Othello

USA/GB 1995 · 123 Minuten · FSK: ab 12
Regie: Oliver Parker
Drehbuch:
Kamera: David Johnson
Darsteller: Laurence Fishburne, Irène Jacob, Kenneth Branagh, Nathaniel Parker u.a.

Nach fast vier­hun­dert Jahren »Othello«, nach hundert Jahren Film­ge­schichte, darunter Versionen von Orson Welles und Laurence Olivier, nun die erste Verfil­mung, in der ein Schwarzer die Rolle des Schwarzen spielt.

Othello (Laurence Fishburne), der maurische Ober­be­fehls­haber der vene­zia­ni­schen Truppen, ernennt seinen treuen Unter­ge­benen Cassio (Nathaniel Parker) zu seinem ersten Offizier. Dies weckt den Neid Jagos (Kenneth Brannagh), der auf den Posten speku­liert hat und nun, unter dem Deck­mantel der guten Freund­schaft – Othello den Floh ins Ohr setzt, Desdemona, seine frisch­an­ge­traute Frau (Irène Jacob), würde ihn mit Cassio betrügen. Jago spinnt sein Intri­gen­netz nach und nach immer enger, bis schließ­lich Othello im Wahne der Eifer­sucht seine geliebte Desdemona ermordet.

Zu befürchten war ja, daß es dem armen Shake­speare-Stück so ergeht, wie in den letzten Jahren so manch netter alter Geschichte, die im Zuge der planlosen Neunziger ihrer ulti­ma­tiven, bombas­ti­schen Endver­sion zugeführt wurde; man denke da an die lieblosen Heissa-Hoppsa-Filmchen Robin Hood und Die drei Muske­tiere oder an über­la­denes Geschmarre wie Coppolas Dracula und Kenneth Brannaghs Fran­ken­stein mit ihren virtuosen, aber hirn­ver­brannten Farb­kom­po­si­tionen, Kame­ra­fahrten und Über­blen­dungen.

Oliver Parker, der Regisseur des neuen Othello ist, so scheint's, weder speku­la­tiver Weich­spüler noch ehrgei­ziger Mastur­bant, sondern er zeigt seinem Stoff gegenüber Respekt. Denn obwohl er es auch mal gerne krachen läßt, wenn liter­weise lecker Kunstblut strömt oder die Celli unheils­schwanger schrum­meln, so fügt er dem Stück doch kaum mehr hinzu, als ein guter Krimi braucht, und läßt ansonsten den Schau­spie­lern nicht nur genügend, sondern durch die hohe Zahl an Groß­auf­nahmen mitunter sogar sehr viel Raum, ihr Können zu beweisen. Vor allem der Einsatz der subjek­tiven Kamera für Jagos intri­gantes Beiseite-sprechen ist ein kleiner, doch wirkungs­voller Kunst­griff.

Kenneth Brannagh, der alte Angeber, der dabei so richtig vom Leder ziehen darf, sollte sich also für seine nächste Regie­ar­beit (Omeiomei: Hamlet) von Parker inspi­rieren lassen zu einer Shake­speare-Darbie­tung ohne allzu viel inter­pre­ta­to­ri­schen und insze­na­to­ri­schen Schnick­schnack.

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