Die Story von Monty Spinnerratz

D/USA 1997 · 95 min. · FSK: ab 0
Regie: Michael F. Huse
Drehbuch: ,
Musik: Frédéric Talgorn
Kamera: Piotr Lenar

Die Story von Monty Spinnerratz

oder: Wie die Augsburger Puppenkiste nach Amerika kam

Rechmann: Na, Willmann, schon gehört, daß die Augs­burger Puppen­kiste einen Kinofilm gemacht hat?

Willmann: Nicht nur gehört, Rechmann, sondern sogar schon gesehen!

Rechmann: Natürlich, – waren wir ja zusammen drin..
Willmann: Erinnern Sie mich nicht daran.
Rechmann: Und was bedeutet das jetzt für Sie, Willmann, groß geworden im Lummer­land?
Willmann: Ein weiteres Zeichen dafür, daß das Ende naht; und für Sie, Rechmann?
Rechmann: Nun, zuerst einmal hab ich mich ja gefreut, aber dann war da einfach keine Insel mit zwei Bergen...
Willmann: ...richtig, sondern New York...
Rechmann: ... und das auch noch als Real­ku­lisse...
Willmann: ... und mit echten Schau­spie­lern, die char­gieren, als nahte das Ende.
Rechmann: Und noch störender als die Mischung Puppen und Schau­spieler, sind die sonder­baren Compu­ter­ef­fekte, die so gar nicht zu den hölzernen, an sicht­baren Fäden hängenden Mario­netten passen wollen.
Willmann: Was soll man viel sagen, außer: echtes Wasser statt wabernder Plas­tik­folie.
Rechmann: Ja, furchtbar; wie damals, bei meinem ersten Urlaub am Meer, als ich enttäuscht das dreckige Naß betrach­tete und mich nach dem echten Ozean aus der Puppen­kiste sehnte.
Willmann: Ja, damals, 68... .
Rechmann: Soll aber jetzt nicht so klingen, als ob hier zwei alte Säcke über den Untergang des Abend­landes lamen­tieren...
Willmann: ...aber es wäre schon viel leichter zu akzep­tieren, daß man sich für diesen Film von der gewohnten Puppen­kis­tenäs­t­hetik entfernt, wenn wenigs­tens die Story funk­tio­nieren würde..
Rechmann: Ach ja, die Story – Lassen Sie uns kurz zusam­men­fassen:

In der Kana­li­sa­tion unter New York leben – wer hätte das gedacht – fröhliche Ratten. Aber im Hafen­viertel wird die Idylle gestört: der böse Spekulant Dollart will hier ein riesiges Parkhaus errichten und versprüht deshalb extrastarkes Ratten­gift. Der junge Außen­seiter Monty Spin­ner­ratz erweist sich als die letzte Hoffnung der Ratten. Doch bevor es zum Happy End im Central Park kommt, sind für Monty viele Abenteuer zu bestehen, die ihn der schönen (?) Isabella Nobelratz näher bringen, zum Kunst­handel mit einer mensch­li­chen Gale­ristin führen, mystische Muscheln an ihren mysti­schen Bestim­mungsort zurück­kehren lassen, und vieles Weiteres mehr...

Willmann: ...was ja ganz nett, spannend und phan­ta­sie­voll klingt, im Film aber nur konfus und beliebig wirkt.
Rechmann: Genau! Der ganze Film weiß nicht so recht, wo er hin will; mal sind 100.000 Dollar die ange­strebte Lösung der Ratten-Probleme, mal eine heilsame Wunder­pflanze; mal scheint die Gefahr vom Gift, mal vom stei­genden Abwasser auszu­gehen, etc.
Willmann: Und da der Film sich auch nicht so recht entscheiden kann, was seine Moral sein soll, bekommen wir gegen Ende 20 Minuten lang eine Predigt nach der anderen.

Rechmann: Aber es gibt natürlich auch positive Aspekte zu vermerken. So werden sich z.B. alle Kids ganz besonders freuen, daß in einer mensch­li­chen Haupt­rolle Lauren Hutton zu sehen ist – wer im Alter von 6 liebt nicht American Gigolo oder Gator ...
Willmann: ... Ja, Rechmann, ich bin sicher, daß die ameri­ka­ni­schen Kinder ganz begeis­tert sein werden von der idyl­li­schen Darstel­lung des New Yorker Hafen­vier­tels und in Zukunft zu hunderten ihren Zelt­la­ger­ur­laub in dieser roman­ti­schen Umgebung verbringen wollen.
Rechmann: Bestimmt Willmann, bestimmt.
Willmann: Viel­leicht wird der Film ja trotz unserer Unkenrufe ein großer Erfolg, und dann dürfen wir uns auf die Fort­set­zung freuen...
Rechmann: ... in der hoffent­lich das wunder­same Verschwinden von 150.000 Dollar in den Taschen des Ratten­prä­si­denten von einem Unter­su­chungs­aus­schuß aufge­klärt werden wird.

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