|
Argentinien/E 2002, 92 Minuten · FSK: ab 0 |
![]() |
Alle drei haben ihre eigenen Geschichten und ihre eigenen Strecken, die sich kaum je berühren. Alle drei stoßen auf ihrer Reise an Grenzen, mit denen sie zurechtkommen müssen: Don Justos Hund hatte vielleicht einen Grund, wegzulaufen, wie er im Auto der Biologin, die ihn erschöpft am Straßenrand aufgelesen hat, preisgibt. Maria, im Bestreben, die Chance zum Eintritt in die verlockend glitzernde Fernsehwelt zu nutzen, müsste sich eigentlich eingestehen, dass sie daheim ohne Stromanschluss mit der gewonnenen Küchenmaschine eigentlich nicht viel anfangen kann. Und Roberto steht plötzlich vor der Aufgabe, aus der fußballförmigen Torte schnell ein Geschenk für ein Mädchen machen zu müssen, weil er nicht mehr sicher ist, ob das Kind der angebeteten jungen Witwe wirklich ein Sohn ist. Die findige Lösung des Problems hält ihn so auf, dass fraglich ist, ob er nicht schließlich zu spät kommt.
Erfolg und Scheitern liegen nah beieinander, und am Ende haben alle drei eine erfüllte Hoffnung mehr und einen Traum weniger. Und doch ist das Ganze kein Nullsummenspiel: die Welt ist weiter geworden.
Carlos Sorin drehte seinen Film am äußersten Ende der Welt, in dessen weiter Landschaft Siedlungen und Menschen wie verloren wirken, fast ausschließlich mit Laiendarstellern. Nur zwei Schauspieler, darunter der glänzend besetzte Javier Lombardo in der Rolle des Roberto, wirkten mit, die übrigen haben sich teils durch Arbeit am Laientheater, teils durch ihre Berufe (z. B. Bäcker) als Darsteller qualifiziert. Das Drehbuch ist auf die Protagonisten zugeschnitten, die nach Erstellung der Grundstories gecastet wurden, und die bewegliche Kamera unterstützen den Eindruck der Authentizität, ohne in pseudodokumentarische Wackelbilder abzugleiten.
Kleine Geschichten über kleine Leute wie diese, zurückhaltend beobachtet und ohne Pomp erzählt: so wird Kino zum Erlebnisort für das alltägliche Abenteuer. Dank an Regisseure wie Carlos Sorin, die solche Reisen ermöglichen.