Hotel Transsilvanien 3 – Ein Monster Urlaub

Hotel Transylvania 3: Summer Vacation

USA 2018 · 98 min. · FSK: ab 0
Regie: Genndy Tartakovsky
Drehbuch: ,
Musik: Tiësto, Mark Mothersbaugh
Schnitt: Joyce Arrastia
Dumme „Dude“-Dudeleien

Völlig besoffen in Mallorca vom Balkon gefallen

Wäre der zweite Teil von Hotel Trans­sil­va­nien nicht so subversiv, über­ra­schend und doppel­bödig gewesen, hätte mich der dritte Teil einen Dreck geschert. Und überhaupt Fran­chises – was darüber noch Worte verlieren, es geht ja eh jeder rein und das Ganze geht von vorne los. Und alles nur, weil dann doch der aller­letzte Hamburger heimi­scher und damit besser schmeckt als der deli­ka­teste Penis­fisch, eine der großen Deli­ka­tessen Chinas, Koreas und Japans.

Aber  Hotel Trans­sil­va­nien 3 – Ein Monster Urlaub (HT3) ist so viel schlechter als Hotel  Hotel Trans­sil­va­nien 2, dass es sich dann doch aus purer Neugier lohnen sollte, den Ekel vor diesen Kommerz­mas­tur­ba­ti­ons­al­lüren beiseite zuschieben und sich ganz offen zu fragen, was hier schief gelaufen sein könnte. Warum HT3 „nur“ ein Kinder­film ist und nicht mehr. Denn ohne Zweifel werden 7-jährige auch im dritten Teil ihren Spaß haben: Die Anima­tionen sind perfekt und Schnitte und Tempo so schnell, dass man der völlig defrag­men­tierten Handlung über Monster, die mit einem Kreuz­fahrt­schiff auf Urlaub gehen, kaum folgen kann, folgen muss. Denn meist reicht den jüngeren Ziel­gruppen bei Franchise-Aufläufen ja der Wieder­er­ken­nungs­mo­ment. Und zumindest das macht Genndy Tarta­kovsky, der in HT1 und HT2 schon Regie führte, völlig richtig.

Alle alten Bekannten tauchen auf – sowohl Graf Dracula, als auch Johnny, Mavis, Fran­ken­stein, der Unsicht­bare und Wayne, die im engli­schen Original allesamt mit delikaten Sprechern besetzt sind, in der eben aufge­führten Rollen­rei­hen­folge mit Adam Sandler, Andy Samberg, Selena Gomez, Kevin James, David Spade und Steve Buscemi. Kaum zu toppen, keine Frage. Und auch die Einfüh­rung von neuen Rollen wird wie in jeder guten Sequel sehr behutsam vorge­nommen, denn mehr als ein oder zwei neue Rollen über­for­dern im Normal­fall auch das best geschulte Kind. Also gibt es in HT3 Abraham van Helsing und seine Großen­kel­tochter Ericka, die die Monster in eine Falle locken wollen, um sie dann endgültig zu vernichten und damit einen Traum zu erfüllen, der die Helsings seit Gene­ra­tionen umtreibt.

Was im Kern gar nicht mal so schlecht klingt, wird jedoch so stupide, platt und auch nicht den billigsten Kalauer auslas­send, umgesetzt, wird mehr gebrüllt statt gespro­chen, Musik als Zucker­guss miss­braucht und die Erzählung derartig oft an die Wand geworfen, um die Splitter dann wieder mehr schlecht als recht mit Spucke zusam­men­zu­kleben, dass man das Gefühl nicht los wird, dass die Dreh­buch­au­toren völlig besoffen von einem Balkon in Mallorca gefallen sein müssen, bevor sie sich wieder an den Schreib­tisch gesetzt haben.

Und wirft man dann einen Blick auf die Credits, scheint genau das der Fall gewesen zu sein. Denn anders als in Hotel Trans­sil­va­nien 2, wo Adam Sandler und Robert Smigel im Doppel­pack zu kreativ-subver­siver Hochform aufliefen, ist in HT3 neben Regisseur Genndy Tarta­kovsky vor allem Michael McCullers für das Drehbuch verant­wort­lich. Und wie in The Boss Baby, wo McCullers eine an sich gute Grundidee mit plat­tester Kumpel-Rhetorik an die Wand gefahren hat, so ist auch in HT3 der Hang zu selbst­re­fe­ren­zi­ellen, dummen „Dude“-Dudeleien, apoli­ti­schem Blödsinn und gesell­schaft­li­chen Desin­ter­esse so offen­sicht­lich, dass der Besuch von Hotel Trans­sil­va­nien 3 dann doch nicht ganz so sinnlos war, man einmal mehr um die Bedeutung guter Dreh­buch­au­toren gelernt hat.

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