Ein perfekter Mord

A Perfect Murder

USA 1998 · 107 Minuten · FSK: ab 12
Regie: Andrew Davies
Drehbuch: ,
Kamera: Dariusz Wolski
Darsteller: Michael Douglas, Gwyneth Paltrow, Viggo Mortensen, David Suchet u.a.

Geld statt Gefühl

Andrew Davis nicht-perfektes Hitchcock-Remake

Jedes Remake eines Alfred Hitchcock-Films ist per se eine riskante Sache. Ande­rer­seits ist Mut etwas Sympa­thi­sches, und grund­sätz­lich unter­sagen sollte man derartige Ansichten auf keinen Fall. Erst recht nicht bei einem Remake von Dial M For Murder, einem Film, der alles in allem nicht zu des Meisters besten Werken zählt.

Schon Sir Alfred selbst schien im Rückblick nicht wirklich begeis­tert von der Verfil­mung eines Thea­ter­stücks, die trotz seiner List und Tücke und der Besetzung der Haupt­figur mit einer großar­tigen Grace Kelly zwar zu einem Publi­kums­er­folg wurde, aber im Rückblick statisch und träg wirkt, unfil­misch eben.

Kellys Leistung ist der Grund, warum die alte Fassung funk­tio­niert: Wunderbar unschuldig verkör­pert sie eine ungetreue Ehefrau, also einen gar nicht so unschul­digen Menschen, auf deren Seite sich jeder Zuschauer dennoch spätes­tens in dem Moment schlägt, als ihr Ehemann ihre Ermordung in Auftrag gibt.

Diesen Plot übernahm Andrew Davis. Mit seinem bishe­rigen Schaffen hat er noch keine Film­ge­schichte gemacht, und auch mit A Perfect Murder, mit dem er sich die Latte derart hoch gelegt hat, daß er bequem drunter durch­schreiten kann, wird ihm das wohl nicht beschieden sein. Denn genau das Schlimmst­mög­liche geschieht: Bis zum Ende fragt man sich, warum dieses Remake überhaupt gedreht wurde.

Absolut nichts Eigenes fügt Davis hinzu, wenn man von diversen Yuppie-Accecoirs absieht, die er wohl für wahn­sinnig zeit­geistig hält. Und genau das, was bei Hitchcock am Inter­es­san­testen war, läßt er weg, oder verschenkt es: Etwa der zentrale Moment, an dem der gedungene Mörder die junge Emily (Gwyneth Paltrow) atta­ckiert: Schnell ist alles vorbei, unspek­ta­kulär und kalt wird es insze­niert.
Zuvor schon beschreibt Hitchcock eindring­lich die Atmo­s­phäre dieser Ehe, eines düsteren, öden Alltags, der nur Mord als Ausweg zuläßt, nach der Tat dann das wachsende Mißtrauen zwischen den Gatten.

Erst dieser letzte Teil funk­tio­niert auch bei Davis zumindest halbwegs. Zuvor aber bleibt nur die Ausstat­tung im Gedächtnis: die Houte-Couture Kleider, die an Gwyneth Paltrow wunderbar aussehen, und das Appar­te­ment, in dem beide leben.
Alles andere kann man im Grunde vergessen: Keinen Moment entwi­ckelt der Film Suspense, und die Figuren sind leblose 08/15-Stero­typen, die gelang­weilt gespielt werden. Dabei könnte die ansonsten bekannte Geschichte zumindest den Sinn haben, zwei gute, immer wieder gern gesehene Schau­spieler zu Höchst­leis­tungen zu kitzeln. Douglas und Paltrow agieren bei Davis aber so unmo­ti­viert, wie man sie noch nie gesehen hat. Blasiert glotzen sie über New Yorks Dächer, stol­zieren im Yuppie-Outfit durch ihre 500 Quadrat­meter Appar­te­ments, was alles ja noch akzep­tabel wäre, wenn irgendein drama­tur­gi­scher Sinn dahin­ter­s­tünde.
Gwyneth Paltrow wirkt nicht wie eine frus­trierte, gede­mü­tigte Enttäuschte, sondern nur wie eine verwöhnte Schnepfe, die dem Zuschauer von Anfang bis Ende wursch­tegal ist. Auch das -obwohl unklug für die Charak­te­ri­sie­rung einer »Heldin«- könnte noch inter­es­sant sein, wenn Davis plausibel machen wollte: Im Prinzip ist Emily genauso eine kalte Bitch, wie ihr Mann.

Ansätze dazu gibt es tatsäch­lich: Denn das Mordmotiv des Gatten Steven ist reine Gier. Der Börsen­makler, der geschäft­lich am Abgrund manövriert, will die Kohle seiner Frau. Michael Douglas ist noch das Beste an dem Film, obwohl er seinen Part als Bösewicht auf Knall­char­gen­ni­veau spielt, eine Karikatur seiner Rollen in Wall Street und The Game.
Im Vergleich zu Hitch­cocks Original aus einer Zeit, die offenbar zu (schein-)moralisch war, um Gatten­mord aus Geldgier denken zu wollen, geht es hier nur um Mate­ri­elles. Liebe, das lernt man, kann Geld nicht ersetzen, und guter Sex schon gar nicht. So schaut's halt aus, nicht erst unter der Herr­schaft des Neoli­be­ra­lismus.
Insofern ist Steven auch kein enttäuschter Liebhaber, sondern ein Busi­nessman, der auf verän­derter Geschäfts­grund­lage agiert.

A Perfect Murder retten solche inter­es­santen Ansätze nicht, denn der Film macht nichts daraus. Blutleer spult der Film seine Geschichte ab, immer lang­weilig, manchmal kaum anzusehen. Es hilft auch wenig, wenn man Hitch­cocks Vorbild noch nicht einmal aus dem TV kennt, denn mit Hitchcock hat das alles nicht zu tun.
Wie man einen 90er Jahre Thriller im Geist von Hitchcock machen könnte, hat gerade David Mamet vorge­führt. Weit entfernt von Perfek­tion zeigt ein Vergleich von The Spanish Prisoner und A Perfect Murder doch besser als jede Kritik, woran Davis scheitert.

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