Live Flesh – Mit Haut und Haar

Carne trémula

Spanien 1997 · 101 Minuten · FSK: ab 12
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: , ,
Kamera: Affonso Beato
Darsteller: Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Angela Molina u.a.

Pedro Almodóvar ist wieder da. Sein neuer Film trägt einen etwas unge­wöhn­li­chen, weil engli­schen Titel. Das Buch schrieb Almodóvar nach einem Roman der briti­schen Krimi­au­torin Ruth Rendell. Um eine Krimi­nal­ge­schichte handelt es sich aller­dings nicht direkt.

Almodóvar hat sich auf fünf Haupt­dar­steller beschränkt die sich in einer Art Reigen im Verlauf des Films immer wieder zusam­men­finden. Da ist einmal der junge Victor Plaza (eine Figur die vor Jahren sicher Antonio Banderas gespielt hätte), der in einer Art Prolog von einer jungen Hure auf dem Weg ins Kran­ken­haus in einem öffent­li­chen Madrider Bus geboren wird. Diesem Umstand verdankt er ein lebens­langes Busticket für die spanische Haupt­stadt. Zwanzig Jahre später setzt die eigent­liche Handlung ein. Victor nutzt sein Busticket ausgiebig, fährt ganze Nächte lang die Buslinien ab. An diesem Abend fährt er zu Elena, einer drogen­süch­tigen Diplo­ma­ten­tochter, mit der er am Woche­n­ende zuvor zum ersten Mal Sex gehabt hat. Jetzt will Victor mehr, aber Elena wartet sehn­süchtig auf ihren Dealer. Durch einen dummen Zufall werden zwei Poli­zisten gerufen, ein Schuß fällt und Victor wandert erst mal ins Gefängnis.

Dort schaut er sich 1992 die Paralym­pi­schen Spiele im Fernsehen an. Ein Spieler im spani­schen Basket­ball­team ist David, der Polizist den er zwei Jahre zuvor ange­schossen hat. Im Fernsehen sieht man auch die Frau von David: Es ist Elena, inzwi­schen clean und aus Schul­be­wußt­heit mit David verhei­ratet. Als Victor zwei Jahre später aus dem Gefängnis kommt geht der Reigen so richtig los. Er will der beste Liebhaber der Welt werden, um Elena zurück­zu­ge­winnen. Mit dabei im Reigen sind Clara, die Frau von Sancho, dem anderen Poli­zisten aus jener verhäng­nis­vollen Nacht, die Victor in die Liebe einweiht, Sancho, David und natürlich Victor und Elena.
So wird aus dem Film eigent­lich ein Kammer­spiel zwischen den fünf Akteuren. Zunächst wirkt das ganze etwas holprig, etwas gewollt. Aber am Ende merkt man das Almo­dóvars Konzept aufgeht. Das konzen­trieren auf die Haupt­dar­steller macht die Sache spannend. Es gibt keine Unter­tei­lung in Humor und Ernst­haf­tig­keit. Die Geschichte wird zu Ende erzählt, wie sie eben passiert. Bei dieser Konstel­la­tion ist eine Konfron­ta­tion natürlich unver­meidbar, aber auch diese löst sich gut auf. Und am Ende wird wieder ein Kind in den Straßen von Madrid geboren. Der Reigen schließt sich also und mit ihm ein Film, der den Zuseher zunächst rätselnd entläßt, der im Nach­hinein aller­dings einen tiefen Eindruck hinter­läßt.

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