Fast & Furious Five

Fast Five

USA 2011 · 130 min. · FSK: ab 12
Regie: Justin Lin
Drehbuch:
Kamera: Stephen F. Windon
Darsteller: Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Elsa Pataky, Jordana Brewster u.a.
Rostiger White Trash

Die Welt ist alles, was der Phall ist

Nach dem Untergang: In Fast Five ist das Abendland schnell, furios, dumm und primitiv und auch sonst nicht mehr, was es mal gewesen ist

Das Rezept ist so durch­schaubar, dass es niemand mehr, auch die Macher nicht, ernst meinen kann: Man nehme muskel­be­packte Männer, Frauen mit langen Haaren und üppiger Oberweite, beide so leicht bekleidet, dass man genug nackte Haut und Körper­formen sieht. Diese Körper werden dann auf allerlei Wegen, durch Muskel­kraft, Druck­wellen, Flugzeuge und vor allem durch schnelle, sehr sehr schnelle und sehr sehr schöne, unerhört aufge­motzte Autos durch den Raum bewegt. Sexy glänzen tun sie durch Schweiß­perlen, Körperöl und Blut­spritzer, all dies von Masken­bild­nern künstlich verstärkt, die Feti­schisten unter den Zuschauern bekommen mal ein paar Ketten und Hand­schellen gezeigt, ein paar – gleich­falls gut glänzend eingeölte – metal­li­sche Waffen, Maschi­nen­pis­tolen, garniert wird die Körper­ki­netik durch Explo­sionen am Wegesrand und hübsche Schau­plätze mit touris­ti­schem Mehrwert, wie Los Angeles (The Fast and the Furious 1 + 2, 2001, 2003), Tokio (The Fast and the Furious 3 2006), Mexiko, (Fast & Furious 4, 2009) oder Rio, wie jetzt im fünften Teil, bei dem Jason Lin zum dritten Mal Regie führte.

So aufge­motzt, wie die Autos, so ist auch der restliche Film: Rasante (illegale) Auto­rennen bilden den sehr losen Hinter­grund, Stunts sind der Klebstoff, der die Szenen zusam­men­hält. Die Geschichte kann man ansonsten vergessen: Die Helden sind Old School, Klein­kri­mi­nelle mit Herz, die »eigent­lich« von Gestern sind, die das auch innerlich spüren, so wie im letzten Sommer-Block­buster Sylvester Stallones Expen­da­bles, die »eigent­lich« aussteigen wollen, aber um eben das tun zu können, einen – »nun aber wirklich« – aller­al­ler­letzten Coup unter­nehmen müssen, der sie wieder einmal noch tiefer in die Sch... – pardon: in einen nächsten Film abgleiten lässt. Das ist unglaub­lich abge­standen, und am inter­es­san­testen noch dort, wo es um den Missmut weißer Männer in einer multi­kul­tu­rellen Welt geht, um den längst voll­zo­genen Untergang des Abend­landes und das daraus resul­tie­rende Ressen­ti­ment der alten Herren. Denn dieser rostige White Trash – gespielt von Vin Diesel, Paul Walker, und Dwayne Johnson als Spie­gel­bild der Film-Ziel­gruppe – kulti­viert sein Opfer­ge­fühl, den unein­ge­stan­denen Minder­wer­tig­keits­kom­plex von Männern, die mit Muskel­kraft, Schweiß und dem, was mal »ehrliche Arbeit« hieß, nichts mehr erreichen können, außer kurz­fris­tigen Film­tri­um­phen, nach denen sie dann doch im Knast landen. Die immer wieder von latein­ame­ri­ka­ni­schen Drogen­ba­ronen mit Laptops, FBI-Agenten mit Anzügen und Frauen mit Abitur über den Tisch gezogen werden.

Diese Welt ist alles, was der Phall ist: Die Verfol­gungs­jagden sind schnell, die Mate­ri­al­schlachten heftig, Männer sind Männer, die Frauen kumpel­haft, trotzdem dekorativ und liegen immer mal wieder flach, und das Testo­steron-Fass läuft über. Vin Diesel immerhin hat so unge­meines Charisma, dass seine Agenten schon ziemlich dumm sein müssen, dass sie nicht viel mehr aus ihm machen – ande­rer­seits bekommt er auch für diesen Film 15 Millionen, was soll's also? Jordana Brewster sieht man auch gern – insofern gibt es gegen diesen Film nichts zu sagen, solange man sich für sinn­freies Action­kino auf primi­tiver Stufe inter­es­siert und an reak­ti­onären Welt­sichten nicht stört.
Dies ist ein Film wie eine gute Wurst: Für den schnellen Verkauf, da leicht verderb­lich, aber eben durchaus schmack­haft, vor allem, wenn man nicht darüber nachdenkt, was alles drin ist.

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