The Mechanic

USA 2011 · 93 min. · FSK: ab 18
Regie: Simon West
Drehbuch:
Kamera: Peter Berglund
Darsteller: Jason Statham, Ben Foster, Donald Sutherland, Tony Goldwyn, Mini Anden u.a.
Voll auf Macho: der Mechanic

Mr. and Mr. Smith

Charles Bronson, mit Schnurr­bart wie üblich, steht im Zentrum eines mini­ma­lis­ti­schen, konzen­trierten Anfangs, bei dem in Michael Winners Film The Mechanic (deutsch »Kalter Hauch«) von 1972 über eine Vier­tel­stunde lang kein einziges Wort fällt. Am Ende dieser Szene explo­diert ein ganzer Appar­te­ment-Komplex, von Kolla­te­ral­schäden hat damals noch keiner geredet. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das vergleiche man mal mit der Eröff­nungs­szene des Remakes von Simon West: Dieser Mechanic ist so seicht, wie das Delta vor New Orleans, in dem er spielt, und kompen­siert das mit Bruta­lität. Ein Film für dumme Jungens – und sonst niemanden.

Wenn Arthur Bishop von der Arbeit nach Hause kommt, hört er Schubert. Ansonsten ist Bishop aber alles andere als ein Feingeist. Denn sein Geld verdient er als Auftrags­killer. Früh, gleich in der aller­ersten Szene dieses Films, sieht man ihn bei seiner Arbeit. Ziemlich brutal ertränkt er da sein Opfer, indem er es beim Schwimmen im haus­ei­genen Pool unter Wasser zieht – Fitness­trai­ning kann tödlich sein, immerhin ist das eine Lektion am Rande.

Ansonsten aber geht es in dieser Szene vor allem darum, den Held als kühlen Profi einzu­führen, als pinge­ligen Kontroll­freak, der nichts dem Zufall überlässt und das schmut­zige Geschäft in eine Kunst der Berech­nung und des Tüftelns verwan­delt hat: »Victory loves prepa­ra­tion«, steht später auf einer seiner Pistolen – das beschreibt recht präzis Bishops Arbeits­ethik. Vor allem aber sugge­riert der Film mit dieser ersten Szene, dass es schon die Richtigen erwischt in der Regel: Ein Waffen­händler hier, ein Drogen­dealer da, ein Mafia­killer dort, da ist der kalt­blü­tige Mord eigent­lich kein Mord mehr, sondern der Vollzug einer gerechten Strafe – dies ist der Taschen­spie­ler­trick, mit dem der Held moralisch auf die richtige Seite gestellt werden soll, der aber, dazu später, von Anfang an nicht richtig aufgeht.

Der hyper­kom­pe­tente, aber auch hyper­coole Bishop (Jason Stratham) lebt allein in einem wunder­schönen modernen Holzhaus am Rande der Sümpfe von Louisiana, offenbar einem jener Abschitte, die nicht durch die Ölka­ta­strophe im vergan­genen Jahr beschä­digt wurden.

Seine Lieb­lings­musik hört er auf Vinyl – ein Fremder darf das gute Stück nicht anfassen – und später lernt man, dass mit dem Plat­ten­spieler ein fein­ge­tüf­telter Selbst­zer­stö­rungs­me­cha­nismus verbunden ist. Er kleidet sich in elegantem Cashmere, fährt altmo­di­sche Sport­wagen und vergnügt sich, wenn er mal nicht gerade Leute umbringt, beim Sex mit einem willigen Barmäd­chen, das aussieht wie ein Super­model. Es muss – junge? – Männer geben, deren exakte Wunscher­fül­lung sich in solchen Szenarien konden­siert findet.

Zugleich ist mit all dem schönen Styling glasklar, was der Film in seinen hybri­desten Momenten auch sein möchte: Ein zeit­ge­mäßes Update jener Steve McQueen-Rollen der Spät­sech­ziger, Früh­sieb­ziger, in denen das Produc­tion Design komple­mentär war zum Aussehen des Haupt­dar­stel­lers: The Thomas Crown Affair (1968), Bullit (1969), The Getaway (1972). Aber der Weg ist weit von Charles Bronson zu Steve McQueen und dies ist der Moment, daran zu erinnern, dass The Mechanic nicht das Remake eines McQueen-, sondern eines Bronson-Films von 1972 ist...

