Nur aus Liebe

Deutschland 1996 · 100 min. · FSK: ab 16
Regie: Dennis Satin
Drehbuch:
Kamera: Jörg Widmer
Darsteller: Katja Riemann, Hannes Jaenicke, Heinz Hoenig, Daniela Lunkewitz u.a.

Falls Sie sich entscheiden sollten, in Dennis Satins Nur aus Liebe zu gehen, sind einige Vorbe­rei­tungen nötig: zunächst sollten Sie Ihre Russisch­kennt­nisse auffri­schen, denn der erste Teil des Films ist ohne Unter­titel in russi­scher Sprache gehalten. Dann sollten Sie in Kunst­aus­stel­lungen und Katalogen nach einem Bild von Marc Chagall suchen, auf dem ein sitzender Mann und ein Engel abge­bildet sind; viel­leicht finden Sie dann eine alle­go­ri­sche Erklärung für einige Hand­lungs­ab­schnitte. Zum letzten macht sich eine komplette Wieder­ho­lung der »MacGyver« und »A-Team« Serials, sowie der Gesamt­aus­gabe von Karl Mays Aben­teuern mit Kara Ben Nemsi / Old Shat­ter­hand bestimmt gut, dann wissen Sie, wie man aus ein paar Drähten eine Falle am Fenster baut und wie man sich moralisch auf Mord und Totschlag vorbe­reitet.

Es ist leicht zu erraten, Nur aus Liebe ist keine reine Liebes­schnulze (dauert es doch 54 Minuten bis zum ersten Kuß) auch kein Neuer-Deutscher-Katja-Riemann-Film, eher ein Action­krimi ameri­ka­ni­scher Bauart. Da sind die ganz bösen, die in Moskau ein Atomlabor über­fallen (etwa 10 Tote), waffen­fähiges Cäsium klauen und dieses nach Berlin schmug­geln (2 Tote). Dann gibt es die mittel-bösen, die durch vorge­täuschte Unfälle die Trumpf­karten verteilen, oder die, wie Ellas Mitbe­woh­nerin Carmen (Daniela Lunkewitz), den Diebstahl eines Koffers voller Geld auf dem Wohn­zim­mer­tisch als Mundraub betrachten. Auch die mittel-guten sind vertreten: in den Haupt­rollen finden sich die Taxi-Fahrerin Ella (Katja Riemann), die für den Mafia-Aussteiger Aleksej (Hannes Jaenicke) auch mal zur Waffe greift und eben jenen, der den Caesi­um­ver­kauf an den Irak zwar vereitelt, aber die Millionen dennoch gerne aus der Fami­li­en­kasse abzweigt. Die ganz guten kommen eigent­lich nicht vor, was eher realis­tisch als ameri­ka­nisch ist. Nur beim Showdown (4 Tote) zeigt sich unsere Polizei, die mit ihren sauberen grünen Uniformen dann doch etwas harmlos wirkt, wenn man in solchen Szenen die Schwarzen Sheriffs aus New York gewohnt ist.

Action ist die Währung, mit der die Leute ins Kino gelockt werden sollen. Da wird auch manches geboten: explo­die­rende, rasende und massen­ka­ram­bo­lie­rende Autos, diverse tech­ni­sche Einzel­heiten über Hand­feu­er­waffen, Mafia-, Taxi­fahrer- und Frauen-Ehre.

Erwarten Sie also spannende Unter­hal­tung ohne störenden Hinter­grund.

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