Kops

Kopps

Schweden/DK 2003 · 90 min. · FSK: ab 12
Regie: Josef Fares
Drehbuch: ,
Kamera: Aril Wretblad
Darsteller: Fares Fares, Torkel Petersson, Göran Ragnerstam, Sissela Kyle u.a.
Selbstgemachte Verbrechen sind die besten

Guter Kop, böser Kop

Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass heute ausge­rechnet Komödien zu den erfolg­reichsten filmi­schen Exporten Skan­di­na­viens (aufgrund der zahl­rei­chen Co-Produk­tionen innerhalb dieser Länder ist es gar nicht so falsch, ganz Nord­eu­ropa als eine Film­na­tion zu behandelt) zählen. Während bisher die ernsten, melan­cho­li­schen und genia­li­schen Filme­ma­cher wie Bergman, Kauris­mäki und von Trier für das Kino Skan­di­na­viens standen, zeigen in den letzten Jahren Filme wie Zusammen!, Italie­nisch für Anfänger oder Elling die humor­volle Seite dieser Länder.

Mit ihrer Mischung aus sympa­thisch origi­neller Figu­ren­zeich­nung und freund­lich intel­li­genter Komik sind diese Filme auch inter­na­tional erfolg­reich, was an positiven Kritiken, erfreu­li­chen Einspiel­ergeb­nissen und Aner­ken­nung durch die Film­in­dus­trie (z.B. Oscar-Nomi­nie­rung für Elling und dessen geplante Neuver­fil­mung durch Hollywood) abzulesen ist.

Ein weiter Vertreter dieses Genres ist der gebürtige Libanese Josef Fares, der mit Jalla, Jalla! seinen ersten Erfolg hatte, den er nun mit Kops in jeder Hinsicht adäquat fortsetzt. Auch für diesen Film hat sich Hollywood schon die Rechte für ein Remake gesichert, was um erstaun­li­cher ist (oder auch nicht), da sich Kops ziemlich scho­nungslos über deren typische Block­buster Cop- und Action­filme lustig macht.

Im Grunde ist die Welt von Kops nämlich das exakte Gegenteil der mit Pathos und Gewalt geladenen Crime­scenes im ameri­ka­ni­schen Kino. In einer kleinen Stadt in der schwe­di­schen Provinz verrichten sechs Poli­zisten ihren äußerst unspek­ta­ku­lären Dienst, der praktisch frei von Krimi­na­lität und deren Bekämp­fung ist. Statt­dessen erfreut man seine Kollegen mit Selbst­ge­ba­ckenem bzw. -gestricktem, verliert beim Pokern gegen nette, ältere Damen (die betrügen) oder fängt eine verirrte Kuh. Ein bisschen langweilt das die Poli­zisten schon – vor allem Benny, der sich gerne in aber­wit­zige, gewalt­tä­tige Action­filme hinein­träumt – aber mit einer ortsüb­li­chen Antriebs­lo­sig­keit fügt man sich in das gemüt­liche Schicksal und lenkt sich mit irgend­wel­chen Klei­nig­keiten ab.

Alles wird anders, als eine Mitar­bei­terin der vorge­setzten Poli­zei­behörde eintrifft und die Schließung des Reviers mangels Aufgaben ankündigt. Da auch der Verweise auf die scheinbar so gelungene Verbre­chen­sprä­ven­tion nichts hilft, entwirft der Polizist Jakob, der sich auch noch in die Über­brin­gerin der schlechten Nachricht verliebt, den vermeint­lich guten Plan, selber Verbre­chen zu insze­nieren, um sich so eine Exis­tenz­be­rech­ti­gung zu schaffen. Da die um ihren Arbeits­platz besorgten Poli­zisten noch schlech­tere Krimi­nelle als Krimi­na­listen sind und dabei einen Vergleich mit der Olsen-Bande nicht zu scheuen brauchen, läuft der Plan von Verbre­chen und Aufklä­rung aus einer Hand, allmäh­lich aus dem Ruder und endet beinahe in einer Kata­strophe.

Kops zeichnet die gleichen Stärken wie die oben genannten Komödien aus. Schräge Typen, viel gelungene Situa­ti­ons­komik, die manchmal ein wenig derb ist aber nie ins Primitive abfällt, dazu eine positive Grund­stim­mung und eine gewisse Respekt­lo­sig­keit. Auch wenn der ein oder andere Charakter zu grob oder zu klischee­haft gestaltet wird und mancher Witz mit dem Holz­hammer vorge­tragen wird, ist der Gesamt­ein­druck doch ein sehr sympa­thi­scher und auf alle Fälle ein überaus amüsanter. So manche Schwäche wird auch durch die sehr einfalls­reiche (man möchte beinahe sagen »liebe­volle«) Insze­nie­rung und den stim­mungs­vollen Sound­track wieder ausge­gli­chen.

Erfri­schend ist zudem (und auch das teilt Kops mit Elling & Co.), eine Komödie außerhalb des üblichen halben Dutzend humo­ris­ti­scher Stan­dard­si­tua­tionen zu sehen. Gerade die neuen Ideen sind es auch, die Stoffe wie den vorlie­genden für Hollywood so inter­es­sant machen. Bleibt zu hoffen, dass sich die skan­di­na­vi­schen Filme­ma­cher weit­ge­hend resistent gegen die Verlo­ckungen der großen Film­ma­schine zeigen und nicht eine ähnlich bedau­er­liche »Karriere« wie der Nacht­wache-Regisseur Ole Bornedal machen. Den richtigen Weg weist etwa Lone Scherfig (Italie­nisch für Anfänger), die ihren neuen Film Wilbur Wants To Kill Himself (der an dieser Stelle noch einmal ausdrück­lich empfohlen sei) in England produ­zierte.

Und wenn weiterhin solch gelungene Komödien aus Skan­di­na­vien kommen, heißt die Liste der Export­schlager aus dem hohen Norden viel­leicht bald: IKEA, Volvo, NOKIA, KOMIK.

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