Ein perfekter Ehemann

An Ideal Husband

GB/USA 1999 · 97 min. · FSK: ab 0
Regie: Oliver Parker
Drehbuch:
Kamera: David Johnson
Darsteller: Rupert Everett, Julianne Moore, Cate Blanchett, Minnie Driver u.a.

Unwiderstehliche Einfachheit

Zeitlos und zeitgemäß: Parkers Wilde-Verfilmung

Das Leben ist aufre­gender mit Moral. Besonders wenn man wie Lady Gertrude (Cate Blanchett) eine tadellose Existenz in der briti­schen Ober­klasse führt, können ein paar Tugenden nicht schaden, um ein wenig Aufregung ins vorher­sehbar dahin­plät­schernde Salon­leben zu bringen. Als eines Tages Gertrudes Mann Sir Robert (Jeremy Northam), ein aufstre­bender Politiker einem Erpres­sungs­ver­such ausge­setzt wird, ist es soweit, und der ideale Gatte kommt unter den Idea­li­sie­rungen seiner geliebten Frau in erheb­liche Schwie­rig­keiten...

Poli­ti­sche Erpres­sung, Insi­der­ge­schäfte, die Macht der Presse und der Liebe, die schwarzen Kassen des Gewissens – in manchem kommt einem Oscar Wildes Stück »An Ideal Husband« (1895) heute nur zu bekannt vor. Einmal mehr erweist sich Wilde in ähnlicher Weise wie Shake­speare als zeitlos und zeitgemäß zugleich. Die drama­tisch-freche Komödie hat fast alles, was von einem guten Drehbuch verlangt werden darf: spannende Handlung, Figuren, die vom ersten Augen­blick an unsere Anteil­nahme haben, Dialoge, die in machia­vel­li­si­ti­schem Witz, in Eleganz und Geist den großen Screwball-Filmen der 30er und 40er – nach wie vor Ideal dieser Gattung – gleich­kommen. Regisseur Oliver Parker hat Wildes Stück im Wesent­li­chen erhalten, inklusive vieler bril­li­anter Dialog­pas­sagen, zugleich hat er es filmi­scher gemacht. Heraus­ge­kommen ist eine unwi­der­steh­liche Mischung aus Kostüm­film und zeit­ge­mäßem Melo, geprägt von leichtem Plau­derton und beherrscht von durchweg großar­tigen Schau­spie­lern. Hervor­zu­heben sind Rupert Everett (Lord Arthur Goring), der für seine Brillianz längst eine Oscar­no­mi­nie­rung verdient hätte und Jeremy Northam. Und im Blick auf doppel­sin­nige Gescheit­heit der Dialoge und der Charak­ter­be­ar­bei­tung gab es 1999 kaum Besseres.
Was fehlt, liegt in der Natur eines Thea­ter­stücks: Die wort­las­tige Story spielt nahezu ausschließ­lich in Innen­räumen und Salons; bild­kräf­tige Umset­zungen läßt sie kaum zu. Bei aller Leich­tig­keit stößt die Kamera am schweren Holz der getä­felten Räume an ihre Grenzen.

Was bleibt sind eine unwi­der­steh­liche Einfach­heit, herrliche Bonmots und eine kluge Geschichte zwischen univer­salen Wahr­heiten und Sozi­al­studie, ein Plädoyer gegen über­trie­bene Moral­pre­digten und für die lebens­kluge Einsicht, dass keiner eine völlig weiße Weste hat. Auch nicht unaktuell.

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