Mulan

USA 1998 · 88 min. · FSK: ab 0
Regie: Tony Bancroft, Barry Cook
Drehbuch: , ,  u.a.
Musik: Jerry Goldsmith, Matthew Wilder, David Zippel

Weih­nachten steht vor der Tür keine Frage, da kann der neue Disney­film nicht weit sein. Zum beacht­li­chen 36. Mal bringt die US-ameri­ka­ni­sche Trick­film­firma eine abend­fül­lende Animation heraus, bei der es wie gewohnt um Gut und Böse geht, doch anstelle des alten Grie­chen­lands oder Persiens, lädt sie uns auf eine Reise ins entfernte kaiser­liche Reich der Mitte ein. Auf der volks­tüm­li­chen chine­si­schen Legende von Hua Mu Lan basierend, erzählt Mulan ein Eman­zi­pa­ti­ons­aben­teuer zur Zeit der Hunnen­ein­fälle, die die chine­siche Mauer überrannt haben. Aus jeder Familie wird nun ein Soldat gesucht, der in der kaiser­li­chen Armee gegen die barba­ri­schen Eindring­linge und ihren dämo­ni­schen Anführer Shan Yu kämpft. Weil ihr Vater dazu körper­lich nicht mehr in der Lage ist, verkleidet sich Mulan kurzer­hand als Mann, um die Fami­li­en­ehre zu retten und stellt sich als Krieger zur Verfügung. Begleitet wird sie dabei von ihrem treuen Pferd Khan, von Mushu, einem vorlauten Mini-Drachen und der glücks­brin­genden Grille Kriki, zunächst bei der Grund­aus­bil­dung zum Soldat und später im Feldzug gegen die maro­die­renden Hunnen.

Im Gegensatz zu den west­li­chen Schau­plätzen vergan­gener Helden­ge­schichten hat sich Disney komplett neu orien­tiert, nicht nur stilis­tisch, sondern auch in ange­nehmen Maße bei inhalt­li­chen Belangen. Der Verzicht auf eine simple Lovestory als Rahmen­hand­lung, die die weib­li­chen Prot­ago­nisten vergan­gener Abenteuer stark redu­zierte, gebiert ein spaßiges Konzept. Die Abwendung von der klischee­haften Moti­va­tion der weib­li­chen Haupt­figur, einen Mann im Leben zu finden, läßt eine ausge­reif­tere Charak­te­ri­sie­rung von Mulan zu – ein Aspekt, der den Film auch für Erwach­sene spannend macht. Dabei hat Disney Wert auf eine äußerst unter­halt­same und überaus gagreiche Umsetzung gelegt, die sympa­thi­schen Figuren sind mit einem unglaub­li­chen Witz versehen, insbe­son­dere Mushu stiehlt den anderen die Show – im Original vom unnach­ahm­li­chen Eddie Murphy gespro­chen – bei uns immerhin von Otto Waalkes, der eine ganz andere Inter­pre­ta­tion liefert (da empfehle ich die OV).

Neben der gewohnten tech­ni­schen Perfek­tion besticht besonders die pastel­lene Farbaus­wahl mit ausge­feilten Details und der asiatisch ange­hauchte, neuartige Zeichen­stil. Unter­s­tützt von hervor­ra­gendem Timing und den Bild­kom­po­si­tionen besitzt das Spektakel – wie immer – schnei­dige Songs (bitte, bitte: im Original anschauen, zum Zweiten) und großar­tigen Humor. Der formel­haften Vorstel­lung vom Reich der Mitte bezüglich deren Kultur sollte man lieber nicht so viel Beachtung schenken und das Happy End ist genauso selbst­ver­s­tänd­lich wie die exqui­siten und aufwen­digen Zeich­nungen. Doch mit dem perfekt abge­stimmten Wechsel zwischen anspruchs­voller Dramatik und entwaff­nendem Humor, läßt einen der Einfalls­reichtum von Mulan durch die teilweise rabiaten, aber immer zündenden Gags vor Lachen fast aus dem Kino­sessel kippen in der seit langer Zeit mit Abstand besten Disney­ver­fil­mung.

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