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GB/USA 1999, 97 Minuten · FSK: ab 0 |
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Politische Erpressung, Insidergeschäfte, die Macht der Presse und der Liebe, die schwarzen Kassen des Gewissens – in manchem kommt einem Oscar Wildes Stück »An Ideal Husband« (1895) heute nur zu bekannt vor. Einmal mehr erweist sich Wilde in ähnlicher Weise wie Shakespeare als zeitlos und zeitgemäß zugleich. Die dramatisch-freche Komödie hat fast alles, was von einem guten Drehbuch verlangt werden darf: spannende Handlung, Figuren, die vom ersten Augenblick an unsere Anteilnahme haben, Dialoge, die in machiavellisitischem Witz, in Eleganz und Geist den großen Screwball-Filmen der 30er und 40er – nach wie vor Ideal dieser Gattung – gleichkommen. Regisseur Oliver Parker hat Wildes Stück im Wesentlichen erhalten, inklusive vieler brillianter Dialogpassagen, zugleich hat er es filmischer gemacht. Herausgekommen ist eine unwiderstehliche Mischung aus Kostümfilm und zeitgemäßem Melo, geprägt von leichtem Plauderton und beherrscht von durchweg großartigen Schauspielern. Hervorzuheben sind Rupert Everett (Lord Arthur Goring), der für seine Brillianz längst eine Oscarnominierung verdient hätte und Jeremy Northam. Und im Blick auf doppelsinnige Gescheitheit der Dialoge und der Charakterbearbeitung gab es 1999 kaum Besseres.
Was fehlt, liegt in der Natur eines Theaterstücks: Die wortlastige Story spielt nahezu ausschließlich in Innenräumen und Salons; bildkräftige Umsetzungen läßt sie kaum zu. Bei aller Leichtigkeit stößt die Kamera am schweren Holz der getäfelten Räume an ihre Grenzen.
Was bleibt sind eine unwiderstehliche Einfachheit, herrliche Bonmots und eine kluge Geschichte zwischen universalen Wahrheiten und Sozialstudie, ein Plädoyer gegen übertriebene Moralpredigten und für die lebenskluge Einsicht, dass keiner eine völlig weiße Weste hat. Auch nicht unaktuell.