Jumanji: Willkommen im Dschungel

Jumanji: Welcome to the Jungle

USA 2017 · 119 min. · FSK: ab 12
Regie: Jake Kasdan
Drehbuch: , , , ,
Kamera: Gyula Pados
Darsteller: Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan, Nick Jonas u.a.
Gender Fuck & Generation Swap

Herr, die Not ist groß!

»Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.«
–Johann Wolfgang von Goethe, Der Zauber­lehr­ling

Würden wir in Bezie­hungen so kreativ sein wie die Dreh­buch­au­toren Holly­woods, dürfte es in manchem Bezie­hungs­alltag deutlich besser aussehen. Man denke nur an das gelungene Sequel einer 20 oder 35 Jahre alten Beziehung! Denn soweit sind wir ange­sichts finan­zi­ellen und kreativen Sicher­heits­den­kens ja schon – gibt es nicht mehr nur die ewigen Star-Fran­chises Star Wars oder Star Trek, nein, jetzt wird auch singulär gegraben. Vor kurzem war es Blade Runner, der aus seinem 35-jährigem Dorn­rö­schen­schlaf geweckt und reloaded wurde, nun ist es Jumanji, zwanzig Jahre, nachdem sich Robin Williams und Kirsten Dunst hilflos den Geistern ausge­setzt sahen, die sie riefen.

Jumanji: Will­kommen im Dschungel verzichtet aller­dings noch weitaus mehr als Blade Runner 2049 auf Retro­schwur­be­leien und setzt gewis­ser­maßen eine völlig von ihrer Vergan­gen­heit eman­zi­pierte Beziehung in den filmi­schen Raum. Das zeigt sich nicht nur am Casting – niemand von damals ist mehr dabei – sondern vor allem an der Story, die sich zwar weiterhin an die Grund­struktur von Goethes »Zauber­lehr­ling« anlehnt, dabei aber berück­sich­tigt, dass sich die Zeiten tatsäch­lich geändert haben. Dringen die durch ein Spiel entfes­selten »Geister« in Jumanji noch in die reale Welt ein, so ist es ange­sichts unserer zunehmend digitalen Präsenz in Jumanji: Will­kommen im Dschungel folge­richtig der reale Körper, der in die »Geister«- aka Spie­le­welt eindringt und als Avatar um sein Überleben kämpfen muss.

Jumanji: Will­kommen im Dschungel profi­tiert dabei vor allem von einer weiteren Aktua­li­sie­rung und der Regie von Jake Kasdan, der bereits als Regisseur und bera­tender Produzent der legen­dären Coming-of-Age Serie Freaks and Geeks gezeigt hat, dass Jugend heut­zu­tage mehr ist, als »nur« erwachsen zu werden, dass es nun auch dazu gehört, Gender­s­te­reo­typen zu dekon­stru­ieren und Mono­se­xua­lität zumindest in Ansätzen zu über­winden.

Kasdan vertraut dabei nicht nur auf die Stärken seiner jugend­li­chen Schau­spieler, die in der Rahmen­ge­schichte wie direkt aus Freaks und Geeks tele­por­tiert wirken, sondern für den Kernplot vor allem aus einem schrägen Cast verschie­denster Genre-Schau­spieler wie dem Wrestler Dwayne Johnson, den Comedians Jack Black und Kevin Hart oder dem ehema­ligen Model Karen Gillian. Die Komik wird jedoch nicht nur dadurch greifbar, dass die in ihren bishe­rigen Rollen meist auf ein Stereotyp fest­ge­zurrten Schau­spieler sicht­li­chen Spaß daran haben, ihre »Standards« nur mehr als »gebro­chene« Avatare, auf ihre Physis redu­zierte Körper ausüben zu können, sondern durch groteskes »Gene­ra­tionen-Swapping« und »Gender­bender« weitere Kompo­nenten inte­griert werden. Vor allem der durch L. Humphrey (1972) erstmals postu­lierte »gender fuck« und eine an die Befrei­ungs­moral der frühen 1970er erin­nernde Trash-Variante des Guerrilla-Theaters machen so viel Spass, dass die eigent­liche Handlung von Jumanji – die dümmliche Jagd nach einem dämlichen Stein, um sich wieder aus der virtu­ellen Realität und von den unge­wöhnten Avataren zu befreien – fast völlig in den Hinter­grund tritt.

Wer sich der Kern­hand­lung jedoch annehmen will und allen theo­re­ti­schen Ballast einfach mal hinten anstehen lassen möchte, bekommt immer noch ein exzel­lentes B-Movie, einen wirk­li­chen »Guilty-Pleasure-Diamanten« mit vor sich hing­a­ckernden, irrem Over­ac­ting verpflich­teten Schau­spie­lern, und einer runden Moral, die vor allem Zusam­men­halten postu­liert, egal wie unter­schied­lich man ist. Und das: funk­tio­niert zwei­fels­ohne auch für die ganze Familie. Am besten gleich nach Star Wars 8: The Last Jedi, um wieder ein wenig Mut zu fassen, dass Fort­set­zungen auch Spaß machen können oder nach dem fast alles vernich­tenden, weih­nacht­li­chen Bezie­hungs­streit, um wieder daran glauben zu können, dass ein Remake überhaupt möglich ist.

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