Der rote Punkt

Deutschland/Japan 2008 · 82 min. · FSK: ab 0
Regie: Marie Miyayama
Drehbuch: ,
Kamera: Oliver Sachs
Darsteller: Yuki Inomata, Hans Kremer, Orlando Klaus, Imke Büchel, Nahoko Fort u.a.
Allein in der Fremde

Bayerische Japanerin

Eine tolle Haupt­dar­stel­lerin, eine inter­es­sante Kamera und eine gute Ausgangs­idee – das sind die Plus­punkte in Der Rote Punkt, Marie Miyayamas Abschluss­film an der Münchner Film­hoch­schule (HFF).
Der Film handelt von einer Spuren­suche im fremden Land. Die japa­ni­sche Studentin Aki weiß, dass ihre Eltern vor 18 Jahren in Deutsch­land bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Und obwohl ihr die Adop­tiv­el­tern und ihr Freund abraten, macht sie sich von Japan aus ganz alleine auf die Suche nach den Spuren dieses Verlustes im Ostallgäu. Auf einer vergilbten Landkarte ist mit einem roten Punkt eine bestimmte Stelle markiert. Der Unfallort viel­leicht oder die Stelle, an der Akis Familie ihre letzte Ruhe in fremder Erde gefunden hat. Das ist ihr einziger Anhalts­punkt. Doch schon die ersten Menschen, die ihr begegnen, haben anschei­nend mit den dunklen Geheim­nissen der Vergan­gen­heit zu tun. In der örtlichen Poli­zei­dienst­stelle wird gerade der gleich­alt­rige Elias vernommen, der wieder einmal wegen seiner noto­ri­schen Motor­rad­ra­serei fest­ge­nommen worden ist. Es stellt sich heraus, dass sich Akis Ziel ganz in der Nähe des Hauses von Elias Familie befindet. Dort – mitten im Wald – wird sie vom Vater des Jungen abgesetzt. Doch wenig später setzt Regen ein und Aki sucht eine Unter­kunft für die Nacht, die sie bei den Wagners findet.
Wenige Tage später findet sie den Gedenk­stein, der an den Tod ihrer Eltern erinnert, den sie damals als kleines Kind miterlebt hatte. Zugleich gerät sie mitten hinein in einen Fami­li­en­kon­flikt zwischen Vater und Sohn, hinter dem mehr zu stecken scheint als nur aktuelle Miss­ver­s­tänd­nisse. Aki redet nur rudi­men­täres Deutsch. Bald sehen auch wir die deutsche Wirk­lich­keit mit fremden Augen in dieser Studie über das Erwach­sen­werden und über Schuld und Vergebung und die Magie der Orte, an denen sich unser Leben wendet.

Die ersten Minuten des Films, die in Japan spielen beginnen überaus stimmig mit poeti­schen Bildern innerer Einsam­keit. Doch erst einmal in Bayern ange­kommen, spürt man, dass die Autorin fremdelt. Alles wirkt distan­ziert, steif und klischiert – ein Eindruck der durch das leider oft einfach dilet­tan­ti­sche und schlechte Spiel einiger Darsteller noch verstärkt wird. Klischee ist auch die Haupt­figur, die egal, was auch passiert, immerzu sanft­mütig, »asiatisch« gelassen wirkt. Hinzu kommt, dass das notge­drungen geringe Budget dem Film leider anzusehen ist. Die Bilder sind stel­len­weise einfach nicht kino­t­aug­lich. Miyayama gibt sich viel Mühe, aber Mühe allein genügt leider nicht.

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