolg­reich ihren Doktor­titel in Kunst­ge­schichte erworben. Außerdem hilft Elsa begeis­tert bei der Reno­vie­rung eines alten Decken­ge­mäldes. Gemeinsam besitzen sie: Eine beacht­liche Altbau­woh­nung. Eine Segel­yacht im Hafen. Eine erwach­sene Tochter, Alice (Alba Rohr­wa­cher). Viele Freunde. La vita è bella! Doch dann bringt eine Nachricht Micheles all die gesell­schaft­li­chen Fassaden zu Fall: Er ist bereits seit 2 Monaten arbeitslos, aus der Firma verdrängt von seinen Geschäfts­part­nern. Von nun an müssen die beiden sich auf einen völlig anderen Lebens­stil einstellen. Die Wohnung und das Boot müssen verkauft und eine neue Arbeit gefunden werden. Doch obwohl Michele auf unzäh­ligen Vorstel­lungs­ge­sprächen vorspricht, will sich einfach nichts neues finden. Um nicht das Gesicht zu verlieren, versuchen Elsa und Michele zunächst, den Schein zu wahren und vertrauen sich weder ihrer Tochter noch ihren Freunden und Bekannten an. Klar, dass das nicht lange aufrecht erhalten werden kann.

Mit der neuen Situation gehen Elsa und Michele völlig unter­schied­lich um. Während Elsa sich den Problemen stellt und gleich zwei Jobs übernimmt – tagsüber arbeitet sie in einem Call-Center und abends als Sekre­tärin –, machen Michele die ernüch­ternden Bewer­bungs­ge­spräche und das erdrü­ckende Warten und Nichtstun so zu schaffen, dass er sich mehr und mehr in seine Unzu­frie­den­heit und Hoff­nungs­lo­sig­keit zurück­zieht.

Bei Geld hört ja bekann­ter­maßen die Freund­schaft auf. Dieses Thema kommt auf, als Michele einen Freund um Geld bittet, das dieser ihm seit langem schuldet. Ohnehin bereits eine ziemlich peinliche Situation für Michele, verschlim­mert sie sich noch, als der andere behauptet, er habe ihm das Geld bereits zurück­ge­geben.

Ein wenig zu idea­lis­tisch ange­sichts der Entfrem­dung zwischen Elsa und Michele wirkt der Schluss: Alle inner­fa­mi­liären Konflikte werden gelöst. Es folgt die Erkenntnis darüber, dass doch immer etwas bleibt, auch wenn man alles verliert. Unter dem wunder­schönen, nun fertig reno­vierten Decken­ge­mälde finden die beiden wieder zuein­ander.

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