Besprechung

Following

Großbritannien 1998, 69 Minuten · FSK: ab 16
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Kamera: Christopher Nolan
Darsteller: Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell, John Nolan, u.a.

Der Schattenmann
Der Schattenmann

Aus der Grauzone

Mit dem Noir-Thriller Memento wurde Christopher Nolan weltberühmt, mit dem Serienkillerfilm Insomnia schaffte er den Sprung in Hollywoods Topliga, drehte mit Al Pacino und Robin Williams. Im Sommer kommt sein Film Batman Begins ins Kino. Längst hat sich der Brite Christopher Nolan als eine der großen Regie-Hoffnungen dieses Jahrzehnts etabliert. Er liebt verschachtelte Geschichten, erzählt nach dem Vorbild des modernen Romans – Alain Robbe-Grillet nennt er selbst im Gespräch auf Nachfrage als ein Vorbild – und möchte wie sein Vorbild Kubrick Filme schaffen, die »das Kino transzendieren«.

Following stand ganz am Anfang. Über ein Jahr dauerten die Dreharbeiten zu dem Film, der ganz ohne Geld, mit Hilfe von Freunden gedreht wurde. Gemessen an den Voraussetzungen ist Following ein großer Wurf, doch auch wenn man nichts von Budget und Regisseur weiß, ist er Film ein guter, spannender Thriller, fehlerfrei inszeniert, verrätselt und voller Geheimnis.

Erzählt wird von einem Mann. Ein Schriftsteller, einsam und isoliert, der plötzlich auf die fixe Idee verfällt, völlig unbekannten Menschen auf der Straße nachzugehen, sie wie ein Detektiv zu beschatten. Dieser Bill ist ein Voyeur, der sich das Leben, das er selbst nicht hat, durch seine Verfolgungstrips sozusagen aus zweiter Hand besorgt. Einem seiner »Opfer« fällt er auf – es handelt sich um Cobb, einen professionellen Einbrecher. Der raubt, und genießt ähnlich obsessiv wie Bill seine Verfolgungen, das heimliche Eindringen in intimste Privatverhältnisse. Bald begleitet Bill Cobb auf seinen Einbrüchen, und verliebt sich überdies in die attraktive Freundin eines Gangsters

Following ist bestechendes Kino, das in seinen Grundideen sowie in einzelnen Szenen an Hitchcock wie Godard erinnert – und an den Film Noir sowieso: Ganz in Schwarzweiß gedreht, erzählt dieser Thriller eine Geschichte aus der moralischen Grauzone, über geheime Träume, über Lüge und Überwachung, über die Grenze zwischen äußerem Schein und Privatheit. Dabei erinnert Nolans Beschwörung der Großstadtdschungels an die Filme der 40er-Jahre, seine fast dokumentarischen, wenngleich ausgeklügelt inszenierten Bilder an Filme der 60er und 70er. Die Grundidee freilich ist ganz modern – der erste Paukenschlag eines hochspannenden Regisseurs.

Rüdiger Suchsland nach oben