Mary Reilly

USA 1996 · 108 min. · FSK: ab 16
Regie: Stephen Frears
Drehbuchvorlage: Valerie Martin
Drehbuch:
Kamera: Philippe Rousselot
Darsteller: Julia Roberts, John Malkovich, Michael Gambon, Kathy Staff u.a.

Die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist nicht neu. Neu an Mary Reilly ist jedoch die Perspek­tive aus der die Verfil­mung des gleich­na­migen Romans von Valerie Martin, diese erzählt: die Perspek­tive der Haus­häl­terin des Artzes mit den zwei Gesich­tern. Warum aller­dings dieser Ansatz besonders spannend sein soll, kann Regisseur Stephen Fears nicht deutlich machen. Im Film beschreibt er Mary Reillys Tages­ab­lauf, ihre trau­ma­ti­sche Vergan­gen­heit, und ihren Konflikt zwischen Angst und Zuneigung ihrem Arbeit­geber gegenüber. Und wie es der stille Charakter der Haus­häl­terin erfordert, bedient er sich dabei nicht der reiße­ri­schen Mittel eines Horror­strei­fens, sondern zeichnet düstere, aber sehr intensive Bilder, zwischen denen sich langsam die Handlung entwi­ckelt. Lange läßt er die Beziehung zwischen Dr. Jekyll und Mary Reilly wachsen, bevor er die Figur des Mr. Hyde ins Spiel bringt.

Mit dieser Ruhe zeigt er zwar viel Gefühl der Lite­ra­tur­vor­lage gegenüber, enttäuscht jedoch alle, die sich bei diesem Thema auch gerne ein wenig gefürchtet hätten, denn spannend ist Mary Reilly weder als Person, noch als Film. Nicht nur, weil man um den Ablauf der Ereig­nisse von Anfang an weiß, sondern auch, weil sich selbst die wenigen Span­nungs­mo­mente die der Film hat ohne Höhe­punkte im Nichts auflösen. Wenn überhaupt ein leichtes Unwohl­sein aufkommt, so liegt das einzig am Darsteller von Jekyll/Hyde: John Malkovich. Sein Schau­spiel, aber auch das von Julia Roberts, gibt der Handlung Leben, Regisseur Fears mischt nur schöne Bilder dazu. In einer Szene jedoch mißlingt dieses Zusam­men­spiel: Die Verwand­lung von Mr. Hyde in Dr. Jekyll ist mit Hilfe eines Morphing-Effektes darge­stellt. Anstatt die Figur glaubhaft schi­zo­phren zu belassen, wie Malkovich sie spielt, gibt Fears ihr damit den Schein eines Monsters und durch­bricht so seine Linie, keinen Horror­film zu drehen. Für die Schre­ckens­lieb­haber ein nur schwaches Zuge­ständnis, für alle anderen ein über­flüs­siger Special-Effekt.

Insgesamt läßt sich Mary Reilly mit den knappen Worten zusam­men­fassen: Nichts geschah, das aber war phan­tas­tisch insze­niert.

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