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GB/D/F 2000, 85 Minuten · FSK: ab 12 |
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In der Dokumentation Escape to Life (nach Klaus Manns Buch über die Situation von Emigranten), in der sie jetzt das Leben dieser ungewöhnlichen Menschen nachgezeichnet haben, lassen die Kulturhistorikerin und Dokumentaristin Andrea Weiss und Wieland Speck vor allem die Quellen sprechen. Die Filmemacher vermischen Spielszenen mit Originaldokumenten, wie schriftlichen Aufzeichnungen oder dem berühmten Interview, dass Erika kurz vor ihrem Tod dem Kritiker Fritz J. Raddatz gab. Nicht immer überzeugen die arg manieriert und theatralisch geratenen Spielszenen, zumal diese zumeist nur als Illustration der jeweiligen Zitate eingesetzt sind. Theatralisch ist auch die Geste, diese Auftritte mit Christoph Eichhorn, Cora Frost und Maren Kroymann ausschließlich mit Schauspielern zu besetzen, die sich – wie die Geschwister Mann – offen zu ihrer Homosexualität bekennen.
Ungeachtet dieser weniger geglückten Abschnitte überzeugt der Film insgesamt durch sensible Einfühlung, Intelligenz und dichte Atmosphäre. Auf kommentierende Beschreibung wurde dabei ganz verzichtet, so handelt es sich eher um einen Essay, als eine primär didaktisch auf Wissensvermittlung angelegte Darstellung.
Die Konzentration im chronologischen Ablauf des Films liegt vor allem auf inneren Entwicklungen und dem Verhältnis zwischen den Geschwistern. Überraschend wenig erfährt man stattdessen vom Vater Thomas, und auch der Selbstmord Klaus Manns aus dem Jahr 1949 bleibt eine Fußnote am Ende. Als Erzähler und Leser der Textstücke fungieren Vanessa und Corin Redgrave, auch ein ungewöhnliches Geschwisterpaar, auch dies mit einem berühmten, vielleicht übermächtigen Vater. Auch in diesem Detail zeigt sich eine Eigenwilligkeit des Zugangs, die Escape to Life klar über übliche Dokumentationen hinaushebt, und für jeden, an der Kulturgeschichte des 20.Jahrhunderts Interessierten zu einem sehenswerten Stück Kino macht.