Eines Tages bekommt Bishop einen Auftrag, der vor allem deshalb unan­ge­nehm ist, weil in ihm alle offen­kun­digen Wider­sprüche seines Lebens – und dieses Films – kulmi­nieren: Er soll seinen alten Freund und Kollegen Harry (Donald Suther­land) ermorden – »He has crossed his Rubicon«, heißt es –, und tut dies auch, nach kurzem Zögern, das eher dazu dient, uns den Charakter nicht völlig unsym­pa­thisch werden zu lassen, mit viel­leicht mehr Wider­willen, aber nicht weniger Profes­sio­na­lität.

Beim gemein­samen Kaffee­trinken kurz zuvor hatte ihm Harry noch von seinem miss­ra­tenen Sohn Steve erzählt. Der läuft Bishop nach dem Tod des Vaters bald wie ein herren­loser Hund zu und sucht im Freund des Vaters eine Art älteren Bruder oder Ersatz­vater – worauf sich der Einzel­gänger Bishop wohl vor allem wegen seines schlechten Gewissens einlässt. Man täte dem Film nun zwar bei weitem zuviel der Ehre an, wollte man ihn zum Anlaß nehmen, um hier Neues über die Obsession des ameri­ka­ni­schen Kinos für Vater-Sohn-Verhält­nisse zu erfahren.

Aber immerhin belegt The Mechanic, dass sich derartige kultu­relle Leit­mo­tive auch in die primi­tivsten Krea­tionen der Massen­kultur gleichsam wie aus dem kollek­tiven Unbe­wußten einschreiben. Steve (Ben Foster) ist über­ag­gressiv und will den Tod des Vaters rächen, quasi auch, um verspä­tete Aner­ken­nung dessen zu erlangen, der ihm im Leben ein zu großes Vorbild war. So geht Steve bei Bishop in die Schule des profes­sio­nellen Tötens, und der Zuschauer lernt mit ihm Dinge wie »Töte nie jemanden, wenn Du ein Motiv hast.«

Also werden hier statt­dessen die getötet, um die es angeblich nicht schade ist – und es kann kein Zufall sein, dass es sich ausnahmslos um Latinos, Schwarze, Schwule, Behin­derte und Reiche handelt. Besonders das Portrait eines schwulen Auftrags­kil­lers, der von Steve in seinem »ersten eigenen« Mord beseitigt wird, strotzt nur so von homo­phoben Klischees und Ressen­ti­ments, dass es schwer fällt, hinter alldem keine Methode zu vermuten – insbe­son­dere in der sadis­ti­schen Lust, in der Regisseur Simon West (Con Air, Tomb Raider) dieses Töten visuell zele­briert und auskostet. Und blickt man etwas genauer hin, so liegen in dem Männer-Freund­schafts­bund der beiden Haupt­fi­guren die homo­ero­ti­schen Kontexte klar zutage.

Wohin das alles führen muss ist klar: Homo­erotik darf im US-Main­stream nicht sein, also kann sie sich nur ins Destruk­tive wenden und ausleben: Irgend­wann findet Steve erwar­tungs­gemäß heraus, dass Bishop für den Tod des hass­ge­liebten Vaters verant­wort­lich ist, und so wandelt die Liebe für den Ersatz­vater sich in Hass. Im großen Endkampf gibt es so viele Wendungen wie Explo­sionen und selbst Steve überlebt das Ende nicht.

So bleibt The Mechanic bis zum Schluss ein selten dummer und latent rassis­ti­scher, ein grob sadis­ti­scher und humor­loser, dumpf gewalt­ver­herr­li­chender und in jeder Hinsicht reak­ti­onärer Film, der am besten noch darin ist, dass er die geheimen Ängste hinter den Macho-Posen kleiner Jungens entlarvt, aber ansonsten ein Prototyp dessen, was Benjamin als »destruk­tiven Charakter« beschrieb:

Der destruk­tive Charakter ist jung und heiter. Denn Zerstören verjüngt, weil es die Spuren unseres eigenen Alters aus dem Weg räumt; es heitert auf, weil jedes Wegschaffen dem Zers­tö­renden eine voll­kom­mene Reduktion, ja Radi­zie­rung seines eignen Zustands bedeutet.

Wenn der »Mechanic« Bishop dann einsam, ohne schönes Haus und Auto, in den Sonnen­un­ter­gang reist, soll man wohl als Zuschauer zufrieden sein, dass der Mann wieder allein ist, unbedroht von Frauen und kleinen Jungs.

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