Family Man

The Family Man

USA 2000 · 126 Minuten · FSK: ab 6
Regie: Brett Ratner
Drehbuch: ,
Kamera: Dante Spinotti
Darsteller: Nicolas Cage, Téa Leoni, Jeremy Piven, Don Cheadle u.a.

Ja, ist denn heut' schon Weihnachten?

Familie als assessement-center: Nicolas Cage wird zum Family Man

Family Man ist keine Komödie, sondern ein klamm­heim­li­cher Horror­film. Dies nicht allein, weil dass, was Jack Campbell (Nicholas Cage) in Brett Ratners Film wieder­fährt, ernst­ge­nommen eine ziemlich schlimme Sache ist: Eines Morgens wacht der allein­ste­hende, knall­harte Firmen­chef in seinem Bett auf und merkt, das es gar nicht sein Bett ist. Vielmehr findet sich der New Yorker Kapi­ta­list als durch­schnitt­lich verschul­deter Fami­li­en­vater mit mäßigem Einkommen, Apple-Pie-backender Muster-Gattin Kate (Téa Leoni), zwei quän­gelnden Kleinen und Hund in einer Vorort­sied­lung von New Jersey wieder. Damit ist Campbell nicht nur das bisherige Leben unter den Füßen wegge­zogen, seiner neuen Existenz fehlt in ihrer öden Durch­schnitt­lich­keit auch absolut jeder Reiz, sieht man einmal von der ihm in uner­schüt­ter­li­cher Liebe zugetanen, leidlich gutaus­se­henden Ehefrau und den holly­wood­süßen Kleinen ab.

Ein Engel oder Geist war an allem schuld, Campbell muss nun die Suppe auslöf­feln und mit seinem Dasein als Fami­li­en­vater zurecht­kommen. Das bietet Anlaß für leidlich komische Situa­tionen, sei es, wenn der völlig Ungeübte plötzlich Windeln wechseln oder Auto­reifen verkaufen muss, sei es, wenn der Platin-Kredit­karten und Mass­an­züge Gewohnte mit Frau und Kindern im Kaufhaus um jeden Cent zu knausern gezwungen wird. Man kann das Ganze aller­dings auch einfach als neue Aufgabe für den Manager begreifen, der einmal kurz beweisen muss, dass er wirklich jede Situation in den Griff bekommt, und auch noch in aussichts­loser Lage Karriere macht – Familie als asses­se­ment-center.

Den Höhepunkt erreicht dies, als Jack, der in seiner midd­le­class-Existenz immer unzu­frie­dener und frus­trierter wird (und gern am Arbeits­platz zur Flasche greift) eines Tages auf den Chef aus seinem alten Leben trifft. Ihn überzeugt er von seinen Fähig­keiten, und bekommt eine Chance – wir haben verstanden: Margaret Thatcher hat doch recht; jeder kann in kapi­ta­lis­ti­schen Verhält­nissen Erfolg haben, wenn er es nur wirklich will.
Kate aller­dings will es nicht. Sie zieht das Langweil-Glück der Zwei­sam­keit der Möglich­keit vor, dass ihr gutver­die­nender Gatte immer außer Haus ist, weil sich der lange Weg zurück nach Jersey gar zu sehr zieht. Und nach Manhattan ziehen mag sie auch nicht – der Kinder wegen.

Am Ende fühlt Jack sich im neuen Leben vorher­sehbar wohl, muss aber gerade dann plötzlich allein zurück ins Yuppie-Apartment. Dort erwartet ihn zwar – unglaub­lich aber wahr – Model Amber Valetta im Negligé, der über Nacht Geläu­terte weist sie aber schnöde zurück, wirft seinen Job hin und sucht seine Jugend­liebe auf, eben jene Kate, die er im wahren Leben vor 13 Jahren sitzen ließ. Nun wird nicht nur alles gut, die wieder­ver­einte Paar verfügt – double income, no kids – auch über den nötigen Konto­stand, um dem Vorort-Horror ebenso zu entgehen, wie den Schul­den­terror der Banken. Und die Kiddies werden eine Privat­schule besuchen...

Hinter alldem steckt eine gar nicht komö­di­an­ti­sche, vielmehr unver­hohlen diszi­pli­nie­rende Absicht: Der Single muss bestraft werden, dem Amora­li­schen wird mit Zucker­brot und Peitsche Moral gelehrt, und der – mögli­cher­weise auch nicht in jeder Hinsicht zufrie­dene – Zuschauer soll mit seinem Leben als Raten­zahler, Billig-Konsument und Durch­schnitts­al­ko­ho­liker ein für allemal versöhnt werden. Selten hat Hollywood das ameri­ka­ni­sche Spießbür­gertum derart verherr­licht.
Gewiß: Das Motiv des Iden­ti­täts­tauschs kennt man nicht nur aus SF-Thrillern. Offen werden hier wie auch mit der Figur des (Weih­nachts-)Engels die Filme Frank Capras zitiert. Doch davon abgesehen, dass die ungleich mehr Charme und feinen Humor besaßen, feierte Capra nicht die Lebens­ver­hält­nisse der Mittel­klasse, sondern unver­lo­gene Gefühle. Davon kann in diesem heuch­le­ri­schen Weih­nachts­kitsch keine Rede sein. Denn wie gesagt, eigent­lich ist es ein Horror­film – wenn das die Alter­na­tive sein sollte, dann lieber Yuppie.

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