Exodus: Götter und Könige

Exodus: Gods and Kings

USA/GB/E 2014 · 151 min. · FSK: ab 12
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: , , ,
Kamera: Dariusz Wolski
Darsteller: Christian Bale, Aaron Paul, Joel Edgerton, Sigourney Weaver, Ben Kingsley u.a.
Sklavenarbeit und der Herrscher

Ein Prophet fürs Blockbuster-Kino

Der Bibelfilm lebt. So scheint es zumindest. Erst im Frühjahr eroberte Darren Aron­ofskys Version der »Noah«-Geschichte die Kinosäle. In Form eines grimmigen Bilder­rei­gens mit stark beleh­renden Tendenzen. Ridley Scott hält dem nun eine Neuauf­lage des hebräi­schen Auszugs aus Ägypten entgegen und kommt dabei erfreu­li­cher­weise zumeist ohne mora­li­schen Zeige­finger aus. Allzu verwun­der­lich ist das nicht. Immerhin gilt der Brite als beken­nender Agnos­tiker, weshalb er den in der Heiligen Schrift skizzierten Ereig­nissen eher skeptisch gegenüber­steht. Einen wirklich überz­eu­genden Film legt aller­dings auch Scott nicht vor, was vor allem daran liegt, dass er, wie so oft in seiner langen Karriere, mehr auf das Über­wäl­ti­gungs­po­ten­zial der Bilder setzt als auf die ambi­va­lenten Nuancen der Handlung.

Ägypten im Jahr 1300 vor unserer Zeit­rech­nung: Pharao Seti (John Turturro) behandelt den prag­ma­ti­schen General Moses (Christian Bale) wie ein Mitglied seiner Familie und ist erst recht von ihm begeis­tert, als er Ramses (Joel Edgerton), dem leib­li­chen Sohn des Herr­schers, während einer Schlacht das Leben rettet. Auf einer Erkun­dungs­reise begegnet Moses kurze Zeit später dem Israe­liten Nun (Ben Kingsley), der ihn über seine hebräi­sche Abstam­mung aufklärt. Moses schenkt den Ausfüh­rungen des Sklaven keine Bedeutung, kommt aber schon bald in große Erklä­rungsnot. Denn nach dem Tod Setis erhält der neue Pharao Ramses Hinweise auf die wahre Herkunft seines lang­jäh­rigen Wegge­fährten und verbannt diesen kurz­er­hand in die Wüste. Da Moses von einer Gruppe Ziegen­hirten aufge­lesen wird, entgeht er dem sicheren Tod und gründet in der neuen Gemein­schaft eine kleine Familie. Eines Tages erscheint ihm jedoch Gott und fordert ihn auf, das hebräi­sche Volk aus der ägyp­ti­schen Knecht­schaft zu befreien und es ins Gelobte Land zurück­zuführen. Ein Auftrag, dem sich der ehemalige General schließ­lich verschreibt.

Inter­es­sante Ansat­z­punkte hat Exodus: Götter und Könige durchaus zu bieten. Etwa die Idee, den Schöpfer als jähzor­niges, mitunter spöt­telndes Kind darzu­stellen. Ein Anblick, der immer wieder für Irri­ta­tionen sorgt, recht unkon­ven­tio­nell anmutet, gleichz­eitig aber auch einige unfrei­wil­lige Lacher provo­ziert. Reizvoll ist zunächst auch die Figur des Moses, der als ungläu­biger Skeptiker aufgebaut wird und daher ein recht zwie­späl­tiges Helden­bild abgibt. Persön­liche Zweifel und das Hadern mit seinem gott­be­stimmten Schicksal werden von Scott und seine vier Dreh­buch­au­toren dann aller­dings allzu ober­fläch­lich abge­han­delt, sodass die innere Zerris­sen­heit des Prot­ago­nisten recht schnell auf der Strecke bleibt. Jedes Mal, wenn der Film in die Tiefe gehen und die Bezie­hungen seiner Figuren (vor allem das brüder­liche Band zwischen Moses und Ramses) einge­hender beleuchten könnte, schmeißt der Regisseur die compu­ter­ge­stützte Block­buster-Maschine an und vertraut auf die Sogwir­kung des Spek­ta­kels.

Ausla­dende Land­schafts­pan­oramen, detail­reiche Massen­szenen und mitreißend insz­e­nierte Kampf­se­quenzen versorgen Liebhaber großer Monu­men­talepen mit allen notwen­digen Genre-Zutaten. Und ab einem gewissen Punkt wähnt man sich sogar in einem endz­eit­li­chen Kata­stro­phen­streifen samt düsteren Horror­film­an­leihen. Imposant und furcht­ein­flößend zugleich gestaltet sich nämlich die Abbildung der bibli­schen Plagen, die ein wütender, rachsüch­tiger Gott Ramses und dem ägyp­ti­schen Volk schenkt, da sie sich nicht zur Frei­las­sung der hebräi­schen Sklaven durch­ringen können. Moses' große Aufgabe erscheint zumindest zeitweise in einem kriti­schen Licht. Unmiss­ver­s­tänd­lich zum Ausdruck gebracht vom macht­hung­rigen Pharao selbst, der nicht verstehen kann, welche Fanatiker einen Gott anbeten, der im Zuge der Plagen selbst die ägyp­ti­schen Kinder unbarm­herzig sterben lässt. Eben diese kleinen, eindring­li­chen Momente zeigen das diffe­ren­zierte Potenzial des Stoffes auf, werden aber stets von der Wucht der rasch neu anschwel­lenden Bilder­flut erdrückt.

Wirklich zur Geltung kommen dabei freilich auch die zahl­rei­chen, prominent besetzten Neben­fi­guren nicht. Sigourney Weaver, eine Stamm-Aktrice des Regis­seurs, wirkt als intri­gante Mutter des Ramses bloß wie eine Stich­wort­ge­berin, die sich zufällig in die Szenerie verirrt hat. Ähnliches gilt für Ben Kingsley, der die Unter­drü­ckung des hebräi­schen Volks perso­ni­fi­ziert, letztlich aber viel zu wenig Raum bekommt, um das Leiden seiner Gefolgs­leute glaubhaft veran­schau­li­chen zu können. Über­spitzt formu­liert, verheizt der britische Filme­ma­cher hier gestan­dene Hollywood-Größen um ihrer Namen willen und befeuert damit nur noch mehr die durchaus berech­tigte Kritik, die sich schon vor Veröf­fent­li­chung des Werks an seiner vorwie­gend hell­häu­tigen Darstel­ler­wahl entbrannte.

Mit Exodus: Götter und Könige erweist sich Ridley Scott einmal mehr als opulenter Epen-Erzähler, der es versteht, modernste Compu­ter­technik in den Dienst beein­dru­ckender Lein­wand­bilder zu stellen. Jenseits des Spek­ta­kels kommt seine Bibel-Verfil­mung aber oft nicht über reizvolle Ansätze hinaus und dürfte das Publikum somit nur vorüber­ge­hend gefangen nehmen.

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