Das große Krabbeln

A Bug's Life

USA 1998 · 95 min. · FSK: ab 0
Regie: John Lasseter
Drehbuch: , ,
Musik: Randy Newman

Schaumig leicht Disneys ameisenhafte Gegenoffensive

Bei den Ameisen herrschen bekannt­lich die Frauen. Wer freilich meint, unter dem Matri­ar­chat müßte es fried­li­cher und irgendwie ganz anders zugehen, als unter den Macho­ver­hält­nissen mensch­li­chen Zusam­men­le­bens, der wird zumindest auf der Leinwand widerlegt: Zum zweiten Mal kommt jetzt ein Trickfilm ins Kino, der in aller­dings recht vermensch­lichten Amei­sen­ko­lo­nien spielt, und zum zweiten Mal wird die compu­ter­ge­ne­rierte Anima­ti­ons­technik vor allem dazu genutzt, ein aufwen­diges Hauen, Stechen, Toben und Schlachten in Szene zu setzen.

Im vergan­genen November war es Antz, eine clevere, in manchem ziemlich bissige Satire aus der Spiel­berg­schen »Dream­works«-Fabrik; jetzt legt der Disney-Konzern mit A Bug´s Life nach. Es ist offen­sicht­lich: Die eigent­liche Schlacht wird an den Kino­kassen ausge­fochten, dem Angriff des Newcomers folgt nun die Gegen­of­fen­sive des bishe­rigen Mono­po­listen. Finan­ziell war das Duell für beide Seiten erfolg­reich: Auf Platz zwei und drei liegen die beiden Filme in der 98er US-Jahres­bi­lanz, vor ihnen steht nur James Camerons oscar­ge­schmückter Kata­stro­phen­t­raum Titanic. Dieses Resultat kommt freilich fast einer Nieder­lage für Disney gleich, denn »Dream­works« scheint vorerst als gleich­ran­giger Konkur­rent etabliert.

Aber welcher Film überzeugt künst­le­risch? Grob gesagt: Antz war mit seinem subtilen Dialog­witz ein Film für Erwach­sene, und vor allem für dieje­nigen, die Englisch können. Alle anderen verpaßten die Synchron­stimmen von Woody Allen, Sharon Stone und vielen anderen Stars. A Bug´s Life scheint kind­ge­rechter, denn es ist alles in allem etwas simpler gestrickt. Nichts ist hier zu spüren von der Melan­cholie des Arbei­ter­helden in Antz, die unter ihrem Schicksal und der arbeits­tei­ligen Amei­sen­ö­ko­nomie leidet. Bei Disney ist alles hell und fröhlich, etwas schneller und witziger aller­dings auch.
Ganz kurz darf man in A Bug´s Life sogar an Kurosawas Die sieben Samurai (oder zumindest John Sturges' Western-Adaption Die glor­rei­chen Sieben denken, und diesem schaumig-leichten Unter­hal­tungs­kino einen ernst­haften Subtext unter­stellen.

Wer beide Filme gesehen hat, ist über die Ähnlich­keiten der Story verblüfft: Hier wie da eine glücklose, träu­me­ri­sche Ameise, der sich dem anti­in­di­vi­du­ellen Skla­ven­re­gime nicht unter­ordnen will. Und als dann eine Heuschre­cken­armee angreift, zeigt sich, daß selbst Ameisen nicht ohne Indi­vi­dua­lität überleben können. Das ist dann plötzlich sehr ameri­ka­nisch, und so egalitär, wie es bei echten Ameisen niemals zugeht. Aber bei denen ist sowieso alles anders: Schließ­lich sind es da die Frauen, die in den Krieg ziehen. Die Männer bleiben zuhause und fressen sich satt.

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