Land of the Dead

USA/Kanada 2005 · 93 min. · FSK: ab 18
Regie: George A. Romero
Drehbuch:
Kamera: Miroslaw Baszak
Darsteller: Simon Baker, John Leguizamo, Dennis Hopper, Asia Argento, Robert Joy u.a.
Zombies mit Intellekt?

Back to the Roots

Die Zombiewelle kehrt zu ihren Ursprüngen zurück

Die letzten Jahre meinten es gut mit den Untoten – die Metaphern-Platz­halter waren in unter­schied­li­chen Produk­tionen nach jahre­langer Abwe­sen­heit wieder vermehrt auf den Kino­lein­wänden zu begut­achten, sei es die seichte Video­spiel­rei­hen­ad­ap­tion Resident Evil bzw. House Of The Dead, die Komödie Shaun of the Dead, das Dawn of the Dead-Remake von Zack Snyder oder der famose 28 Days Later: Zombies erleben eine Renais­sance sonder­glei­chen. Es scheint, als wolle ange­sichts dieser Entwick­lung auch der US-Ameri­kaner George A. Romero, Begründer des modernen Zombie­films, nicht hinten anstehen. Eigent­lich hatte eine abge­schlos­sene Untoten-Trilogie vorge­legen: Die Nacht der lebenden Toten (1968), Zombie (1978) und Zombie II – Das letzte Kapitel (1985), doch mit seinem neuesten Streifen Land of the Dead – von Fans bereits liebevoll »LOTD« genannt – erweitert Romero seine Untoten-Epik.

»They are preten­ding to be alive...«
»Isn't that what we're all doing? Preten­ding to be alive.«

Romero zeichnet ein trost­loses Bild der Welt: Die Horden von Untoten bevölkern den gesamten Globus und nur in abge­rie­gelten Großstadt-Teilen, die Festungen gleichen, herrscht nervöser Frieden. Eine solche »Burg« in Pitts­burgh ist auch Schau­platz der Geschichte, welche Romero erzählt. Innerhalb der sicheren Zone, abge­schirmt von drei Fluss­teilen, hat sich eine Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft heraus­ge­bildet, in der die Ärmeren auf der Straße vege­tieren, während die reichere Gesell­schaft unter der Herr­schaft des Olig­ar­chen Kaufman (Dennis Hopper) in einem prunk­vollen Hochhaus residiert, in dem sich das Leben der Reichen und Schönen in nichts von dem Leben vor den Unto­ten­plage unter­scheidet. Nepo­tismus, wohin man sieht.

Auf einem der über­fall­ar­tigen Ausflüge ins Umland, provo­zieren die Söldner Kaufmans Riley (Simon Baker) und Cholo (John Leguizamo) die Untoten, welche über die Zeit eine Art von Bewusst­sein entwi­ckelten und erste Anfänge von kommu­ni­ka­tiven Verhalten aufzeigen. Aufge­bracht machen sich die Zombies, allen voran ein schwarzer Tankwart (Eugene Clark), auf den Weg zu Kaufmans strah­lendem (Kapi­ta­lismus-)Tower.

Externe Gefahr ist also in Verzug, doch auch intern nehmen die Span­nungen zu, das brüchig-unge­rechte Gesell­schafts­mo­dell in Pitts­burgh gerät zunehmend außer Kontrolle. Während der gemein­nüt­zige Riley sich einfach möglichst schnell mit Freunden Richtung Kanada absetzen möchte, möchte Cholo mit allen Mitteln seinen Platz im vermeint­li­chen Paradies neben den Großen und Mächtigen im Tower einnehmen. Cholo entwendet als Druck­mittel einen Art Super­panzer. Mit diesem, so droht Cholo Kaufman, werde er den Tower vernichten. Der Nero von Pitts­burgh engagiert nun Riley unter dem Verspre­chen eines freien Abzugs nach Kanada, den Panzer mit allen Mitteln zurück­zu­holen.

Die Geschichte, die Romero anbietet ist wenig originell. Die Prot­ago­nisten erregen zudem keine emotio­nale Rührung – die Handlung verläuft ohne klas­si­sche Helden­reise, Riley, der Prot­ago­nist, verändert sich nicht.

Schmerzten die früheren Filme Romeros noch, ist diesmal alles eher klinisch sauber gehalten. Um es drastisch auszu­drü­cken: Es sterben fast ausnahmslos dieje­nigen, die es auch durch irgend­eine Form des mensch­li­chen Fehl­ver­hal­tens »verdient« haben. Das will­kür­liche und unver­s­tänd­liche Töten, das die älteren Zombie­filme Romeros ausmachte, geht beinahe voll­s­tändig verloren. Verstärkt wird dieser Eindruck in erster Linie dadurch, dass sich Romero entschied, Zombies mit Intellekt auszu­statten. Das wirkt aufge­setzt und unpassend.

Die gewalt­tä­tigen Fres­sor­gien wurden arg beschnitten und die zustän­dige KNB Effect Group kreierte Zombies, welche eher Züge aus ihren früheren Arbeiten für From Dusk till Dawn tragen. Der Gast­auf­tritt Tom Savinis wirkt da wie blanker Hohn; war es doch, der in Day Of The Dead das konge­niale Make-up kreierte.

Romero drehte seine 18 Millionen Dollar Geschichte in Toronto so, als ob es das Dawn of the Dead-Remake und 28 Days Later nie gegeben hätte. Die teilweise träge Insze­nie­rung, welche mit Hommagen an Seargant York und Carnival Of Souls durch­zogen ist, ist im Grunde ein unnötiger, über­flüs­siger Beitrag zur Zombie-Welle.

Stellt schon der Versuch, Dawn of the Dead als konsum­kri­ti­sche Parabel zu deuten eine sehr romero­freund­liche Inter­pre­ta­tion dar, so wird man bei Land of the Dead ernst­hafte Schwie­rig­keiten bekommen. Die Sozi­al­kritik, möchte man diese tatsäch­lich heraus­lesen, ist schlichtweg zu platt, zu offen­sicht­lich. Da gibt es die kapi­ta­lis­ti­sche Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft, in welcher sich tatsäch­lich die Armen gegen­seitig auffressen müssen, da gibt es den schwarzen Zombie-Tankwart, der die Rebellion gegen den rassis­tisch-portrai­tierten Dennis Hopper anführt, da gibt es Zombies als Unter­hal­tung für die dekadente Gesell­schaft in Anlehnung an zahl­reiche geistlose Game-Shows, kurzum: da gibt es keine Zwischen­töne, keine kleinen Nischen. Romero benutzt, ganz wie seine Untoten keine Nadel­stiche, sondern grobes Werkzeug, wie etwa einen Press­luft­hammer. Möchte der Zuseher aber wiederum das sehen, bleibt er letzten Endes gleich bei Lucio Fulcis The Beyond oder Woodoo.

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